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Esoteric Recordings
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Tightly Knit
Climax Blues Band
Tightly Knit, Esoteric Recordings, 2013 (1971)
Colin CooperVocals, Saxophone, Harmonica, Clarinet & Whistle
Peter HaycockVocals, Guitar
Derek HoltVocals, Bass, Guitar
Arthur Augustin WoodKeyboards
George Ewart Newsome Jr.Drums
Produziert von: Chris Thomas Länge: 53 Min 59 Sek Medium: CD
01. Hey Mama08. Bide My Time
02. Shoot Her If She Runs09. That's All
03. Towards The SunBonus Tracks:
04. Come On In My Kitchen10. Hey Mama (Live)
05. Who Killed McSwiggin11. Shoot Her If She Runs (Live)
06. Little Link12. Spoonful (Live)
07. St. Michael's Blues

Ein paar interessante Ähnlichkeiten gibt es schon, zwischen anderen englischen Blues Bands, die alle so ab der Mitte der 1960er gestartet waren, und der CLIMAX BLUES BAND. Besonders zu FLEETWOOD MAC spannt sich der Bogen nicht zu weit. Hier wie da war man vom Blues besessen, besonders dem elektrischen Chicago Blues - was sich bei der THE CLIMAX CHICAGO BLUES BAND anfangs sogar im Namen nierderschlug -, hatte einen Ausnahmegitarristen in seinen Reihen, der bei "The Mac" Peter Green hieß und bei "Climax" Pete Haycock, und letztlich kamen beide Bands erst zu richtig großem Erfolg, als der Blues ins Hintertreffen geriet und die "Amerikanisierung" einsetzte. Bei Climax kostete das 1970 die Band - zumindest bei der US-Veröffentlichung von "A Lot Of Bottle" - bereits das "Chicago" im Namen (eine amerikanische Band beim gleichen Label sollte unter diesem Namen bald Karriere machen) und auf dem vierten Album stand dann zwar im Eck noch "Climax Chicago", aber man firmierte eigentlich schon unter dem finalen THE CLIMAX BLUES BAND.

Auf diesem vierten Album hört man schon im eröffnenden Hey Mama einige der Vorzüge dieser Band. Mit Colin Cooper hatte man nicht nur einen guten Sänger, sondern auch einen herausragenden Instrumentalisten, der mit Saxofon, Mundharmonika, Klarinette und Flöte Akzente setzte und so diesem Song ordentlich "Push" verlieh. Erinnert teilweise an Big Band Boogie, wie ihn ROOMFUL OF BLUES Jahre später zelebrieren sollten. Dazu hatten sie natürlich mit Pete Haycock einen ebensolchen Ausnahmemusiker in ihren Reihen, der mit seinem flüssigen Spiel durchaus zu den Größen der britischen Blues-Gitarristen-Garde zählen konnte.
Ob man schon auf den amerikanischen Markt schielte oder einfach vom Country Rock beeinflusst war, jedenfalls sind in Songs wie Shoot Her If She Runs entsprechende Einflüsse zu hören, wobei auch ein gewisser Psychedelic-Anteil zu hören ist und stellenweise nahezu Hendrix'sche Einflüsse.
Im folgenden Towards The Sun scheint man dem Highway weiter zu folgen, denn es wird richtig "country-rockig". Schöner Boogie, wie man ihn ähnlich auch bei Bands wie POCO vermuten könnte.
Aber natürlich darf man also verantwortungsbewusste Blues Band nicht ohne einen Klassiker an Bord und mit Robert Johnson Comen On In My Kitchen pendelt man 6 ˝ Miinuten auch prächtig zwischen puristischem Delta- und kernigem Blues-Rock. Ganz klasse hier wieder Colin Cooper an der Blues Harp!

Sehr rhythmisch, groovig, pulsierend, irgendwo zwischen Bo Diddley und SANTANA gerät Who Killed McSwiggin, und bekommt noch eine sehr jazzige Note durch Coopers Sax.
Also ein sehr abwechslungsreiches Album, denn schon mit Little Link lässt die Band wieder Country-Einflüsse - mit West Coast-Touch - zu, wie man ihn in den kommenden Jahren verstärkt in der Band hören sollte.
Einen typischen "woke up this morning"-12-Takt-Slow-Blues liefert man mit dem St. Michael Blues. Nicht von schlechten Eltern, was Haycock hier vom Stapel lässt!
In Bide My Time scheinen sich Verweise zu den Kollegen von TEN YEARS AFTER zu finden, während das abschließende That's All als munterer Sing-along-Stampfer mit Marsch-Charakter durch die Flöte an CANNED HEAT erinnert.
Bei den Recherchen um die Bänder für diese remasterte Version stieß man auf ein paar Live-Aufnahmen, die 1970 in London mitgeschnitten und so kommt man in das Vergnügen, drei Bonus-Songs auf dieser Scheibe zu haben. Das stampft prächtig in Hey Mama, verbreitet psychedelische Folk-Atmosphäre in Shoot Her If She Runs (hier also weniger Country) und mit Willie Dixons Spoonful gibt’s noch einen groovigen Blues-Klassiker - wie zu vermuten - im Jam-Gewand.
Ich war erst etwas skeptisch, aber mit der Zeit macht mir dieses Album immer mehr Spaß. Sollte man als Blues Rocker ruhig mal reinhören.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 15.06.2013