Sound City
Dave Grohl
Sound City, Sony Music, 2013
feat.
Neil Young, Tom Petty, Stevie Nicks, Trent Reznor, Rick Rubin, Mick Fleetwood, Lars Ulrich, John Fogerty, Jim Keltner, Rick Springfield, Josh Homme, Frank Black, Pat Smear, Barry Manilow, Lindsey Buckingham, Lee Ving, Krist Novoselic and Paul McCartney
Produziert von: Joch Ramsay, James A Rotta Länge: 152 Min 00 Sek Medium: DVD
Dolby Digital 5.1 Surround and PCM 2.0Stereo Widescreen 16:9
Untertitel: English, Dutch, French, German, Italian, Japanese, Portuguiese, Spanish, Swedish

Sagt man "Sound City Studios", wird nicht jeder sofort in die Hände klatschen und eine Anzahl von Interpreten herunterrasseln, aber die Wahrscheinlichkeit, dass man ein, bis mehrere Alben in seiner Sammlung hat, die dort eingespielt wurden, ist sehr, sehr groß!
Als das Studio, welches in Van Nuys (liegt bei Los Angeles), Kalifornien beheimatet ist, vor einiger Zeit Insolvenz anmelden musste, kaufte Dave Grohl das Herzstück dieses Studios: das legendäre Neve 8028-Mischpult. Man hat ja fast den Eindruck, ohne Grohl ginge derzeit in der (alternativen) Rockszene relativ wenig. So ist er nicht nur mit seinen FOO FIGHTERS nach wie vor äußerst aktiv, sondern ist auch der aktuelle Drummer bei QUEENS OF THE STONE AGE, hat bei THEM CROOKED VULTURES zusammen mit John Paul Jones für den rechten Groove gesorgt und taucht auch gern mal in (Talk-) Shows und bei Kollegen für einen "Jam" auf. Und natürlich ist er nach wie vor auf Ewig mit der Band NIRVANA verbunden, deren Drummer er ja war. Womit wir wieder beim Thema wären, denn deren Hit-Album "Nevermind" wurden just in diesen "Sound City Studios" über dieses Mischpult aufgenommen. Und weil das anscheinend so hervorragend klingt - obwohl, wie der Film zeigt, das Studio teilweise ein ziemliches "Loch" war -, waren vor und nach NIRAVANA etliche andere Interpreten so begeistert und inspiriert, dass sich eine ellenlange Liste ergibt.

Und eine ganze Reihe dieser Interpreten hat Dave Grohl für diesen Film aufgesucht, interviewt, erneut ins Studio gezerrt und Einiges an "Rock-History" neu aufgerollt.
Da sind Welche dabei, die überall gern und schnell ihren Senf dazu geben, aber ein Neil Young ist normalerweise ein er verschlossener Typ - wenn es nicht um seine eigenen Interessen geht - und ist hier trotzdem öfter zu sehen und zu hören. Sein "After The Gold Rush" Album war eines der Ersten, die hier eingespielt wurden, obwohl zunächst nur an ein paar Vocals für dieses Album gedacht war. Die Qualität des Sounds überzeugten auch nachfolgende Musiker und Produzenten. Da gibt es natürlich nur bedingt Filmmaterial von den Aufnahmen, oft sind nur Bilder vorhanden, aber die Erinnerungen der Protagonisten sind durchwegs interessant, witzig, informativ.
Man erinnere sich nur an Alben wie FLEETWOOD MACs "Fleetwood Mac" (1975), REO SPEEDWAGONs "You Can Tune A Piano, But You Can't Tune A Fish" (1977), FOREIGNERs "Double Vision" oder Rick Springfields "Working Class Dog" (1981). Letzterer schaffte überhaupt den Durchbruch über dieses Studio und seine Besitzer, mit denen ihn eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft verbannt. Die dann leider nicht so erfreulich endete, wie er selbst bedauert.
Einige der wichtigsten Tom Petty-Alben wurden hier aufgenommen und die Freunde der härteren Klänge werden bei KYUSS, METALLICA, WOLFMOTHER, BAD RELIGION, NINE INCH NAILS und SLIPNOT länger Ohren bekommen. Nur um mal ein paar zu nennen.
Etliche Musiker und auch Produzenten wie Rick Rubin kommen zu Wort, liefern Anekdoten, Erinnerungen und Musikgeschichtliches.

Damit nicht genug, denn Dave Grohl hat einige Musiker für die Zusammenarbeit an einem Album gewinnen könne, welches - natürlich - über dieses Mischpult eingespielt wurde. So dürfen wir hier "Studiomäuschen" bei Aufnahmen mit Stevie Nicks (immer noch beeindruckend schön und stimmlich Oberklasse!), Rick Springfield und - man höre und staune - Paul McCartney spielen. Bei Paule ist aber nix mit Schmusesong oder so, denn was der BEATLE da auf seiner "Gitarre" in verzerrtesten Tönen spielt und dazu ins Mikro brüllt wie möglicherweise seit Jahrzehnten nicht mehr, dass würde mancher Hard Rock-Truppe zur Ehre gereichen. Die Stimmung im Studio ist entsprechend übersprudelnd.
Soundfetischisten, Produzenten und Technik-Freaks bekommen hier bei manchen Bildern sicher feuchte Augen. Wer sich einfach für gute Rockmusik interessiert, ein breites Grinsen über so viel Spaß und Background-Infos. Über 2 1/2 Stunden tolles Material, ohne eine Füllminute!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 16.03.2013