Link Homepage:
Offizielle Dr. Feelgood Homepage
Link Plattenfirma:
Grand Records
Link Kaufen:
www.amazon.de
Adventures At The BBC - 1977 Onwards
Dr. Feelgood
Adventures At The BBC - 1977 Onwards, Grand Records, 2015
Lee Brilleaux, Pete Gage, Robert KaneVocals, Harp
Gypie Mayo, Gordon Russell, Steve WalwynGuitar
John B. 'Sparko' Sparkes, Phil MitchellBass
John 'The Big Figure' Martin, Kevin MorrisDrums
Produziert von: Jeff Griffin, Stephen Foster, Paul Long, Malcolm Brown Länge: 159 Min 55 Sek Medium: CD
Disc One - On Stage:
01. Looking Back14. I Thought I Had It Made
02. Stupidity15. Ninety-Nine And A Half (Just Won't Do)
03. You'll Be Min16. Milk And Alcohol
04. You Upset Me Baby17. Night Time
05. Homework18. Shotgun Blues
06. Baby Jane19. You Upset Me Baby
07. The Blues Had A Baby And They Named It Rock'n'Roll (#2)20. Down At The Doctors
08. That's It I Quit21. She's A Windup
09. Lucky Seven22. Lights Out
10. She's A Windup23. Riot In Cell Block #9
11. Lights Out24. She Does It Right
12. Looking Back25. See You Later Alligator
13. Sugar Shaker26. Bony Moronie/Tequila
Disc Two - In The Studio:
01. You Upset Me Baby14. I Can Tell
02. She's A Windup15. The World Keeps Turning
03. Baby Jane16. Instinct To Survive
04. Ninety-Nine And A Half (Just Won't Do)17. Shakin' All Over
05. Night Time18. Don't Start Me Talking (unplugged)
06. Take A Tip19. Suzie Q (unplugged)
07. Down At The Doctors20. Gimme One More Shot (unplugged)
08. Sugar Shaker21. Let's Work Together (unplugged with CANNED HEAT)
09. You Don't Love Me22. Back In The Night (unplugged with CANNED HEAT)
10. She's In The Middle23. Too Much Trouble
11. My Way24. She's A Windup
12. Dangerous25. All Through The City

Erst vor kurzem erschien mit den ”I’m A Man – The Best Of The Wilko Johnson Years” eine Retrospektive über die frühen Tage und den ersten Gitarristen der legendären Pub-Rock Band den DR. FEELGOOD. Das war mit einer einfachen CD natürlich viel zu wenig Material, welches weder der Band noch Wilko Johnson gerecht wurde. Spaß macht das Album dennoch, denn nicht zuletzt steht da einer der größten Maniacs aller Zeiten am Mikrofon: Lee Brilleaux!
Viel zu früh verstorben, wird er jedem, der den Mann mal auf der Bühne erlebt hat, für alle Zeiten in Erinnerung bleiben. Die Augen hervorquellend, den Körper leicht nach vorne in Publikum gebeugt, den Mund aufgerissen, eine Zigarette zwischen den Fingern und nach Bedarf die Mundharmonkia hervorkramend. Und Schweiß in Strömen. Und das sehr schnell auch beim Publikum, denn bei diesen Shows ging es einfach nur ab. Manche Punk-Veranstaltung war ein Dreck dagegen.

Mit dieser schönen Veröffentlichung “Adventures At The BBC – 1977 Onwards“ würdigt man die zahlreichen Auftritte der Band bei der englischen BBC. Teils im Studio, teils live in Concert. Soweit ich weiß, kommen hier erstmals verschiedene Besetzungen der Band und sogar alle drei Sänger auf einer Veröffentlichung zusammen. Die Jahreszahl macht es schon deutlich, dass man hier nach der “Wilko-Ära“ und somit mit dem Gitarristen Gypie Mayo startet. Der war wohl nicht so Stil prägend, wie Wilko, aber maßgeblich an einigen wichtigen Alben und Hits beteiligt. Und überwiegend an der “On Stage“-CD, die bis auf wenige Songs von zwei Konzerten aus den Jahren 1977 und 1978 stammt. Also die Band in Hochform und noch mit der alten Rhythmus-Maschine “The Big Figure“ und “Sparko“. Da stört es nicht, wenn Gypies Gitarre in Lucky Seven hoffnungslos verstimmt ist, oder die Hyperspeed-Version von Lights Out von der Band selbst kaum noch eingefangen werden kann. Hier spürt man immer noch das Feuer von vor fast 40 Jahren lodern und die Bude in Brand setzen. Der Unterschied und die Einzigartigkeit wird umso größer, wenn bei den Songs 23 bis 26 die aktuelle Besetzung der Band zu hören ist. Beileibe keine schlechten Musiker und ich bin ein Riesenfan von Steve Walwyns Gitarrenspiel! Aber Robert Kane am Mikro kann die Fußstapfen von Brilleaux nicht ausfüllen. Zu seiner Ehrenrettung: Niemand hätte das gekonnt. Trotzdem machen die Songs, und vor allem die Feelgood-Version von Bony Moronie/Tequila, mächtig Spaß und lassen einen nicht stillsitzen.

Es darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass ein Teil der Tracks bereits auf “Down At The BBC – In Concert 1977-1978“ veröffentlicht wurde – sprich; die Songs mit Gypie Mayo auf der ersten CD – sowie auf “BBC Sessions 1973-1978“. Davon stammen die ersten acht Songs der “In The Studio“-CD. Das ist etwas blöd, aber von der Faszination und der Freude, die diese Aufnahmen verbreiten, nimmt das ja nichts weg. Vor allem von einem meiner Lieblingssongs der Band, Sugar Shaker, bin ich auch hier erneut begeistert. Gypie ist echt viel zu unterschätzt.
Ab Track 12 der zweiten CD wird’s dann deutlich “Unveröffentlichter“. Da gibt’s zunächst vier Songs mit dem zwischenzeitlichen Gitarristen Gordon Russell, aufgenommen 1984. Entsprechend finden sich hier ein paar seltener gehörte Stücke, wie das rasante She’s In The Middle, das locker rockende My Way, welches natürlich nichts mit Frankieboys Welthit zu tun hat, und der Texas-Boogie Dangerous.
Wie hat sich der DR. FEELGOOD-Sänger Pete Gage geschlagen? Einen kleinen Eindruck davon kann man sich anhand der folgenden fünf Nummern machen. Also, ich finde, klingt zumindest hier nicht übel und besonders Shakin‘ All Over hat doch nahezu Brilleaux-Klasse.
Die FEELGOODs unplugged? Zu früheren Zeiten schwer vorstellbar, aber was gab es später nicht alles? Hat man sich damit abgefunden, kommen Songs wie Don’t Start Me Talking und CCRs Suzie Q (jetzt natürlich wieder mit dem aktuellen Sänger Robert Kane am Mikro) zumindest unterhaltsam und wenn für Let’s Work Together und Back In The Night sogar noch die nicht minder legendären CANNED HEAT in die Session einsteigen, geht der Abend doch angenehm zu Ende.
Wenn wir nicht bei DR. FEELGOOD wären, denn da muss es traditionell zum Schluss nochmal ordentlich krachen! So sorgen die Band-Klassiker She’s A Windup und All Through The City für das passende Finale. Hat hier natürlich nicht ganz die Brilleaux-Energy, aber immer noch den meisten Acts Meilen voraus. Also auf zu neuen und alten Abenteuern mit der Pub-Rock Band schlechthin!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.03.2015