David Bowie - Die Biografie
David Bowie
David Bowie - Die Biografie, Edel Books, 2016 (2009)
von: Marc Spitz
ISBN: 978-3-8419-0461-4
Umfang: 560 Seiten
Preis: 14,95 € zzgl. Versandkosten

Zeitlebens habe ich mich mit David Bowie nur ganz am Rande beschäftigt. Mir war da meist zu "abgespaced", zu unübersichtlich, zu wenig geradlinig. So unterschiedlich wie seine Augen. Mit Mick Jagger im Bett? Oder mit ihm "in den Straßen tanzend"? Hat Mick Angie über Davids Frau geschrieben? Oder doch nicht?
David der Folk-Sänger? Oder der Glam-Rocker? Oder gar Hard Rock? Und die Berlin-Phase? Vom ländlichen Londoner Umland zum Bahnhof Zoo? Und von dort aus? So viele Fragezeichen, wie einen Bowie ins Gesicht zaubert, gibt meine Tastatur gar nicht her. Langzeit-Fans wissen da manches Lied davon zu singen.
Manches dieser gebogenen Satzzeichen in Ausrufezeichen zu verwandeln, dabei hilft einem dieses Buch von Marc Spitz (der natürlich nichts mit dem einstigen Schwimmstar zu tun hat, wie man schon an der Schreibweise sieht).
Seine Bowie-Biografie erschien erstmals 2009, aber durch den traurigen Anlass des Todes des Sängers wurde sie, in einer aktualisierten Fassung, nun neu veröffentlicht.

Und ich muss sagen, da hat sich einer richtig viel Mühe gegeben. Für jemand, der das allermeiste in diesem Buch nur aus zweiter, wenn nicht dritter Hand kennt, ist Spitz (geb. 1969) erstaunlich nah am Geschehen und sehr akribisch in seiner Aufarbeitung.
Natürlich weiß man irgendwo, dass Bowie, wie seine Alterskollegen in den 60er Jahren gestartet ist, aber dass er im Prinzip einen ähnlichen Werdegang hatte, wie ROLLING STONES, THEM, etc., war zumindest mir nicht bewusst. Oft etwas ziellos, war sehr lange nicht sicher, dass es mit seiner Musikkarriere überhaupt irgendwann klappte. Ja, oft genug zeigten die Daumen der Verantwortlichen nach unten und ein Scheitern war meist näher, als der Erfolg, der sich schließlich ab und mit "Space Oddidity" dann langsam einstellte.
In Marc SpitzīBuch bekommt man mit, wie wichtig THE VELVET UNDERGROUND für die Orientierung Bowies was, wie er von der Freundschaft/Rivalität zu Marc Bolan profitierte und angespornt wurde, der einen ähnlichen Werdegang aufzuweisen hatte. Auch der große Anteil von Mick Ronson wird deutlich und wieder einmal wird klar, wie wichtig Angela Bowie für den Künstler war. Vielleicht seine Karriere ohne sie so gar nicht möglich gewesen wäre.

Indem man Bowies Lebenslauf folgt, durchreist man zwangsläufig auch die Musikgeschichte. Vom R&B und Folk in den 60er Jahren, zum Rock und Elektronik-Sounds in den 70ern, zu den Charterfolgen der 80er, dem Band-Projekt TIN MACHINE, bis zur späten "Reality"-Tour, die ihn nochmal in nicht erwarteter Frische zeigte.
Auf eines konnte man sich bei dem Künstler verlassen: Dass man sich auf nichts verlassen konnte! Deswegen war er das Chamäleon, der unberechenbare Star, der fast auf jeden Triumph etwas lieferte, was Fans, Kritiker und Plattenfirmen mit Fragezeichen ins Gesicht zeichnete. Vielleicht heißt einer seiner größten Erfolge nicht umsonst Changes.
Die Vielschichtigkeit Bowies - auch das kommt hier praktisch auf jeder Seite durch - ist wohl nicht zu übertrumpfen.
Ich denke nicht, dass es für mich nötig sein wird, eine weitere Bowie-Biografie zu lesen, denn hier scheint mir alles gesagt. Eventuell kann man noch die beiden Biografien von Angela Bowie in Betracht ziehen, die hier auch öfter zitiert werden. Allerdings nötigt mir Marc Spitz`Buch doch eine eingehendere Beschäftigung mit einigen von Bowies Alben ab. So soll das mit einem guten Buch auch sein: Lust auf Mehr machen! Das hat Spitz, trotz des bitteren Beigeschmacks, der durch den Verlust des Entertainers entsteht, auf jeden Fall geschafft. Allen Fans und musikhistorisch Interessierten empfohlen. Auch denen, die schon wissen, wie Bowie seinen adaptierten Nachnamen wirklich aussprach.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 28.03.2016