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Bang Zoom Crazy... Hello
Cheap Trick
Bang Zoom Crazy... Hello, Big Machine, 2016
Robin ZanderLead Vocals
Rick NielsenGuitar, Background Vocals
Tom PeterssonBass, Background Vocals
Daxx NielsonDrums, Background Vocals
Special Guests:
Tim Lauer, Zac Rae, Bennett SalvayKeyboards
Wayne KramerGuitar Solo on Do You Believe Me?
Produziert von: Julian Raymond & Cheap Trick Länge: 39 Min 43 Sek Medium: CD
01. Heart On The Line07. Roll Me
02. No Direction Home08. The In Crowd
03. When I Wake Up tomorrow09. Long Time No See Ya
04. Do You Believe Me?10. The Sun Never Sets
05. Blood Red Lips11. All Strung Out
06. Sing My Blues Away

“Was die gibt’s noch?“, höre ich bereits die Fragen. Ja, natürlich! Waren nie weg. Lediglich mit den Alben hat es eine kleine Pause gegeben und seit “The Latest“ (2009) ist das hier nun die erste neue Scheibe. Nun, wir haben uns zwischenzeitlich mit den ”Original Album Classics von CHEAP TRICK beschäftigt und hatten auch da unseren Spaß. Überwiegend.
Die Band hatte auch Spaß, und zwar auf den permanenten Touren, auf denen sie sich, laut eigener Aussage, seit “The Latest“ befand.
Jetzt beim Label Big Machine gelandet, wo Kollegen wie Steven Tyler oder die MAVERICKS anzutreffen sind, fühlt man sich offensichtlich wohl und die richtigen Songs hat man zwischen den Konzerten anscheinend auch geschrieben.

Eigentlich will ich damit nicht lange hinter dem Berg halten – und mach’s auch nicht - , denn ein richtig gutes American Rock Album ist der Band geglückt. Ich würde sogar sagen, eines ihrer besten überhaupt. “Bang Zoom Crazy… Hello“, so comic-haft und gleichzeitig frisch klingt dieser Titel, dass er wie die Faus aufs Auge zu Band und Album passt.
Gleich Heart On The Line stampft los, wie AEROSMITH zu besten Zeiten und die Gitarren-Fills erinnern stark an ZZ TOP, gleichfalls in Hochform. Dazu sing Robin Zander nahezu wie zu seligen Budokan-Zeiten, und die Rhythmus-Maschine aus Petersson und Rick Nielsens Sohn Daxx – der den in Ruhestand getretennen Bun E. Carlos seit Kurzem ersetzt - schiebt wie eine Diesel-Lok. Klasse Einstieg, sodass schon fast nix mehr schief gehen kann. Zumal der Sound auch passt.
Mit No Direction Home kommt zwar ein Schuss Pop hinzu, aber der Power nimmt das gar nichts. Im Gegenteil, auch hier fühle ich mich an die Großtaten der Band, vor einigen Jahrzehnten erinnert. Das hat - sicher nicht unbeabsichtigt – manchmal Ähnlichkeiten zu Surrender, allerdings härter und mit mehr Drive.
Ja, klar, beim Beginn von When I Wake Up Tomorrow kann man auch an Back In The Saddle jetzt schon mehrfach erwähnter “Luftschmiede” denken. Hier bleibt‘s allerdings im moderaten Bereich, hat fast was von THE CURE, doch auch das sehr gitarrenbetont und spürbar unter Spannung.

Das riffbetonte Do You Believe Me? ist wie gemacht für die Live-Shows der Band und lädt zum Mitrocken geradezu ein. Interessant, dass sich hier Robin Zander, Rick Nielsen und MC 5-Legende Wayner Kramer bei den Gitarrensoli abwechseln. Da geht’s selten filigran, sondern einfach derb zu. Geil!
Das Album hat LP-Spiellänge und der Ohrwurm Blood Red Lips, mit nicht einmal drei Minuten, Single-Format. Und dazu geht einem der harte Power-Pop praktisch nicht mehr aus dem Kopf. Okay, wenig originell, aber waren das CHEAP TRICK jemals? Schon immer mixten sie aus unterschiedlichen Sounds und Stilen ihren eigenen dynamischen Rock-Pop.
Dazu gehörte auch immer viel BEATLES, was man in Sing My Blues Away wieder äußerst deutlich hört. Kommt ebenfalls gut und lässt einen mit breitem Grinsen zurück.
Auch Roll Me, wenngleich teils funky, teils hard-rockend, hat seine BEATLES/Lennon-Wurzeln. Auch der Song rockt immer wieder verdammt gut (bisschen WHO ist auch mit drin) und ein weiteres Mal bin ich von der Leistung Robin Zanders überrascht. Wow!
Dabei sollte man auch Rick Nielsen noch einmal erwähnen. Der inszeniert sich zwar immer als Comic-Figur, aber tatsächlich ist er ein hervorragender Gitarrist, der auch heute noch voller Ideen steckt, das Rad nicht neu erfindet, aber trotzdem nie altbacken klingt und vor allem einen geilen Sound hat.

Weder das hypnotisch vibrierende The In Crowd, noch das wieder poppig angelegte und trotzdem von greller Gitarre durchsetzte Long Time No See Ya (dürfte sich als Konzert-Opener anbieten) und schon gar nicht der krachende, nach THE WHO klingende Abschluss All Strung Out weißen Schwachstellen auf. Also, da pfeif’ ich aber auf irgendwelche Reunions von GUNS N’ ROSES, die seit einem Vierteljahrhundert nichts Ernst zu nehmendes mehr veröffentlicht haben, wenn es Bands wie CHEAP TRICK gibt, die auch heute noch auf der Höhe der Zeit sind und solche gehaltvollen Alben veröffentlichen können, das zurecht so einen Namen trägt: “Bang Zoom Crazy… Hello“!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 04.04.2016