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Soyuz
Gazpacho
Soyuz, KScope Music, 2018
Jan Henrik OhmeGesang
Jon-Arne VilboGitarre
Thomas AndersenKeyboards & Programmierung
Lars Erik AspSchlagzeug
Kristian TorpBass
Mikael KrømerMandoline & Violine
Produziert von: Gazpacho Länge: 48 Min 00 Sek Medium: CD
01. Soyuz One05. Sky Burial
02. Hypomania06. Fleeting Things
03. Exit Suite07. Soyuz Out
04. Emperor Bespoke08. Rappaccini

Kaum eine andere Band löst bei mir eine solche Neugier und Spannung aus, wenn sie ein neues Album ankündigt, wie die Norweger GAZPACHO. Mit ihren bisherigen Alben haben sie sich eine stetig wachsende Fangemeinde erarbeitet und insbesondere die letzten beiden Studio-Werke, “Demon“ und “Molok“, konnten mich wochenlang immer wieder aufs Neue begeistern und mein Interesse fesseln. Und mit dem neuen Album, “Soyuz“, geht es mir auch schon wieder so, dass ich es einfach regelmäßig hören muss.

Dabei ist es erneut – wie immer bei GAZPACHO – kein einfaches Werk, das man nebenbei hören könnte. Vielmehr erfordert es, erneut die volle Aufmerksamkeit des Hörers. Die Norweger sind die Meister der leisen Töne, mit denen sie packende, atmosphärische Songs erschaffen, die eine fast schon unergründlich scheinende Tiefe besitzen. Einzig Hypomania zieht mal etwas mehr ins rockige hinüber und erinnert etwas an MUSE. Insofern gehören sie auch eher in den Bereich des Artrock als zum progressiven Rock, der sich ja doch sehr gerne über die technischen Fähigkeiten der Musiker definiert. Ein Ansatz, der GAZPACHO völlig fremd erscheint.

Stattdessen baut die Musik der Norweger zumeist langsam ausschweifende und zumeist ruhige Melodiebögen auf. Ich fühle mich dann immer ein wenig an einen Soundtrack zu einem Film erinnert – am ehesten an ein Road-Movie. Dabei richten die Musiker ihr Augenmerk auf kleinste Details, die dem Hörer vielleicht erst nach wiederholten Durchgängen auffallen, auf die man dann aber später immer wieder wartet. Und auch wenn das Gebotene dabei zumeist recht ruhig erscheinen mag, so ist es doch ungeheuer aufwühlend und mitreißend in der Umsetzung. Einfach Musik, an der man sich kaum satthören kann.

Und während sich die Artrocker auf den letzten beiden Alben wissenschaftlich mit uralten und bösen Kräften auseinander setzten - das letzte Studio Album "Molok" enthielt ja einen Audio-Code, der rein theoretisch das Universum hätte auslöschen können, sogar einige Wissenschaftsmagazine berichteten darüber. Auf “Soyuz“ geht es um die Vergänglichkeit wunderbarer Momente. So diente für die beiden Teile Soyuz One und Soyuz Out als Inspirationen das russische Raumschiff Sojus (die eingedeutschte Schreibweise), dessen Kapitän Komarow mit der Kapsel verunglückte. In Sky Burial geht es um die tibetanisch-buddhistische Himmelsbestattung, bei der die Verstorbenen in Stücken an Geier und Wildvögel verfüttert werden. Aber nicht als ist immer dramatisch, so stand das Hans Christian Andersen-Märchen "Des Kaisers neue Kleider" Pate für den wirklich wundervollen Song Emperor Bespoke. Außerdem auf dem Album zu hören: die älteste Aufnahme der menschlichen Stimme von 1860.

Auch mit “Soyuz“ unterstreichen GAZPACHO ihre momentane Ausnahmestellung im Bereich des Artrock. Es ist ihnen gelungen, erneut ein spannendes, abwechslungsreiches und faszinierendes Album zu kreieren, bei dem sie sich ein Stück weit wieder neu erfinden, ohne ihre Identität aufzugeben. Und so langsam bin ich wirklich an dem Punkt angekommen, an dem mir kaum mehr Superlative für diese Band einfallen. GAZPACHO sind die Meister ihres Faches und müssen in eine reihe mit Bands wie GENESIS sowie PINK FLOYD oder YES gestellt werden. Das ist keine Musik für den Massengeschmack oder Menschen, die nur Hintergrundgeräusche hören wollen. Aber “Soyuz“ wird – wie zuvor schon “Molok“ und “Demon“ - das Leben seiner Hörer bereichern. In der an Highlights reichen Band-Geschichte gehört es zu den Top 3-Alben (wenn es nicht sogar ganz an der Spitze steht).

Marc Langels, (Artikelliste), 15.05.2018