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Tuohi Records
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Live 2016
Erja Lyytinen
Live 2016, Tuohi Records, 2016
Erja LyytinenGuitar, Vocals
Heikki SilvennoinenGuitar, Vocals
Harri TaittonenKeyboards, Hammond
Juha VeronaBass
Kai JokiahoDrums
Produziert von: Erja Lyytinen, Heikki Silvennoinen, Davide Floreno Länge: (CD) 77 Min 05 Sek Medium: CD & DVD
CD & DVD:
01. Baking Blues09. Pohjinen J
02. The River10. Rakastatko Vielä Kun on Ilta
03. You Should Know11. Have You Ever Loved A Woman
04. Silloin Nyt Aina12. Crossroads
05. Love Laboratory13. Singing The Blues
06. Sun Don't You Shine14. Rock Steady
07. I Can't Hold Out15. I Loved Another Woman
08. Four Thousand Miles

Vor kurzem ist er wieder durch unsere Lande gerollt: BLUES CARAVAN. Von den Stars, die aus diesem “Tournee-Gebilde” hervorgegangen sind, oder daran teilgenommen, ist die finnische Slide-Expertin Erja Lyytinen mit Sicherheit eine der Fleißigsten. Stolze acht Scheiben hat sie seitdem veröffentlicht. Warum ”Voracious Love” in der Discografie ihrer Homepage nicht geführt wird, ist mir unklar. Auch die Live-CD/DVD “Songs From The Road“ fehlt. Ebenfalls nicht geführt, weil wohl “nicht soo ganz offiziell geplant“ – nichtsdestotrotz eine reguläre Veröffentlichung – ist “Live 2016“. Aufgenommen wurde der Live-Mitschnitt im Februar 2016 mit Erjas aktueller Band und zusammen mit dem finnischen Gitarristen/Sänger/Produzenten und Teilzeit-Schauspieler Heikki Silvennoinen. Der genießt schon ein bisschen Kultstatus in dem skandinavischen Land und entsprechend steht sein Name zusammen mit Erja auf dem Cover und ein Teil der Songs stammt von ihm

Schön ist auf jeden Fall, dass dieses Album wieder als CD/DVD kommt und man sich somit das Vergnügen auch visuell gönnen kann. “Live At Verkatehdas Hämeenlinna Finland“ erscheint zu Beginn auf dem Bildschirm, was wohl der eigentliche Titel des Album wäre. Für nicht-finnische Zungen allerdings ein Wagnis auszusprechen. Erja und Heikki eröffnen das Konzert auf akustischer Basis mit einem klassischen Country-Blues. Der stammt zwar aus der Feder von Erja, aber Baking Blues klingt nicht weit entfernt von dem, was die großen Blues-Damen, wie Ma Rainey, vor fast einem Jahrhundert gemacht haben. Toller Einstieg.
Heikki Silvennoinen scheint eher der zurückhaltendere, melancholische Typ zu sein, allerdings offensichtlich ein hervorragender Musiker. Sein The River ist eine wunderschöne Ballade, die dezent von der mittlerweile hinzugekommenen Band unterstützt wird. Auch You Should Know stammt aus Heikkis Feder und wir der plötzlich bei so einem Blues-Boogie aus sich rausgehen kann, wenn man ihm eine E-Gitarre in die Hand drückt, das überrascht wohl nicht nur mich. Da fetzt der auch richtig geile Soli – “Wah-Wah-fiziert“ – von der Bühne. Chicago in Finnland? Man könnte es meinen, zumal auch Harri Taittonen ein herrliches Piano-Solo beisteuert, was auch Erja anschließend kaum übertrumpfen kann. Die Grenzen des Blues hat Erja auf ihren Alben längst ausgetestet und erweitert und Elemente von Soul, Jazz und auch mal Pop aufgenommen. Das landessprachlich als Duett mit Heikki gesungene Silloin Nyt Aina zeugt von diesen Einflüssen. Witzigerweise klingt der Gesang für mich irgendwie Spanisch/Südamerikanisch.

Love Laboratory stammt von dem zum Konzertzeitpunkt noch nicht veröffentlichten 2017er “Stolen Hearts“-Album. Auch hier kommt die Nummer funky, leicht sphärisch aber spätestens in den Soliparts sehr druckvoll und rockig. Der Blues- und Slide-Größe Elmore James hat Erja mit dem Album “The Sky Is Crying” bereits Tribut erwiesen. Hier wird das mit einer rasanten Fassung von I Can’t Hold Out fortgesetzt. Bringt ordentlich Drive rein, bevor mit Silvennoinens Four Thousand Miles die Stimmung wieder runtergefahren wird. Hat was von Claptons Unplugged-Songs.
Ein paar auf Finnisch gesungene Songs folgen und dann widmet man sich nochmal ausgiebig großen Blues-Klassikern. Freddie Kings Have You Ever Loved A Woman, Robert Johnsons Crossroads , bei den beiden Nummern allein wird schon ein richtig geiles Feuer auf der Bühne entfacht. Von allen Akteuren fantastisch gespielt, rockt und bluest es da, dass es eine wahre Freude ist und Erjas Slide-Spiel erklimmt neue Höhen.
Ich sag‘ es jetzt schon: Man begeht einen Fehler, wenn man sich – wie so oft – diese DVD nur einmal ansieht und dann im Schrank verstauben lässt.
Erja wurde/wird gern mit der großartigen Bonnie Raitt verglichen und fördert dies auch noch, indem sie zur Zugabe Rock Steady, einst von Raitt zusammen mit Bryan Adams gesungen, bringt. Jetzt sind wir natürlich längst im Abtanz-Party-Modus, den man anscheinend zum Schluss wieder besänftigen muss. Na, wenn schon, dann mit einer gefühlvollen Fassung von Peter Greens I Loved Another Woman. Schön, dass man sich an solche Glanzlichter der Musikgeschichte noch erinnert. Auch wenn es weit im Norden ist.
Einmal mehr unterstreicht Erja Lyytinen ihre Klasse, bereichert noch durch Heikki Silvennionen. Eine Veröffentlichung, die unbedingt weitere Kreise ziehen sollte.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 18.02.2018