Perfection Kills
Dan Patlansky
Perfection Kills, Caroline, 2018
Produziert von: Dan Patlansky, Theo Crous Länge: 36 Min 41 Sek Medium: CD
01. Johnny06. Junket Man
02. Never Long Enough07. iEyes
03. Mayday08. Shake The Cage
04. Too Far Gone09. My Dear Boy
05. Judge A Man10. Dog Day

"Das Streben nach Perfektion endet damit, dass man mehr Schaden anrichtet als Gutes bewirkt. Warum also versuchen perfekt zu sein?" Dan Patlanskys Credo für sein neues Album "Perfection Kills" könnte einleuchtender nicht sein. Der südafrikanische Bluesrockgitarrist hat sich mit seinem brandneuen Longplayer aufgeschwungen, um sein Songwriting noch bemerkenswerter und griffiger zu gestalten. Perfekt? Welcher Song ist schon perfekt? Es liegt sowieso immer im Auge des Betrachters, besser gesagt im Ohr des Hörers.

Auf seinem inzwischen neunten Album verfährt der preisgekrönte Gitarrist und Sänger ähnlich stringent und zielgerichtet wie auf seinem von der Presse gelobten Vorgängerwerk "Introvertigo", das harten rifforientierten Bluesrock und geschmeidige Pop-Ästhetik miteinander verbindet. Gerade was die Refrains angeht, setzt der smarte Stratocaster-Fan und variable Sänger Patlansky auf fluffige Hooklines, die er im Nachgang mit stechend scharfen Gitarrensalven garniert. Das erinnert beispielsweise in einer feisten Nummer wie Long Enough vage an die kratzbürstige Ausgabe eines Superstars wie Bryan Adams. Fakt ist, das Ding groovt und macht Laune. Das sollte dann auch recht gut zu KING KING passen, die er im März für einige Deutschland-Konzerte supporten wird.

Ganz genau wie der fulminant rockende Opener Johnny, der donnernde Fuzz-Riffs ins Rennen schickt und locker auch auf einem Album von Kenny Wayne Shepherd, Philip Sayce oder Ben Poole seinen Platz fände. Ähnlich rau und rüde klingt es auf dem verzerrten Schlusstitel Dog Day, der selbst sattelfeste Bluesrock-Fans ins Schlingern bringt. Sehr fett.
Selbst ein vom Ansatz als schematisch und konformistisch daherkommender Slow-Blues klingt spätestens in einem Patlansky Refrain etwas anders als üblich, auch wenn der Südafrikaner, der übrigens dieses Mal selber die Produzentenverantwortung übernahm, seine Gitarrensoli nicht wesentlich spektakulärer präsentiert als die Heerscharen anderer 12-Takt-Kollegen. Dafür reißt dann ein Up-Tempo Viech wie iEyes das Ruder schnell wieder herum und präsentiert sich frech und rotzig wie ein inspirierter und heißgelaufener Lenny Kravitz im dritten Frühling, während unser Danny-Boy bei Shake The Cage ein wenig John Mayer Flair verströmt .

Dan Patlansky hat mit "Perfection Kills" zum wiederholten Male ein ausgereiftes und stimmiges Bluesrockalbum vorgelegt, das keineswegs perfekt daherkommt - wie sollte es auch? - aber dem Bestreben des Künstlers voll und ganz in die Karten spielt. Die fans werden es ihm danken. So macht Bluesrock Spaß.

Frank Ipach, (Artikelliste), 05.02.2018