I'm A Man - The Best Of The Wilko Johnson Years 1974-1977
Dr. Feelgood
I'm A Man - The Best Of The Wilko Johnson Years 1974-1977, Parlophone, 2015
Lee BrilleauxVocals, Harp
Wilko JohnsonGuitar
John B. 'Sparko' SparkesBass
John 'The Big Figure' MartinDrums
Produziert von: Tim Chacksfield Länge: 51 Min 58 Sek Medium: CD
01. Roxette09. Riot In Cell Block Number Nine
02. Cheque Book10. I'm A Man
03. Twenty Yards Behind11. All Through The City (live)
04. Keep It Out Of Sight12. Checkin' Up On My Baby (live)
05. Back In The Night13. Everybody's Carrying A Gun (Olympic Version)
06. Watch Your Step14. Lights Out
07. Rolling And Tumbling15. Sneakin' Suspicion
08. Don't Let Your Daddy Know16. Going Back Home (live)

Mit Sicherheit war das ein unerwarteter Erfolg, den DR. FEELGOODs Ur-Gitarrero Wilko Johnson zusammen mit Roger Daltrey und dem gemeinsamem Album “Going Back Home” vor gut einem Jahr erzielte. Noch mehr erfreulich ist, dass Wilko die bei ihm 2013 diagnostizierte Krebserkrankung anscheinend besiegt hat. Die selbst ausgerufene “Farewell Tour“ wird also hoffentlich noch weiter gehen.
Mit diesem Album ehrt man seitens der Plattenfirma Parlophone den Gitarristen besonders, denn er wird ja auch im Titel genannt: “The Best Of The Wilko Johnson Years“. Hat er absolut verdient, denn nach wie vor ist Johnson ein völlig unterschätzter Gitarrist, der für den britischen R&B und Pub-Rock einflussreicher war, als sich die meisten vorstellen können. Zum “Nachhilfeunterricht“ empfiehlt sich da die Dokumentation ”Oil City Confidential” und natürlich die ersten vier Alben von DR. FEELGOOD.

Auf nur einer CD, wenn auch mit 16 Songs ganz gut gefüllt, kann man das natürlich nicht abhandeln und man hat schon den Verdacht, dass da etwas auf dem Erfolg von “Going Back Home“ geritten werden soll. Aus meiner Sicht ist die 3-CD + DVD Box “All Through The City“ weitaus sinnvoller, aber seinen Spaß hat man sehr wohl dieser Scheibe auch. Mit Roxette legt diese gleich mit einem Klassiker der Band los, der vor allem Live immer bestens ankam. Ganz klar war Sänger Lee Brilleaux mindestens ebenso für den Erfolg und den Legendenstatus der Band verantwortlich, wie Wilko Johnson. Zum Stakkato-Stil von Johnson lieferte Brilleaux für gewöhnlich eine Performance, die man nur als manisch beschreiben kann. So dominiert sein ungeschliffener Gesang auch hier die Songs und lockt zusammen mit dem unnachgiebigen Rhythmus zum Mitrocken.
Das ist alles ziemlich puristisch und vielleicht gerade deshalb so “in-the-face“. Knochentrocken, hart und rau, so wie britischer R&B sein soll. Teilweise an Ska erinnernd, in Cheque Book spätere THE CLASH vorhernehmend, in Twenty Yards Behind an die STONES der 60er erinnernd, oder in Checkin‘ Up On My Baby auf die amerikanische J GEILS BAND verweisend.

Mit dem swingenden Everybody’s Carrying A Gun offenbart die Band sogar nahezu poppige Ohrwurm-Qualitäten, wogegen Lights Out in Punk-Manier dahinstürmt. Mit Back In The Night, Going Back Home und All Through The City sind drei weitere und typische FEELGOOD-Evergreens hier zu finden, zum Teil in Live-Versionen und mit Riot In Cell Block Number Nine eine der besten Versionen dieses Klassikers überhaupt.
Ein ums andere Mal darf man von Wilkos puristischen (ohne Plektrum gespielten) und doch so effektiven Gitarrenspiel beeindruckt sein und sich vom Beat der Rhythmusfraktion, Sparko und The Big Figure, antreiben lassen, während Lee Brilleaux (einer der besten und beeindruckendsten Frontmänner aller Zeiten) seine Blues_Harp pumpt und einen mit seinem Gesang unnachgiebig und unablässig in seinen Bann zieht. Wie gesagt: Viel zu wenig um der Band gerecht zu werden aber – wie es in einem späteren Song ähnlich heißt – ein gewaltiger Schuss Rock’n’Roll mitten in den Schädel.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 01.03.2015