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Original Album Classics
Dave Edmunds
Original Album Classics, Sony Music, 2013
Dave EdmundsVocals, Guitar, Piano, Keyboards
Nick LoweBass, Vocals
Billy BremnerGuitar, Vocals
Billy RankinDrums, Vocals
Bob AndrewsKeyboards, Piano
Brinsley SchwarzGuitar
John DavidBass
Dave CharlesDrums
Albert LeeGuitar
Liam GrundyPiano
Bob IrwinDrums
John EarleSaxophone
Mickey GeeGuitar
Jeff LynneBass, Synthesizer
Geraint WatkinsKeyboards, Vocals
Produziert von: Dave Edmunds, Jeff Lynne, Nick Lowe Länge: 184 Min 29 Sek Medium: CD
"Subtle As A Flying Mallet":(1975)
01. Baby I Love You08. Billy The Kid
02. Leave My Woman Alone09. Born To Be With You
03. Maybe10. She's My Baby
04. Da Doo Ron Ron11. I Ain't Never
05. Let It Be me12. Let It Rock
06. No Money Down13. Pick Axe Rag (with Mickey Gee)
07. Shot Of Rhythm And Blues14. Some Other Guy
"D.E. 7th:"(1982)
01. From Small Things, Big Things Come07. Deep In The Heart Of Of Texas
02. Me And The Boys08. Louisiana Man
03. Bail You Out09. Paula Meet Jeanne
04. Generation Rumble10. One More Night
05. Other Guys Girls11. Dear Dad
06. Warmed Over Kisses, Left Over Love
"Information":(1983)
01. Slipping away07. Information
02. Don't You Double08. Feel So Right
03. I Want You Bad09. What Have I Got To Do (To Win)
04. Wait10. Don't Call Me Tonight
05. The Watch On My Wrist11. Have A heart
06. The Shape I'm In
"Riff Raff":(1984)
01. Something About You06. Steel Claw
02. Breaking Out07. S.O.S.
03. Busted Loose08. Hang On
04. Far Away09. How Could I Be So Wrong
05. Rules Of The Game10. Can't Get Enough
"I Hear You Rockin' - Live":(1987)
01. Girls Talk07. Slipping Away
02. Here Comes The Weekend08. Information
03. Queen Of Hearts09. I Hear You Knockin'
04. Paralyzed10. I Knew The Bride
05. The Wanderer11. Ju Ju Man
06. Crawling From The Wreckage

Dass der alte Säbeltänzer Dave Edmunds irgendwie einen Hau für die "Golden Days of Rock'n'Roll" hat, ist sowohl Fluch als Segen. Auf seinem 1975er Album "Subtle As A Flying Mallet" macht sich das recht deutlich bemerkbar. Gleich zu Beginn schmalzt er den Hörer mit Baby I Love You so dermaßen zwischen 50's Rock'n'Roll-Dreams und 60's Phil Spector Klangwällen, dass man schon fast selig wegdämmern mag. Seine ziemlich hohe Stimme macht es ihm natürlich leicht, in höchsten Tönen zu trällern und fast den Girly-Bands aus den 60ern Konkurrenz zu machen. Seine herrliche - und meist recht geschwinde - Rock-Gitarre kommt da aber natürlich nicht sonderlich zum Tragen. Besagtes Album ist Teil einer 5-CD-Box, aus Sonys "Original Album Classics", erschien erstmalig 1975 und ist hier mit zwei Bonusstücken aufgerüstet.
Das schwungvolle Leave My Woman Alone bewahrt einen dann doch vor dem Nickerchen und gerät zum herrlichen Rockabilly-Schaulaufen für Edmunds und seinen Gitarristen Billy Bremner. Dass Country- und Einflüsse, im Stile von Carl Perkins hier nicht weit entfernt sind, versteht sich bei Edmunds ja fast schon von selbst.
Warum dann gleich wieder so eine Zuckerwatten-Wolke, wie Maybe hinterher? Der Sänger weiß es allein. Dann doch lieber gleich das Remake von THE CHRYSTALS' Da Doo Ron Ron - das macht zu jeder Zeit Spaß und kommt auch in dieser Version toll. Wie haben's kaum anders erwartet: Die Vollbremsung zur EVERLY BROTHERS-Romantik von Let It Be Me erfolgt umgehend. Immerhin wunderschöne Gesangsleistung.
Der beste Song auf diesem Album ist ohne Zweifel Chuck Berrys No Money Down! Das hat Power, druckvollen Live-Charakter, geilen Sound und einfach richtig guten Antrieb.

Überwiegend bleibt das Album dann schwungvoll und mit I Ain't Never, Let It Rock und dem Bonus-Track Some Other Guy folgen noch ein paar Nummern, die die Scheibe zu einem der besten Alben aus Dave Edmunds Schaffen machen.
Man braucht wahrlich nicht alle seine Scheiben, wobei in dieser Box dann über die chronologisch nächsten Alben hinweggehüpft wird (und damit auch über das 1979er Album "Repeat When Necessary", welches mit Hits wie Girls Talk, Queen Of Hearts und dem megageilen Crawling From The Wreckage zu seinen Unverzichtbaren gehört) und wir uns im Jahr 1982 befinden und damit bei D.E. 7th". Allerdings gehört auch dieses Album zu seinen lohnenswerten. Und das schon allein wegen der Eröffnungsnummer From Small Things, Big Things Come! Noch wenige LPs hab ich nach dem ersten Lied immer wieder von vorne gestartet, aber dieser von Bruce Springsteen geschrieben und an Dave Edmunds gegebene Song ist eine so geniale Rock'n'Roll-Komposition, bei der einfach nichts fehlt, dass man (ich) sie schier endlos hören mag. Auch Springsteens Version (gibtís zum Beispiel in der 3-CD Box "The Essential Bruce Springsteen") hat was für sich, aber hier, mit Bläser-Antrieb und effektivem Tonartwechsel, kriegt man die Vollbedienung!
Auch Me And The Boys ist bester Dave Edmunds Stoff - erinnert mich sehr an seinen Kumpel Nick Lowe - und das Country-Bluegrass-infizierte verbreitet ordentlich Partystimmung. Dass auf diesem Album Instrumente wie Trompete, Akkordeon, Saxofon Akzente setzen, macht sich ebenso bezahlt, wie die Beteiligung des Gitarren-Genies Albert Lee. Nicht jeder Titel ist ein Hit, aber Songs wie Other Guys Girls, der Country-Stomp Warmed Over Kisses, Left Over Love, der typische Edmunds-Fetzer Deep In The Heart Of Texas und der Chuck Berry-Fetzer (fast schon obligatorisch) Dear Dad, machen dieses Album zu einem weiteren Schmuckstück in der Edmunds-Sammlung.

Ins Spiel kommt Jeff Lynne, und da schwant mir schon Übles. Fairerweise muss ich aber sagen, dass vom ELO-Mastermind ja nicht nur Schlechtes (sprich: in Bombast und Zuckerguss Ertränktes) geschaffen wurde und tatsächlich "Information" mit dem von Lynne geschriebenen Slipping Away ganz passabel los. Denkt man sich das ELO-Geblubber mal weg. Natürlich hat Lynne bei der Gelegenheit auch gleich das Album produziert, was erprobte Rock'n'Roll-Standarts, wie Don't You Double, I Want You Bad und den J GEILS BAND-Klassiker Wait nicht den Garaus machen kann. Hier und da verwässert es etwas, aber besonders letztgenannter Titel ist ein Höhepunkt auf dieser Scheibe. Tiefpunkte gibtís auch: The Watch On My Wrist, mit Vocoder a la Neil Young auf "Trans". Der Akkordeon-Schunkler The Shape I'm In ist ganz witzig und auch der Titeltrack birgt, Potenzial, welches aber hier der Produktion zum Opfer fällt. Ähnliches gilt für What Have I Got To Do (To Win). Für Edmunds-Fans seien noch Feel So Right und Don't Call Me Tonight als Anspieltipps genannt, aber "unverzichtbar" ist diese "Information" schon nicht mehr.

Das "Computercover" zu "Riff Raff" (1984) lässt schon Einiges befürchten und dass Jeff Lynne sich wieder im Produzentensessel breitmacht, macht's nicht besser. Das Album hat schon deutlich mehr Pop-Charakter und Synthies und Drum-Maschinen sind deutlicher präsent, als es der Musik von Dave Edmunds gut tut. Titel wie Breaking Out könnten problemlos auf einem ELO-Album unterkommen. Ja, einige Songs haben schon Elan, aber wenn ich solche 80er-Plastik-Sounds, wie in Far Away höre, reicht es mir schon und das Ende der Nummer kann ich so wenig erwarten, wie das von Rules Of The Game.
Nee, da sind sicher gute Ansätze da - das STATUS QUO-ähnliche Steel Claw vielleicht - , aber die Produktion verdirbt einem jeglichen Spaß und ist absolut nichts für Gitarrenfreunde. Wer schmissige Popmusik mag, der kann ruhig mal reinhören.
Zum Glück ist da noch das 1987er Live-Album "I Hear You Knockin' - Live" und somit die Rückkehr zur kleinen Besetzung und dem puren, ursprünglichen Dave Edmunds-Stil. Mit Girls Talk gehtís noch einigermaßen gemäßigt los, aber bei Here Comes The Weekend wird die Schlagzahl schon erhöht. Herrlicher Rockabilly-Rock'n'Roll und mit Queen Of Hearts folgt schon ein Charts-Ohrwurm höchster Güte. Klar, das ist das kein roher Rootsrock, aber wundervoller Old-School-Rock, der mit Paralyzed und The Wanderer zwei treffsichere Ausflüge in die 50er macht.
Natürlich gehört Crawling From The Wreckage auch hier zu den Glanzstücken und live kommen auch Slipping Away und Information deutlich besser, wenn auch nicht gänzlich von Lynnes Studioballast befreit.
Daves Klassiker I Hear You Knockin' und Nick Lowes I Knew The Bride (When Se Used To Rock And Roll) sind dann aber bester Party-Stoff und bringen das Album sicher ins R'n'R-Ziel.
3 ½ gute Alben in dieser Box dürften den Erwerb rechtfertigen und mit zwei oder drei zusätzlichen Werken von Dave Edmunds, hat man sein Soll denn wohl auch erfüllt.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 28.04.2013