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Welcome Back, My Friends, To The Show That Never Ends... Ladies And Gentlemen
ELP
Welcome Back, My Friends, To The Show That Never Ends... Ladies And Gentlemen, BMG, 2016 (1974)
Keith EmersonKeyboards
Greg LakeVocals, Guitar, Bass
Carl PalmerDrums, Percussion
Produziert von: Greg Lake Länge: 109 Min 30 Sek Medium: CD
Disc One:
01. Hoedown04. Tarkus
02. Jerusalem05. Take A Pebble/Still... You Turn Me On/Lucky Man
03. Toccata
Disc Two:
01. Piano Improvisations03. Jeremy Bender/The Sheriff
02. Take A Pebble (Conclusion)04. Kan Evil 9

Nachdem die Progressiv-Bombastiker von EMERSON, LAKE & PALMER mit den Alben ”Brain Salad Surgery” und ”Trilogy” bereits ungeahnte Höhen erklommen hatten, folgte 1974 das zweite Live-Album der Band, mit dem sie sozusagen den Olymp erklommen: “Welcome Back, My Friends, To The Show That Never Ends… Ladies And Gentlemen“.
Innerhalb von vier Jahren hatten die drei Musiker beeindruckende Leistungen abgeliefert und sich an die Spitze der Prog-Rock-Szene gesetzt. Ganz klar, dass man sich von den Konkurrenten von YES nicht die Butter vom Brot nehmen lies und deren im Jahr zuvor erschienen 3-LP-Livealbum “Yessongs“ ebenfalls eine “Tripple-Live“ entgegenstellte.

An der Performance gibt es denn auch, trotz aller Gigantomanie, die die Band damals betrieb kaum was auszusetzen. Lediglich der Sound gab Anlass zur Kritik, aber erstens ehrt es sie, dass im Studio nichts nachgebessert wurde und zweitens hielt das die Fans nicht davon ab, das Album wie warme Semmeln zu kaufen. Hohe Chart-Platzierungen für so ein umfangreiches Werk gibt und gab es ja auch nicht alle Tage (Platz 5 in UK, Platz 4 in USA und immer noch ein beachtliche 26. Platz in Deutschland).
Der bekannte Satz aus dem Opus Karn Evil 9 lieferte Albumtitel und Einleitung, natürlich auch für diese remasterte und nun erschienene Neuauflage, die den Sound von damals vielleicht nicht restlos vergessen lässt, aber doch einiges besser klingt.
Live wurde die Songs zum Teil einiges schneller als im Studio gespielt, was bereits die affenartige Geschwindigkeit von Hoedown demonstriert. Besonders Tasten-Derwisch Keith Emerson tut sich da mit Sounds und Tempi hervor. Da wird einem bereits in diesen ersten Minuten ganz schwummerig.
Da muss man erst einmal durchschnaufen und Jerusalem, mit vergleichsweise kurzer Spielzeit, lässt auch Mainstream-Hörer geneigt zuhören. Wären die spacigen Sounds nicht, man könnte sogar eine Ähnlichkeit zu JETHRO TULL finden.
Dann schaukelt man sich aber, teils dramatisch, nach oben und erreicht mit Tarkus schon fast eine halbe Stunde Spielzeit. Da können sie sich denn auch austoben. Das wird teils direkt jazzig und für Normalsterbliche kaum noch nachvollziehbar. Auch Carl Palmer, mit seinem extra angefertigten Drum-Kit, weiß hier für offene Münder und Fragezeichen auf den Stirnen zu sorgen. Damalige Zeitzeugen müssen direkt Außerirdische vermutet haben, die fähig waren, so ein Klang- und Rhythmusgebilde zu schaffen.

Das einstige Dreifach-Album passt nun auf zwei CD’s und zum Schluss der ersten darf auch Greg Lake etwas mehr ins Rampenlicht treten. Natürlich auch mit dem Hit Lucky Man, der hier aber etwas in einem Medley untergeht.
War ja auch nicht wirklich so der Stil von ELP. Dann schon eher die Piano Improvisations, bei denen sich damals das ganze Klavier in die Höhe erhob. Samt Klavierspieler!
Höhepunkt ist das über 30-minütige Karn Evil 9. Auch wenn man Prog- und Art-Rock eher skeptisch und kritisch gegenübersteht, muss man die Leistung der Protagonisten hier würdigen. Was da an Dynamik, Spielfreude, Musikalität und Genialität geboten wird, dürfte schwer zu überbieten sein. Wie sich Palmer an seinen Trommel, Kesseln und Pauken austobt, ist allein schon ein Erlebnis und wie Emerson von Klassik zu Jazz schwirrt und uns ins Weltall katapultiert, ist schon irre.
Der Prog-Rock-Gemeinde erzähl ich hier nichts Neues, aber wer sich gern mal auf einen ausgedehnten musikalischen Trip begeben mag, dem rufen ELP hier ein fröhliches “Welcome…“ entgegen. Die Show ist dann doch, mehr oder weniger, geendet, denn der Höhepunkt war erreicht, danach ging’s – meist – bergab.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 18.10.2016