Shades
Doyle Bramhall II
Shades, Provogue, 2018
Doyle Bramhall IIVocals, Guitars, Keyboards
Chris BruceBass
Adam MinkoffGuitars
Carla Azar, Abe RoundsDrums
Norah JonesVocals
Eric ClaptonGuitar
Derek TrucksSlide Guitar
Produziert von: Doyle Bramhall II Länge: 52 Min 29 Sek Medium: CD
01. Love And Pain07. Break Apart To Mend
02. Hammer Ring08. She'll Come Around
03. Everything You Need09. The Night
04. London To Tokyo10. Parvannah
05. Searching For Love11. Consciousness
06. Live Forever12. Going Going Gone

Leichte Kost klingt anders. Doyle Bramhalls neueste Soloplatte sickert nur allmählich in das musikalische Bewusstsein des Hörers. Man sollte "Shades" mindestes drei bis vier Durchgänge gönnen, um sich ein endgültiges Urteil zu erlauben. Bis auf einige Ausnahmen, beispielsweise Doyles soulige Kooperation mit seinem Mentor Eric Clapton (Everything You Need) und das balladeske Duett mit Norah Jones (Searching For Love), klingen etliche der Songs zunächst etwas spröde und entfalten ihre Tiefe und Reichaltigkeit erst nach eingehender Inspektion. In der Tat ein Album zum Zuhören.

Der dunkel gewandete, psychedelisch unterwanderte Opener Love And Pain, mit seinen dräuenden Backing Vocals und der Hendrix umwehten Psycho-Reverse-Sologitarre, öffnet die Tür zu einem spannenden und wagemutigen Album, das mit dem energischen, Chris Whitley infizierten Hammer Ring mächtig Fahrt aufnimmt, um sich dann mit Clapton und Jones ein wenig zu beruhigen.

Doyle Bramhalls packender Gesang, sein manchmal recht eigenwilliger Gitarrenstil und die mitunter nicht unbedingt stromlinienförmigen Arrangements dominieren ein spannungsgeladenes Album, das die Stärken des Künstlers Bramhall umso deutlicher hervorheben.

Das mit seinen spiritual brothers von den texanischen GREYHOUNDS eingespielte Live Forever überrascht mit rauen und kantigen Bluesrock-Splittern. Break Apart To Mend beginnt als melancholisch-bedächtige Pianoballade und mündet in einem schäumenden Gitarrenmeer. Auf dem Weg zum gospeligen Finale, das Bramhall gemeinsam mit seinen Freunden der TEDESCHI TRUCKS BAND begeht, wird uns bewusst, dass sich unser Protagonist keinen Deut darum schert, irgendwelche Erwartungen in diese oder jene Richtung zu erfüllen, sondern einzig und allein seinem künstlerischen Instinkt folgt und die Songs frei fließen lässt. Das wird natürlich nicht jedem schmecken, doch leichte Kost gibt es schließlich gleich um die nächste Ecke.

Frank Ipach, (Artikelliste), 01.10.2018