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Original Album Classics
Deep Purple
Original Album Classics, Sony Music, 2011
Joe Lynn TurnerVocals on "Slaves And Masters"
Ian GillanVocals on "The Battle Rages On" and "Purpendicular"
Jon LordKeyboards
Roger GloverBass
Ian PaiceDrums
Ritchie BlackmoreGuitar on "Slaves And Masters" and "The Battle Rages On"
Steve MorseGuitar on "Purpendicular"
Produziert von: Roger Glover, Thom Panunzio, Deep Purple Länge: 159 Min 45 Sek Medium: CD
"Slaves And Masters":(1990)
01. King Of Dreams06. Love Conquers All
02. The Cut Runs Deep07. Breakfast In Bed
03. Fire In The Basement08. Too Much Is Not Enough
04. Fortuneteller09. Wicked Ways
05. Truth Hurts
"The Battle Rages On":(1993)
01. The Battle Rages On06. Ramshackle Man
02. Lick It Up07. A Twist In The Tale
03. Anya08. Nasty Piece Of Work
04. Talk About Love09. Solitaire
05. Time To Kill10. One Man's Meat
"Purpendicular":(1996)
01. Vavoom: Ted The Mechanic07. Rosa's Cantina
02. Loosen My Strings08. A Castle Full Of Rascals
03. Soon Forgotten09. A Touch Away
04. Sometimes I Feel Like Screaming10. Hey Cisco
05. Cascades: I'm Not Your Lover11. Somebody Stole My Guitar
06. The Aviator12. The Purpendicular Waltz

In der "Original Album Classics" Reihe geht es diesmal um DEEP PURPLE, genauer gesagt, die Zeit von 1990 bis 1996. Damals war noch ordentlich was geboten im PURPLE-Lager. Nicht so ein Friede-Freude-Eierkuchen Verein wie heutzutage, sondern da war noch ordentlich Feuer unterm Dach oder Fire In The Basement, um mal einen Songtitel zu zitieren.
Damals gab es kaum mehr als ein oder zwei Alben in der gleichen Besetzung. Schließlich war Ritchie Blackmore noch an Bord und nicht unter der Fuchtel seiner Lebensgefährtin Candice Night. Kurz nach dem 87er Album war es schon wieder vorbei, mit der viel bejubelten Re-Union der legendären Mark II Formation und Ian Gillan verlies wieder einmal das Lager der Band. Was "Uns Ritchie" wieder einmal so recht in den Kram passte und flugs holte er seinen RAINBOW-Sänger Joe Lynn Turner in die Band. Ja, und so klang es dann auch. Was jetzt gar nicht mal negativ gemeint ist, denn zu diesen Zeiten - und mit den vereinten Kräften von Lord, Paice und Glover - wurde da ein ganz annehmbares Album daraus, welches um einiges besser war, als die späten RAINBOW-Scheiben a la "Bend Out Of Shape".
Bei den Balladen, wie Truth Hurts suhlte sich die alte Fönlocke Turner natürlich ausgiebigst in Pathos und weich gespülten Keyboards und es klingt wirklich weit mehr nach RAINBOW als nach PURPLE. King Of Dreams klingt nicht nur vom Titel her ähnlich wie Street Of Dreams, sondern hat auch sonst Ähnlichkeiten, ohne genauso wachsweich zu sein. Trotzdem eine schöne Chart-Nummer.
Die Sahnehäubchen sind aber zweifellos die rockigen Songs. Da zeugt schon das rasante The Cut Runs Deep davon. Das Intro klingt noch verdächtig soft, aber schon bald steigt Blackmore mit einem rockig-treibenden Riff ein und das pusht die ganze Nummer voran. Auch Turner zeigt hier mal, das eine ganz passable Rock-Plärre in ihm steckt, wenn man ihm nur das Material dafür zur Verfügung stellt.
Absolut klassicher DEEP PURPLE-Stoff ist das folgende Fire In The Basement. Da sind natürlich Zitate aus alten Songs drin und schon zu Beginn muss ich an Lazy denken. Man, was hätte der gute Gillan Spaß an so einem Song gehabt. Aber auch Turner tobt gut durch diesen Blues-Rocker.

Auch wenn Love Conquers All streicherbeladen und eine triefende Ballade ist, so kann ich mir doch nicht helfen: Ich mag den Song. Wenn es auch nicht das ist, was ich im Konzert hören wollte.
So soft wollen wir natürlich nicht aus dem Album rausgespült werden und mit Too Much Is Not Enough erschallen noch einmal die Fanfaren, wenn auch etwas einfallsarm.
Dafür rockt es bei Wicked Ways wieder etwas zielgerichteter. Nix für die Ewigkeit, aber ein guter Rausschmeißer.
Der Songtitel kann durchaus als prophetisch bezeichnet werden, denn die kommenden Wege waren weder einfach noch nett. Und mit dem kommenden, 1993er, Album wurde die Schlacht weiter geführt. Sinngemäß "The Battle Rages On" betitelt. Turner war nicht zu halten gewesen, sonst hätte wohl eine Revolution im Fan-Lager stattgefunden und selbst Blackmore musste einsehen, dass der Sänger wieder gehen musste. Und schon spazierte Ian Gillan wieder zur Tür herein, ob es dem Gitarristen passte oder nicht.
Spannungen sind allermeist ein profundes Mittel um die Kreativität in Schwung zu bringen und zeitlebens zehrte die Live-Magie PURPLES von den Spannungen zwischen den Protagonisten. Jedenfalls, wenn Blackmore mit auf der Bühne stand.
Der Titelsong glänzt gleich mit ein paar vertrackten Wendungen und mit einem druckvollen Sound und Stil. Man spürt förmlich, dass die Band glücklich über diesen "Neubeginn" war.
Ein Songtitel wie Lick It Up möchte man eigentlich lieber bei Bands wie KISS lesen, aber, keine Sorge, auch das ist ein ordentlicher Blues Rock-Stampfer. Die "Hit-Single" dieses Albums hieß Anya und hier kann Blackmore schon seine alsbaldige, akustische Zukunft im Intro demonstrieren. Das schwingen auch leicht nordafrikanische Elemente mir rein, die besonders Gillan sehr nahe liegen. Recht bald kommen aber doch die elektrischen Instrumente, zusammen mit einer einprägsamen Melodie, hervor und sorgen für einen schönen Ohrwurm mit ordentlich Drive und auch einigem an Druck.
Und das zeichnet auch das folgende Talk About Love aus. Das kommt das PURPLE-Schlachtschiff wieder in die Fahrrinne und stampft und schaukelt zwischen heftigen Riffs und bluesigen Linien. Kommt gut.

Time To Kill ist dann fast übertrieben eingängig, aber warum mal nicht, zumal die Ecken und Kanten in den Strophen beibehalten werden. Auch das ein kerniger Rocker. Der vom folgenden, heftig marschierenden Ramshackle Man noch übertroffen wird. So eine Art Green Onions für Hard Rocker.
Ein weiterer Höhepunkt ist zweifellos das Hochgeschwindigkeits-Stück A Twist In The Tale. Ja, Blackmore hat hier schamlos bei seinem Can't Happen Here (RAINBOW Album "Difficult To Cure") geklaut, aber wollen wir zugunsten der Sache nicht so kleinlich sein.
Auch das Riff von One Man's Meat haben wir schon einmal in ähnlicher Form bei RAINBOW gehört: Damals, als noch Ronnie James Dio das Mikro schwang. L.A. Connection hieß die Nummer. Aber auch hier gilt: Gnade vor Recht.
Insgesamt ist "The Battle Rages On" ein recht raues Album, welches Fans der Vorgängeralben nicht so leicht ins Ohr wollte, aber beim Basislager der Fans sehr gut ankam und zurecht noch heute einen hohen Stellenwert hat.
Leider haben es nur zwei Songs von "The Battle Rages On" auf das nachfolgende Live-Album geschafft.
Tja, und dann war es Blackmore, von dem die Band - diesmal endgültig - die Nase voll hatte und nachdem auch mal Joe Satriani als Vertretung fungierte, hat man mit Steve Morse letztlich den Mann gefunden, der von Wesen und Charakter einfach bestens zu integrieren war und der zudem als Gitarrist dermaßen fundiert und leistungsfähig war, dass er sich vor keinem verstecken musste. Die Blackmore'schen Vorlagen waren geringe Herausforderungen für den Saiten-Artisten.
Zu Beginn von "Purpendicular" denke ich noch, meine CD ist im Arsch, aber selbst so ein "kaputtes" Intro schüttelt Morse locker aus den Fingern und das Solo in Vavoom: Ted The Mechanic ist schon mal allererste Sahne. Trotzdem ist mir der Song irgendwie zu... ""mechanisch".
Die Band hat trotzdem auch hier hörbar Freude - diesmal wohl aus anderen Gründen. Jedenfalls klingt alles irgendwie sehr frisch und inspiriert. Das kann und muss sich wohl ihr neuer Gitarrist auf die Fahne schreiben. Da treffen eine wundervolle und gut geölte Traditions-Antriebsmaschine auf eine perfekt eingestellte, neue ... ja, wie sag ich's ? "Einspritzpumpe"? Lassen wir das mal so stehen. Von dem neu gewonnenen Esprit profitieren jedenfalls Band und Album. Das nimmt manchmal ungewohnte Wendungen, wie in Soon Forgotten und lässt ungekannte Einflüsse zu, bleibt aber doch unverkennbar DEEP PURPLE.
Man muss sich von den alten Hörgewohnheiten lösen, um dieses Album voll genießen zu können. Morse bringt einen härteren, aber auch melodischeren Stil ein, Gillan ist in den Powersongs noch gut bei Stimme, bei den langsameren Parts geht der Druck etwas verloren. Es ist halt nicht mehr 1972 und wir reden hier immerhin vom 15. Studioalbum der Band, was bei den vielen Unterbrechungen eine ordentliche Leistung ist.
Cascades: I'm Not Your Lover ist ein einigermaßen banaler Rocker, aber die Soli darin sind schon fast den Kauf dieses Albums wert. Man kann das Grinsen in den Gesichtern von Morse und Lord förmlich sehen, wenn sie hier über Tasten und Saiten fetzen.
Mit The Aviator begibt man sich dann gar auf irisch-folkiges Terrain - nix mit Hard Rock. Nicht mein Geschmack im Zusammenhang mit dieser Band, aber nett anzuhören.

In Rosa's Cantina weht ein eher moderner Groove, der - trotz der Mundharmonika - schon fast an Techno-Rhythmen erinnert. Auch daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Das gilt selbst für A Castle Full Of Rascals. Das geht gut ab und strotzt vor klassischer Riffs, aber es pendelt doch recht abrupt zwischen nahezu pop-rockigen Teilen, derben Heavy-Parts und fast sphärischen Zutaten. Das Solo von Lord rettet hier einiges.
Für die Instrumentalisten bietet "Purpendicular" schon einiges zu bieten. Als Anspieltipp sei Hey Cisco genannt, wo es öfters richtig abgeht und einem die Salven um die Ohren fliegen. Ich bin mir da nie so sicher, ob ich jetzt begeistert von oder ablehnend gegen diese fremden Töne sein soll.
Für die Fundis liefert Somebody Stole My Guita ein ordentliches Brett an klassischem PURPLE-Stoff, bevor The Purpendicular Waltz den Schlusspunkt setzt. Auch das sehr erdig und blues-rockig. Insgesamt bleibt ein zwiespältiges Gefühl zurück, denn das ist - trotz aller bekannten Elemente - schon etwas anderes, als zu den Zeiten von Blackmore, was DEEP PURPLE hier lieferten. Aber selbst für mich, überwiegen die positiven Eindrücke, sodass man dieses Album nach ein paar Durchläufen doch ins purple-gefärbte Herz schließen kann.
Der Durchlauf dieser drei Alben hintereinander ist auf alle Fälle reizvoll.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 13.10.2011