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Jazzhaus Records
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Revelation
Danny Bryant
Revelation, Jazzhaus Records, 2018
Danny BryantGuitar, Vocals
Alex PhillipsBass
Dave RaeburnDrums
KeyboardsRichard Hammerton
Marc RanerRhythm Guitar, Acoustic Guiar
David MaddisonTrumpet
Alex MaddisonTrombone
Lauren YoungTenor Sax
Mark WilkinsonBaritone Sax
Stevie WattsKeyboards
Produziert von: Richard Hammerton Länge: 48 Min 28 Sek Medium: CD
01. Revelation06. Shouting At The Moon
02. Isolate07. Sister Decline
03. Liars Testament08. May I Have A Talk With You
04. Someday The Rains Will Fall09. Yours For A Song
05. Truth Or Dare

“Revelation!!“, schreit Danny Bryant, fast schmerzerfüllt, gleich zu Beginn seines neuen Albums. Schon da fühle ich mich an Walter Trout erinnert, mit dem Bryant eine enge Freundschaft pflegt. Aus dessen Fußstapfen ist Bryant allerdings längst rausgewachsen. Das beweist er auch wieder auf diesem Album. Leidenschaft, gepaart mit Spielfreude und Experimentierwillen. So könnte man das Album vielleicht zusammenfassen.
Aber hören wir rein. Für diese Scheibe hat der Sänger/Gitarrist sich erstmals Bläser mit an Bord geholt. Die ursprüngliche Trio-Besetzung wurde ja längst um Keyboarder Richard Hammerton (was für ein cooler Name; zumindest auf deutsch) erweitert, der sich hier auch ins Songwriting einbringt. Die Produktion hat er ja bereits bei den letzten Alben übernommen und einen richtig guten Job dabei gemacht.
Seine Piano-Akkorde leiten auch den Titelsong ein, bevor Dannys “Urschrei“ ertönt. Hier hat einer was zu verarbeiten. Den unheimlich brodelnden Strophen – teils von einer einsam heulenden Trompete begleitet – folgt immer ein donnernder Refrain, der schon fast in den Hard Rock-Bereich mündet. Da braut sich was zusammen.
Isolate, der Titel hört sich auch nicht unbedingt nach Spaß an. In der Tat sind wir mehr in der melancholischen Abteilung, aber, wie man es bei Bryant kennt, mit Kraft und Ausdruck. Bläser gibt’s keine, aber die Hinzunahme eines Rhythmusgitarristen macht sich positiv bemerkbar und auch der “Orgelteppich“ unter Bryants aufpeitschendem Solo.

Was kann man von einem Liar's Testament erwarten? Auf jeden Fall keine Leisetreterei. Hier wir groß aufgetischt und zu dem schweren Blues Rock gesellen sich ab c a. der Hälfte einige herrlich untermalende Bläser, die das Gitarrensolo so richtig abheben lassen. Gefällt mir sehr gut, was Bryant hier abliefert. Vor allem sein sehr direkter “No Nonsense“-Gitarrenton. Klasse.
Für Someday The Rains Will Fall greift der Sänger zur Akustikgitarre und lässt sich bei dieser schwermütigen Ballade nur vom Piano/Keyboard unterstützen.
Ein Leichtes wäre es gewesen, hier ein Gitarrensolo drauf zu setzen, aber das hat Danny nicht nötig.
Außerdem gibt es ja anschließend die feine Boogie-Nummer Truth Or Dare, bei der dafür genug Raum bleibt. Aber auch für pushende Bläsersätze und Hammertons wunderbare Orgel. Ja, das macht richtig Spaß, was diese Truppe hier abliefert und die diversen Tonartwechsel erzeugen zusätzlichen Drive.
Die wundervoll ins Ohr gehende Ballade Shouting At The Moon hätte das Prädikat “Hit“ verdient. Müsste nur von einem international bekannterem Sänger aufgenommen werden. Joe Cocker wäre vielleicht ein Kandidat dafür gewesen.

Dann gehte aber wieder zurück zum schweren Blues Rock. Eingangs erwähnter Walter Trout hätte diesen Song wohl auch gern geschrieben bzw. im Programm gehabt, Eher im Midtempo gehalten, ist auch hier eine kaum zu unterdrückende Emotion fast greifbar, die in Sister Decline immer mehr durchbricht. Und der Refrain ist die “revelation“, nach der Bryant am Anfang so gefleht hat. Toller Song und ein weiteres Mal muss ich auf Klang und Spiel der Gitarre hinweisen. Für Blues-Fans eine “Offenbarung“.
Der fällige Slow-Blues stammt aus der Feder von Chester Burnett – besser als Howlin' Wolf bekannt – und ist uns unter anderem von Stevie Ray Vaughans“The Sky Is Crying“-Album vertraut. Bei Stevie Ray wohl etwas puristischer gehalten, gefällt mir doch diese mit Orgel und Bläser unterfütterte Version hier besser. Auch schön, dass Bryant seine Finger im Zaum hat und – zumindest solange der Mitschnitt läuft – nicht in unnötiges Gedudel abdriftet, wie es gern bei solchen Songs gemacht wird.
Das finale Yours For A Song schmeichelt sich mit einfühlsamer Gitarre und Keyboard, sehr getragen in unser Ohr. Bekommt aber alsbald ein paar kräftige Arschtritte und auch einen Tempowechsel, der das Ding zum Ende in die Höhe katapulliert. Schade, wird ausgeblendet, denn da ist noch mal richtig Feuer drin.
Mit LP-Spielzeitlänge gerät das Album nicht übertrieben lange und unterstreicht einmal mehr, dass hier ein Künstler gereift ist, der sich weiterentwickelt und uns sicher noch etliche Jahre Freude machen wird. Ganz ohne Gel in den Haaren und Glanzanzüge.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.05.2018