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The Studio Albums 1972 - 1979
Eagles
The Studio Albums 1972 - 1979, Warner Music, 2013
Don FelderGuitar, Vocals
Glenn FreyGuitar, Piano, Vocals
Bernie LeadonGuitar, Banjo, Vocals
Randy MeisnerBass, Guitar, Vocals
Don HenleyDrums, Vocals
Al PerkinsPedal Steel
David SanbornSaxophone
Joe WalshGuitar, Organ, Piano, Vocals
Timothy B. SchmitBass, Vocals
Produziert von: Glyn Johns, Bill Szymczyk Länge: 242 Min 42 Sek Medium: CD
"Eagles":(1972)
01. Take It Easy06. Train Leaves Here This Morning
02. Witchy Woman07. Take The Devil
03. Chug All Night08. Earlybird
04. Most Of Us Are Sad09. Peaceful Easy Feeling
05. Nightingale10. Tryin'
"Desperado":(1973)
01. Doolin-Dalton07. Doolin-Dalton (Instrumental)
02. Twenty-One08. Outlaw Man
03. Out Of Control09. Saturday Night
04. Tequila Sunrise10. Bitter Creek
05. Desperado11. Doolin-Dalton (Reprise)
06. Certain Kind Of Fool
"On The Border":(1974)
01. Already Gone06. James Dean
02. You Never Cry Like A Lover07. Ol' 55
03. Midnight Flyer08. Is It True
04. My Man09. Good Day In Hell
05. On The Border10. The Best Of My Love
"One Of These Nights":(1975)
01. One Of These Nights06. Take It to The Limit
02. Too Many Hands07. Visions
03. Hollywood Waltz08. After The Thrill Is Gone
04. Journey Of The Sorcerer09. I Wish You Peace
05. Lyin' Eyes
"Hotel California":(1976)
01. Hotel California06. Victim Of Love
02. New Kid In Town07. Pretty Maids All In A Row
03. Life In The Fast Lane08. Try And Love Again
04. Wasted Time09. The Last Resort
05. Wasted Time (Reprise)
"The Long Run":(1979)
01. The Long Run06. Heartache Tonight
02. I Can't Tell You Why07. Those Shoes
03. In The City08. Teenage Jail
04. The Disco Strangler09. The Greeks Don't Want No Freaks
05. King Of Hollywood10. The Sad Cafe

Vor langer, langer Zeit schrieb ich einen Song - ja, das kam bei mir auch schon einmal vor - namens One Of These Nights. Ohne jeden Hintergedanken, und ohne jede Ahnung, denn so oft jemand hörte oder las, dass ich mit meiner Band THE MIDNIGHT RAMBLERS einen Song mit diesem Titel spielte, kam die Frage: "Von den EAGLES?".
Tja, damit muss man leben, auch wenn das 20 Jahre nach dem Song/Album der glorreichen Country Rock-Band war und musikalisch damit kaum etwas zu tun hatte. Soviel nur einmal, welchen Status diese Band hatte und teilweise immer noch hat.
Dass Warner Music in dieser schmucken Box die Studioalben der Band - in Mini-LP-Replikas getütet - veröffentlicht, macht also so viel Sinn wie Freude. An dieser Stelle und während des Hörens der Alben empfiehlt sich schon der Sprung zu Mario Wilberts EAGLES-Biografie, die er hier ins HoM gemeißelt hat.

Wie der Titel der Box verdeutlicht, handelt es sich um die Alben von 1972 - 1979, also bevor sich die Band erstmals auflöste. Welch hochklassige Musik diese Herren in diesem Zeitraum machten, lässt sich hiermit noch einmal wundervoll nachvollziehen. Sechs aufeinanderfolgende Alben, von solcher Qualität, Strahlkraft und Einfluss, können nur die allerwenigstens Bands auf ihre Flagge schreiben.
Schon das schlicht "Eagles" benannte Debütalbum zeigt die Stärken der Bands und bringt mit Take It Easy, Witchy Woman und Peaceful Easy Feeling drei All-Time-Klassiker der Band hervor. Man sollte aber keinesfalls den Fehler machen, sich nur durch die Hits zu zappen. Da sind noch reichlich vergessene oder übergangene Perlen auf jedem Album. Most Of Us Are Sad, mit seinem bittersüßen Vocals - ein paar Jahre später klingt Take It To The Limit sehr ähnlich - zum Beispiel. Oder auch die schwungvollen, POCO-verwandten Country-Rocker Nightingale, Tryin' und Chug All Night, die die Band teils rauer klingen lassen, als man das in Erinnerung hatte.
Natürlich sind es auch immer die Balladen gewesen, mit denen die "Adler" punkten konnten, und mit Take The Devil gibt’s hier eine weitere - nicht so bekannte - Schönheit. Schön auch das Richtung Country und Bluegrass gehende Earlybird.
Die Adler waren gestartet.

So schwungvoll wie der Erstling ging "Desperado" nicht los, aber die finster dreinblickenden Gesellen auf dem Cover hatten sich mit Doolin-Dalton ja auch in teils nicht so spaßige Zeiten begeben. Während die gefangenen "Verbrecher" auf der Rückseite der Hülle am Boden liegen, erhoben sich die Barden, die deren Geschichte vortrugen in neue Höhen. Wie gesagt, noch etwas schwerflügelig zu Beginn, sorgt der flotte Scheunen-Boogie Twenty-One dann für Aufwind, während es Out Of Control wieder ungewohnt rockig wird und Glenn Frey mit rauchig-rauer Stimme den Song antreibt. Richtig geil!
Gut, mit Tequila Sunrise unterstrich das zusammenwachsende Songschreiber-Duo Glenn Frey und Don Henley, zu welchen Geniestreichen sie fähig waren und liefert hier wohl eine der besten Sonnenuntergangs-Balladen aller Zeiten. Und mit Desperado einen der größten Schmachtfetzen überhaupt gleich hinterher. Keineswegs abwertend gemeint!
Der Übergang von vom hoppelnden Instrumental Doolin-Dalton (Instrumental) in den Outlaw Man geschieht fliesend und auch hier kann man sich beeindruckt zeigen, von der tollen Gesangs- und Instrumentlaleistung. Ein weiterer oft zu Unrecht übersehener Song! Selbiges kann Saturday Night natürlich nicht passieren. Zu traumhaft-schön umkreisen sich hier diese Engels-Stimmen.

Ich hab' manchmal den Eindruck, dass "On The Border" etwas stiefmütterlich behandelt wird. Dabei beginnt das 1974er Album mit dem treibenden Ohrwurm Already Gone doch schon richtig gut. Übrigens haben WILSON PHILLIPS 2004, auf "California" da eine sehr gute Coverversion eingespielt.
Wahrscheinlich hat auf diesem Album der ganz große Hit gefehlt, obwohl mit Midnight Flyer wieder herrlichster Bluegrass-Stoff enthalten ist, der Titelsong sehr groovig und tanzbar geriet - toller Gesang wieder von Don Henley! - und natürlich James Dean die B-Seite (damals dachte man noch in LP-Dimensionen) so kongenial eröffnete, wie Already Gone die erste Seite. Das neue Bandmitglied Don Felder macht vor allem im blues-rockigen Good Day In Hell mit Lead- und Slide-Gitarre auf sich aufmerksam und natürlich - wie alle Mitglieder - mit perfektem Backgroundgesang. Also auch bei diesem Album sollte man ruhig wieder einmal genauer zuhören. Nicht nur wegen Henleys tollem The Best Of My Love.

Dem leicht disco-mäßigen Bass-Lauf, zu Beginn von "One Of These Nights" hört man die voranschreitenden Siebziger an, aber die EAGLES passten sich dem perfekt an, polierten ihren Sound etwas auf und brachten auch hier wieder ein herausragendes Album an den Start, welches ihnen mit dem Titelsong einen Grammy bescherte und mit Songs wie Take It To The Limit und Lyin' Eyes zum endgültigen weltweiten Durchbruch verhalf. Immer mehr machte sich die Hinzunahme von Felder bezahlt, der sowohl allein, als auch im Duell mit Glenn Frey - siehe Too Many Hands - prägende Gitarrensoli beisteuerte.
Leadons atmosphärisch interessante Kombination aus Bluegrass und Symphony-Nummer wurde später sogar vom Kult-Autor Douglas Adams als Soundtrack für die BBC-Produktion von "Per Anhalter durch die Galaxis" ausgewählt.
Auch wenn es etwas langsam aus den Startlöchern kommt, würde ich das Duett von Henley und Frey After The Thrill Is Gone zu einem weiteren Glanzlicht auf diesem Album zählen.

Bald 40 Jahre danach, hat der Beginn von Hotel California nichts von seiner Magie eingebüßt. Davon kann man sich auf "Hotel California" wieder einmal überzeugen. Obwohl ein so Stil prägendes Mitglied, wie Bernie Leadon, die Band verlassen hatte, wurde das Album zum erfolgreichsten Studioalbum der Band. Dass nun Joe Walsh an der Gitarre dabei war, erwies sich als Gewinn und bereits im Titelsong überzeugte dieser mit ebenso einfühlsamen Tönen, wie antreibenden Licks.
Gleich einen unwiderstehlichen Ohwurm, wie New Kid In Town, hinterher und viel kann schon nicht mehr viel verkehrt laufen. Mit Life In The Fast Lane verlies man den auf dem Vorgänger etwas zu süßlich geratenen Stil und brachte wieder rockigere Töne ein. Dazu noch Henley schwülstige Ballade Wasted Time und eine Albumseite war gezimmert, die nicht zu übertreffen war.
Trotzdem sollte man sich den Stampfer Victim Of Love mal wieder reinziehen, nicht nur, aber auch, wegen der Gitarren von Felder und Walsh. Und auch Try And Love Again verdient es öfter gehört zu werden. Nicht nur wegen Randy Meisners Schwanengesang - er verlies die Band nach diesem Album und wurde durch Timothy B. Schmit ersetzt - , sondern auch wegen der tollen Harmonien und der wundeschönen Gitarren von Walsh und Frey. Henleys Piano-Ballade The Last Resort wird sich sowieso kein Romantiker entgehen lassen.

Mein Lieblingsalbum ist "The Long Run". Schon allein der Beginn mit Walsh' Slide-Gitarre im Titelsong und die Ausgewogenheit aus himmlischen Gesängen und höllischen Slide-Tönen ist für mich genial. Dazu ein unwiderstehlicher Rhythmus - klasse!
Für mich hat hier alles, was mir sonst etwas zu soft klingt, etwas mehr Pepp. Auch solche Schleicher wie I Can't Tell You Why haben etwas unterschwellig Brodelndes. Joe Walsh' In The City fand bereits im Soundtrack zum Kinohit "The Warriors" Unterkunft und mit den Stimmen seiner Adler-Kollegen bekam die Slide-Nummer noch mehr Glanz.
Heartache Tonight gehört zu den größten Hits der Band, aber auch der pulsierende Großstadt-Blues Those Shoes ist ein toller Song, der viel zu wenig gespielt wird. Ebenso wie psychedelische Teenage Jail und das rock'n'rollige The Greeks Don't Want No Freaks. Auch das abschließende - fast schon traditonell eine Piano-Ballade - The Sad Café unterstreicht, welch geniales Album "The Long Run" ist.
Hier werden sechs Alben schön in einer stabilen Box präsentiert, die man in irgendeiner Form zu Hause haben sollte. Warum nicht in dieser Form?

Epi Schmidt, (Artikelliste), 07.06.2013