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Walk The Earth
Europe
Walk The Earth, Silver Lining Music, 2017
Joey TempestGesang
John NorumGitarre
John LevenBass
Mic MichaeliKeyboards & Hammond
Ian HauglandSchlagzeug
Produziert von: Dave Cobb Länge: 40 Min 59 Sek Medium: CD
01. Walk The Earth06. Wolves
02. The Siege07. GTO
03. Kingdom United08. Haze
04. Pictures09. Whenever You’re Ready
05. Election Day10. Turn To Dust

Geht es momentan um die Speerspitze der Classic Rock-Bands, dann werden natürlich die „alten Heroen“ wie DEEP PURPLE und teilweise auch URIAH HEEP genannt (die das Genre ja mit begründeten), dann gibt es ein paar junge Wilde wie die RIVAL SONS, die ganz ungestüm und mit Nachdruck ins Rampenlicht drängen (und dort auch schon angekommen sind) oder eine All-Star-Band wie BLACK COUNTRY COMMUNION, die mit viel Erfahrung und vor allen Dingen großer Namen die Beachtung auf sich zieht. Dabei wird eine Band manches Mal sträflich übersehen, die mit ihren jüngsten Alben alle der genannten Gruppen locker in die Tasche packen kann und die auch schon über die nötige Erfahrung und Reputation verfügt, die größten Festivals zu rocken: natürlich sind damit die Schweden EUROPE gemeint.

Etwas mehr als zweieinhalb Jahre sind vergangen seitdem Joey Tempest, John Norum und Co. mit “War Of Kings“ zuletzt bewiesen, dass sie sich vorzüglich als Nachlassverwalter der Altvorderen wie etwa LED ZEPPELIN, PURPLE aber auch RAINBOW eignen. Klassischster Hard Rock mit knackigen Riffs, begeisternden Soli und wummernden Hammond-Sounds von Mic Michaeli, dazu der treibende Rhythmus der Kombination John Leven (Bass) und Ian Haugland (Schlagzeug), über dem der unnachahmliche Gesang von Tempest thront. Und da das beim Vorgänger so hervorragend funktioniert hatte, behalten EUROPE die Erfolgsformel – und den Sound dank Produzent Dave Cobb - wieder bei und legen mit “Walk The Earth“ gleich das zweite Klasse-Album in Folge vor.

Das geht gleich mal mit dem Titel-Track in die Vollen. Das Stück rockt begeisternder als das komplette jüngste DEEP PURPLE-Werk und zeigt zudem die Fähigkeit der Band, Hooklines zu kreieren, die sofort im Ohr hängen bleiben. Ein Eindruck, den die Band kurze Zeit später noch bei Election Day, GTO, Haze und Whenever You're Ready unterstreicht. Aber auch Balladen können EUROPE nach wie vor schreiben, diese sind dann aber nicht so herrlich bombastisch-kitschig wie noch bei Carrie sondern in diesem Fall mit Pictures eher nachdenklich und zurückhaltend aber auch schwelgerisch und herzerwärmend ausgefallen.

Neben dem, wie immer, brillanten Gesang von Tempest sticht einmal mehr die exzellente Gitarren-Arbeit von Norum ins Ohr, der hier zeigt, dass er zu den sträflich unterbewerteten Gitarristen seiner Generation gehört. Zumal er bedeutend überzeugender rockt als zum Beispiel ein Joe Bonamassa bei BLACK COUNTRY COMMUNION, dessen Stärke eindeutig im modernen Blues liegt. Die abwechslungsreichen Riffs von Norum haben hier den nötigen Druck und reißen den Hörer mit (zum Beispiel bei GTO, das künftig in keinem Auto-Rennen-Spiel fehlen darf) und seine Soli sind ein wahres Fest und gehören zu den Highlights des jeweiligen Songs. Aber auch Michaeli sorgt mit seinen – überwiegend – Hammond-Sounds dafür, dass hier das richtige Classic Rock-Feeling aufkommt.

Ein großes Lob gebührt auch wieder Produzent Dave Cobb. Er hat der Band auch hier wieder einen wuchtigen und zugleich großen – man möchte schon fast von Leinwand-artigen – Sound verpasst, auf dem sich die Musiker dann mit ihren Instrumenten wie Maler mit ihren Pinseln austoben können. “Walk The Earth“ ist ein im besten Sinne großartiges modernes Classic Rock-Album, das mit starken Songs von Vorne bis Hinten zu überzeugen weiß. EUROPE beweisen sich hier als wahre Meister und treten erneut den Beweis an, dass sie mehr als bereit dazu sind, den Classic Rock am Leben zu halten, wenn dann irgendwann die Gründer-Generation von der Bühne abtreten wird.

Marc Langels, (Artikelliste), 09.10.2017