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Morbid Tales (Deluxe Edition) - To Mega Therion (Deluxe Edition) - Into The Pandemonium (Deluxe Edition) - Vanity/Nemesis (Deluxe Edition)
Celtic Frost
Morbid Tales (Deluxe Edition) - To Mega Therion (Deluxe Edition) - Into The Pandemonium (Deluxe Edition) - Vanity/Nemesis (Deluxe Edition), BMG, 2017
Tom Gabriel WarriorGesang & Gitarre
Eric Martin AinBass
Stephen PriestlySchlagzeug
Reed St. MarkSchlagzeug & Percussion
Curt Victor BryantGitarre & Bass
Ron MarksGitarre
Gastmusiker
Dominic SteinerBass
Wolf BenderFrench Horn & Violine
Claudia Maria-MokriGesang
Horst MüllerGesang
BernhildGesang
Thomas BerterGesang
Manu MoanGesang
Malgorzata Blaiejewska WollerVioline
Eva CieslinskiVioline
Wulf EbertCello
Jürgen PaulmannViola
Jan NemecSampling
H.C. 1922Gesang
Anton SchreiberFrench Horn
Andreas DoblerGitarre
Michael FlexigGesang
Michelle FischerGesang
Roli MosimannGesang & Keyboards
Michele AmarGesang
Uta GüntherGesang
Produziert von: Thomas Gabriel Fischer & V. Santura Länge: 210 Min 00 Sek Medium: CD
Morbid Tales (49:29)
01. Human (Intro)08. Danse Macabre
02. Into The Crypts Of Rays09. Nocturnal Fear
03. Visions Of Mortality10. Morbid Tales (Autumn 1984 Rehearsal)
04. Dethroned Emperor11. Messiah (Summer 1984 Rehearsal)
05. Morbid Tles12. Procreation (Of The Wicked) (Autumn 1984 Rehearsal)
06. Procreation (Of The Wicked)13. Nocturnal Fear (Autumn 1984 Rehearsal)
07. Return To The Eve
To Mega Therion (65:34)
01. Innocence And Wrath09. Tears In A Propeht's Dream
02. The Usurper10. Necromantical Screams
03. Jewel Throne11. Circle Of The Tyrants (Emperor's Return EP Track)
04. Dawn Of Meggido12. Visual Aggression (Emperor's Return EP Track)
05. Eternal Summer13. Suicidal Winds (Emperor's Return EP Track)
06. Circle Of The Tyrants14. Journey Into Fear (Emperor's Return EP Sessions Track)
07. (Beyond The) North Winds15. Visual Aggression (1988 Remix)
08. Fainted Eyes16. Return To The Eve (1985 Studio Jam)
Into The Pandemonium (59:41)
01. Mexican Radio09. Rex Irae (Requiem)
02. Mesmerized10. Oriental Masquerade
03. Inner Sanctum11. Sorrows Of The Moon (Pandemonium Session Track)
04. Tristesses De La Lune12. The Inevitable Factor (Pandemonium Session Track)
05. Babylon Fell13. In The Chapel Of The Moonlight (12'' Single Track)
06. Caress Into Oblivion14. One In Their Pride (Re-Entry Mix) (Pandemonium Session Track)
07. One In Their Pride (Pothole Mix)15. The Inevitble Factor (Alternative Vocals) (Pandemonium Session Track)
08. I Won't Dance (The Elders' Orient)
Vanity/Nemesis (53:57)
01. The Heart Beneath07. Phallic Tantrum
02. Wine In My Hand (Third From The Sun)08. A Kiss Or A Whisper
03. Wings Of Solitude09. Vanity
04. The Name Of My Bride10. Nemesis
05. This Island Earth11. Heroes (Wine In My Hand EP Track)
06. The Restless Seas12. A Descent To Babylon (Babylon Asleep) (Wine In My Hand EP Track)

Es gibt wohl abgesehen von den Briten VENOM keine Band, die den extremen Metal in all seinen Verästelungen nachhaltiger geprägt hat als die Schweizer CELTIC FROST und die Vorgänger-Formation HELLHAMMER. Die Geschichte dieser beiden Bands ist eng verbunden mit der Geschichte von Thomas Gabriel Fischer – besser bekannt als Tom G. Warrior (heute TRYPTIKON) – und Martin Eric Ain (bürgerlich: Martin Stricker). Dabei waren beide Bands bei den Kritikern zunächst unbeliebt, wurden aber von den Fans damals fast schon kultisch verehrt. Das lag daran, dass insbesondere HELLHAMMER ebenso wie VENOM, spieltechnisch eher unbedarft waren, aber eben den krassesten Sound der damaligen Zeit boten. Und das war etwas, wonach die Fans im Untergrund – und der sehr aktiven Tapetrader-Szene – suchten, was aber die Schreiber zumeist nicht goutierten.

Dieser Ruf folgte der Band auch nach der Umbenennung und einer Umbesetzung zu CELTIC FROST. Ihre Reputation war so schlecht, dass sie sogar Schwierigkeiten hatten, einen Schlagzeuger zu finden, um ein Album einzuspielen. Das änderte sich als Reid St. Mark zur Band stieß. Und auf der Business-Seite war es Karl-Ulrich Walterbach mit seinem Label Noise Records, der HELLHAMMER und anschließend dann auch CELTIC FROST eine Chance und Plattenvertrag anbot. Allerdings nicht – wie er selber einmal den Musikern sagte -, weil er von der Musik überzeugt war, sondern weil er der Meinung war – und die Szene wohl entsprechend erkannt hatte -, dass man mit diesem Sound einige Platten an den Mann bringen konnte.

Diese Erwartungshaltung hat ihn nicht getäuscht. Allerdings nicht in dem Sinne, dass CELTIC FROST in kurzer Zeit große Mengen an Platten absetzen konnten und die Charts erklommen. Dafür aber verkauften sich die Scheiben kontinuierlich. Und durch den Einfluss, den Fischer & Co. auf nachfolgende Bands wie ANTHRAX, DEATH, OBITUARY, SEPULTURA, WATAIN, PARADISE LOST aber auch auf so unwahrscheinliche Gruppen und Künstler wie NIRVANA, Mark Tremonti (ALTER BRIDGE, CREED) und Dave Grohl (FOO FIGHTERS) hatten – und den diese Künstler auch immer offen zum Ausdruck gebracht haben – entdecken auch nachfolgende Generationen die Band immer wieder neu. Und im Zuge der Reihe „Noise lebt“ können sie das jetzt bei den vier wesentlichen Alben nun auch in der jeweiligen “Deluxe Edition“.

Den Auftakt macht “Morbid Tales“, das im November 1984 in Europa zunächst nur als Mini-LP mit lediglich sechs Songs – in den USA von Brian Slagels Metal Blade aber als vollwertiges Album mit acht Stücken darauf - veröffentlicht wurde. Und wenn die Band dann nach dem Intro, Human, mit Into The Crypts Of Rays loslegt, dann weiß man genau, woher unter anderem SEPULTURA für ihre frühen Werke die Inspiration nahmen. Aus heutiger Sicht mag das nicht mehr so bahnbrechend und übermäßig hart klingen – da man in der Zwischenzeit mit Death und Black Metal natürlich eine ganze Menge noch härterer Sounds präsentiert bekommen hat -, aber damals (man muss sich vor Augen halten, das war nahezu parallel zu ersten Alben von METALLICA und SLAYER) gehörten CELTIC FROST zur Speerspitze der extremen Bands und “Morbid Tales“ war ihr Fanal.

Aufgenommen in nur acht Tagen enttäuschte das Werk dann die begierigen Fans auch keineswegs – und auch mehr als 30 Jahre nach seiner Fertigstellung hat “Morbid Tales“ nichts von seiner Wirkung eingebüßt. Man hört der Scheibe den Pioniergeist und die Leidenschaft, mit der sie gemacht wurde, sehr deutlich an. Und Stücke wie Dethroned Emperor etwa sind nach wie vor schlichtweg die Wucht. Da verzeiht man schon mal gerne das etwas rumpelige Schlagzeug, das nicht immer perfekt den Rhythmus hält und auch der eher flache Gitarrensound wirkt hier eher charmant als störend. Zumal das Songmaterial diese kleinen Makel problemlos wieder wettmacht. Denn wer solche Asse wie Morbid Tales, Procreation (Of The Wicked), Return To The Eve und Nocturnal Fear zu bieten hat, der muss sich um die Wirkung keine allzu großen Sorgen mehr machen.

Und so schlug das Album dann auch ein, wie die so oft zitierte Bombe. Fans, die abseits des Mainstream-Metal à la SAXON, IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST nach neuen – und eben extremeren – Klangwelten suchten, hatten ihre Band gefunden. Diese Intensität verbunden mit der Düsternis des Klangbildes war – abgesehen der bereits erwähnten VENOM – in dieser Form einzigartig. Auf unnötige Feinheiten wie etwa Gitarren-Soli wurde weitestgehend verzichtet. Das war vielleicht der kurzen Produktionsdauer geschuldet, hat dem Album aber auf keinen Fall geschadet – denn so standen die wirklich hervorragenden und man möchte schon fast sagen visionären Kompositionen im Mittelpunkt.

Bei diesem Re-Release ist zum einen glücklicher- und verständlicherweise die USA-Version als Grundlage gewählt worden. Zudem kommen noch vier Bonus-Songs von Proben aus dem Jahr 1984, die noch etwas räudiger und dreckiger als die Versionen auf dem Album klingen. Aufgenommen wurden sie in einem Bunker, von dem man einen kleinen Eindruck bekommt, wenn man die Bilder im Booklet betrachtet. Es waren wilde und aufregende Zeiten, aber eben auch mit viel Pionier- und Experimentiergeist. Mit Messiah ist auch eine Nummer vertreten, die 1983 mitgeschnitten wurde und somit sicherlich zu den frühesten Aufnahmen der Band zählt. So wird aus dem im Original gerade mal knapp 33-minütigen Mini-Album eines mit mehr als 49 Minuten Spielzeit. Zudem ist die stilvoll gemachte Aufmachung dieses Re-Release wirklich ein Hingucker mit raren Fotos und Begleittexten und ist der würdige Rahmen für diese wegweisende Veröffentlichung.

Aber wohl nur wenige – und die hätte man damals vielleicht als Träumer verspottet – hätten es für möglich gehalten, dass CELTIC FROST nur ein Jahr nach “Morbid Tales“, dieses Werk würde toppen können. Aber so geschah es mit ihrem Nachfolger “To Mega Therion“. Denn beflügelt von dem Umstand, dass sie endlich mit ihrer Musik weltweites Gehör fanden und der Enge ihrer Schweizer Heimat entkommen konnten, legten Fischer & Co. nun erst richtig los. Und so entstand ein Werk, das fasst noch wegweisender und nachhaltiger in seiner Wirkung war, als der ohnehin schon beeindruckende Vorgänger.

Endlich wurden CELTIC FROST zudem als Künstler wahrgenommen auch von anderen Künstlern. Denn nicht anders ist es zu erklären, dass die Band, die einfach frech mal angefragt gatte, die Erlaubnis von H.R. Giger bekam eines seiner Bilder (“Satan I“) als Cover-Motiv für ihre neue Scheibe zu verwenden. Schließlich war Giger damals unter anderem durch seine Arbeit an dem Monster für den “Alien“-Film sowie die Plattencover für EMERSON, LAKE & PALMERs Meisterwerk “Brain Salad Surgery“ ein weltweiter Star in der Kunst-Szene und seine Entscheidung zeugte schon von einem gehörigen Respekt und insbesondere auch Vertrauen, dass CELTIC FROST seinem Werk etwas musikalisch Vergleichbares gegenüber stellen würden. Und das taten sie dann auch.

Viele Bands hätten in dieser Situation wohl erst einmal ein Album auf „Nummer sicher“ vorgelegt, aber Fischer und seine Mitstreiter verfolgten weiter ihre musikalischen – und in dieser Hinsicht sicher progressiven – Ideen. So wählte die Band mit dem Opener Innocence And Wrath ein Stück, das mehr als ungewöhnlich war und durch den Einsatz von Pauken und Flügelhörner eher an Klassik als an Metal erinnert. Aber dann bricht die Aggressivität sich in den fulminanten Songs The Usurper und Jewel Throne sowie später noch einmal in Circle Of The Tyrants und (Beyond The) North Winds Bahn und fegt jegliche Bedenken hinfort. CELTIC FROST waren immer noch eine der härtesten Bands auf dem Planeten, die aber hier ihre Bandbreite an Sounds noch einmal deutlich erweiterten und auch für Bands aus dem Bereich Doom Metal Inspiration bereit hielten, etwa in der Nummer Dawn Of Meggido. Und ein Stück wie Necromantical Screams weist durch die Kombination von tiefem und hohem Gesang Parallelen zu frühen MERCYFUL FATE auf, während die Gitarren-Melodie gegen Ende eher eine spätere Entwicklung von SLAYER vorwegnimmt.

Auf “To Mega Therion“ macht sich auch der Wechsel auf der Position des Schlagzeugers zu Reed St. Mark deutlich bemerkbar. So haben die Stücke deutlich mehr Wucht aber auch Groove als noch auf “Morbid Tales“. Zudem ist der Sound deutlich besser. Das war zum einen der damals längeren Studiozeit (statt einer gab es diesmal zwei Wochen) aber sicherlich auch der klangtechnischen Nachbearbeitung durch Band-Chef Fischer und TRIPTYKON-Gitarrist V. Santura geschuldet sein. Auf jeden Fall klingt das Album heute noch genau so beeindruckend, betörend und fesselnd wie vor mehr als 30 Jahren.

Zusätzlich aufgewertet wird diese “Deluxe Edition“ dadurch, dass die EP “Emperor’s Return“ hier als Bonus-Tracks beigefügt wurde. Chronologisch gesehen wäre es zwar besser gewesen, sie an den Anfang der CD zu stellen, da die EP ja das Bindeglied zwischen den beiden Alben darstellte und das Aufnahme-Debüt für Neu-Mitglied Reed St. Mark war. Daneben wurden noch Visual Aggression in einem Remix von 1988 als auch Return To The Eve als Studio Jam aus dem Jahr 1985 mit auf diese Scheibe gepackt, die es so auf 65 Minuten Spielzeit bringt.

“To Mega Therion“ bleibt eines dieser Alben, die in die Ruhmeshalle des Heavy Metal gehören, nicht nur weil die Lieder darauf so gut sind, sondern weil sie eine zahllose Reihe nachfolgender Bands aber auch zahlreiche unterschiedliche Genres fundamental beeinflusst haben. Es ist auch trotz eines Album wie “Morbid Tales“ – das ebenso fundamental wichtig war – nicht vermessen, “To Mega Therion“ als das Magnum Opus der Band-Geschichte zu bezeichnen. Hier zeigt sich auch, dass H. R. Giger mit seinem Vertrauen in die Band vollkommen richtig lag, als er sie seine Kunst zum Herausheben ihrer Kunst einsetzen ließ. Denn es macht schon einen gewaltigen Unterschied, wenn man zum Beispiel das Cover vom “Emperor’s Return“ (ein gemalter Dämon umgeben von drei leichtbekleideten Damen) mit “To Mega Therion“ (ein Gemälde von imposanter Dunkelheit) vergleicht. Hier hatten CELTIC FROST definitiv ihren Zenit erreicht.

Das bedeutet aber nun nicht, dass die Schweizer mit ihrem dritten Werk, “Into The Pandemonium“, das 1987 erschien, nun aber einen qualitativ dramatischen Abstieg hingelegt hätten. Und wahrscheinlich tut man dem Album auch einfach keinen Gefallen, wenn man es in einen Kontext mit dem Monolithen “To Mega Therion“ setzt. Denn Fischer, Ain und St. Reed setzten das konsequent fort, was sie zuvor auch schon getan hatten. Sie erweiterten auf “Into The Pandemonium“ ihre musikalischen Horizonte. So wie es sie mit den klassischen Elementen auf dem Vorgänger getan hatten, so wurden nun Aspekte aus der elektronischen Musik in den CELTIC FROST-Sound integriert sowie weitere mutige Experimente gewagt.

Denn welche Band hätte es sich sonst wohl getraut, das neue, von den Fans heiß ersehnte, Album mit einer Cover-Version des WALL OF VOODOO-Erfolges Mexican Radio zu beginnen. Aber auch das mit THE CURE-Anleihen durchzogene Mesmerized sowie das vertonte Gedicht von Gustave Flaubert, Tristesses De La Lune, mit den französisch-sprachigen Frauen-Vocals oder dem EBM-Experiment One In Their Pride muss auf den Fan, der auf der Suche nach erneut extremen Metal war, erst einmal extrem befremdlich gewirkt haben. Aber die Fans waren ja schon Veränderungen gewohnt, so dass man vielleicht sagen kann, dass der stetige Wandel die einzige Konstante bei CELTIC FROST war. Und genau das war auch die Intention von Fischer und Ain, die ja die treibenden Kräfte hinter der Band waren.

Damit sie bei diesen Aufnahmen nicht wieder unter der indirekten Kontrolle von Noise-Chef Karl-Ulrich Walterbach in Berlin standen, wurde das dritte Album in den Horus Sound Studios in Hannover aufgenommen und die Band nahm sich dieses Mal ganze drei Monate Zeit – ein Luxus wenn man es mit der Produktionszeit der ersten beiden Alben vergleicht. Aber es wurde kein komplett experimentelles Album: CELTIC FROST hatten mit Babylon Fell, Caress Into Oblivion oder I Won’t Dance (The Elder’s Orient) natürlich auch auf “Into The Pandemonium“ was für all diejenigen dabei, die auf der Suche nach Dunkelheit und schweren Metal-Riffs waren. Aber diese Elemente wurden hier bewusst stark zurückgefahren und so zeigten die Musiker eine weitere neue Facette – und etablierten sich noch mehr als ernstzunehmende Künstler, die vor keinem Risiko zurückschreckten.

Und noch einmal sollte diese Risiko-Bereitschaft belohnt werden. Die Kritiken waren ziemlich gespalten: den einen war die Scheibe nicht heftig genug, sie vermissten die kompromisslose Härte. Dabei schwang natürlich auch ein wenig der Vorwurf der Anbiederung mit, der sich aber angesichts des ja eben gerade nicht massenkompatiblen Sounds nicht halten ließ. Die anderen Rezipienten sprachen hingegen von Avantgarde und trafen damit eher das, was die Intention der Band damals war. Fischer und Ain wollten sich ausprobieren, ihre unterschiedlichen musikalischen Vorlieben aus elektronischer Musik oder auch Wave einfließen lassen und den Sound der Band so einem stetigen Wandel unterziehen.

Auch für diese “Deluxe Edition“ wurden die Verantwortlichen in den Kellern und Archiven wieder fündig. Fünf Songs runden diese CD ab. Darunter mit Sorrows Of The Moon die englischsprachige und eher metallische Version des musikalisch umgesetzten Flaubert-Gedichts, ebenso wie der Re-Entry Mix von One In Their Pride. Wahrlich „neu“ sind damit nur in The Chapel Of The Moonlight, das zuvor auf sowie der der Non-Album-Track The Inevitable Factor, der es gleich in zwei verschiedenen Versionen – davon einmal mit alternativen Vocals – auf das Album geschafft hat. Diese Dreingaben sind natürlich insbesondere für Fans interessant, denn es gab ja schon individuelle Gründe, das jeweilige Lied nicht für die CD professionell aufzunehmen. Dennoch ist es interessant, dass hier eher auf typischere, härtere Kompositionen zugunsten der experimentelleren Stücke verzichtet wurde. Das trägt aber auch zu dem etwas „durchwachsenen“ oder „unzusammenhängenden“ Eindruck bei, den das Album beim Hörer ob der vielen verschiedenen Elemente und Stile hinterlässt.

So ist es denn auch aus heutiger Sicht nicht ganz unverständlich das die Karriere von CELTIC FROST nach “Into The Pandemonium“ anfing, ins Stocken zu geraten. Im Anschluss an eine US-Tour verabschiedete sich Drummer Mark St. Reed und auch Fischer war – unter anderem wegen der anhaltenden Querelen mit der Plattenfirma Noise (sehr ausgewogen nachzulesen in dem Buch “ Systemstörung: Die Geschichte Von Noise Records“) aber auch aus privaten Gründen – nicht mehr so auf die Band fokussiert. Erst durch einen neuen Vertriebsdeal kamen CELTIC FROST wieder zusammen und erarbeiteten das dem damaligen Zeitgeist angepasste “Cold Lake“-Album, über das viele Anhänger der Band lieber den berühmten Mantel des Schweigens decken würden. Zu offensichtlich hatten sich die Schweizer von dem entfernt, was die Band aus- und groß gemacht hatte. Stattdessen gab es platte Lyrik und Glam-Metal-inspirierte Riffs. Kein Wunder also, dass die Band als Reaktion erst einmal wieder in der Versenkung verschwand.

Aber so konnte Fischer die Geschichte der Band nicht zu Ende gehen lassen. Also trommelte er den allerersten Drummer der Band, Stephen Priestly, sowie Bassist Martin Eric Ain wieder zusammen und ging daran, erneut ein richtiges Metal-Album zu komponieren. Unterstützung bekamen die reformierten CELTIC FROST dabei von dem zweiten Gitarristen Curt Victor Bryant, der sogar überraschend viel zum Songwriting für das Werk beisteuerte. So entstand das Album “Vanity/Nemesis“, das einen stringent durchdachten Thrash Metal präsentierte – und von vielen als das reifste CELTIC FROST-Werk angesehen wird.

Das ist zumindest mal in der Hinsicht richtig, als dass die Band natürlich spieltechnische Fortschritte in allen Belangen gemacht hatte. Insbesondere Priestly, der auf dem Debüt ja noch teilweise sehr holprig agiert hatte, war hier kaum wiederzuerkennen. Er brachte den richtigen und nötigen Drive in die Nummern während Bryant und teilweise noch Ron Marks als Session-Gitarrist für die technischen Finessen in den Liedern sorgten. Allerdings musste man auch feststellen, dass die Zeiten vorbei waren, in denen CELTIC FROST noch selber der Vorreiter für neue Trends waren. Diese Rolle hatten jetzt andere Gruppen übernommen und so klangen CELTIC FROST stellenweise so stark nach einer Band wie MEGADETH, dass man eigentlich noch mal nachschauen musste, ob Kompositionen wie The Name Of My Bride oder Vanity nicht von Dave Mustaine stammten oder etwa Phallic Tantrum ein lange vergessener SLAYER-Song ist.

Das soll diese Lieder aber keineswegs herabwürdigen, denn sowohl die Riffs als auch die Kompositionen als Ganzes waren auf diesem Album durch die Bank gut, eben nur nicht sonderlich originell oder in irgendeiner Form neuartig und wegweisend für nachfolgende Bands. In dieser Hinsicht ist es sicherlich nicht mit Werken wie “Morbid Tales“, “To Mega Therion“ oder auch “Into The Pandemonium“ zu vergleichen. Aber es ist eben auch weit entfernt von dem, was die Band auf “Cold Lake“ präsentiert hatte. “Vanity/Nemesis“ ist eine solide Thrash-Metal-Scheibe, die sich auch nach 27 Jahren immer noch sehen lassen kann.

Diesem Re-Release sind lediglich zwei Bonus-Tracks beigefügt, die damals auch schon auf der “Wine In My Hand“-EP erschienen waren. Besondere Aufmerksamkeit wird hierbei natürlich der David Bowie-Nummer Heroes zuteil, denn CELTIC FROST haben sich den Song vorgenommen und wirklich ihre eigene Version daraus gemacht: mit harten Gitarren, einem sehr dominanten Schlagzeug und im Gegenzug dafür einem manchmal kaum wahrnehmbaren Gesang. Zumindest muss man die Schweizer für den Mut loben, den sie hier gezeigt haben. Denn ein solch ikonographisches Lied so umzusetzen, das muss man sich erst einmal trauen. Da waren sie auf der regulären Platte mit der Bryan Ferry-Nummer This Island Earth leichter unterwegs, weil der Song nicht so weltbekannt ist. Und das andere Bonus-Stück, A Descent To Babylon (Babylon Asleep) gehört zu den eher durchschnittlichen Liedern, die definitiv nicht schlecht sind, denen aber auch das Besondere fehlt, um sie auf ein Album zu hieven. In beiden Fällen kann man nicht von unverzichtbarem Material sprechen, aber zumindest das Cover hat musikalisch ein gewisses Flair.

Mit einem solchen Album wie “Vanity/Nemesis“ konnten CELTIC FROST zumindest erhobenen Hauptes und einem reparierten Ruf die Band für einige Jahre stilllegen. Sie hatten ihre „Aufgabe“ (wenn man das so nennen will) erfüllt und dem Metal ein Füllhorn an neuen Inspirationen ausgeschüttet, das auch noch Jahre nach ihrem zwischenzeitlichen Ende aber auch nach dem de facto-Schlussstrich von 2006 Bands aus verschiedensten Bereichen der harten Musik mit Anregungen füttert – und ihnen vor allen Dingen auch klar macht, dass es egal ist, ob man aus New York oder aus einem kleinen Schweizer Dorf kommt, mit einer Vision und einer Menge Durchhaltewillen kann man es schaffen, seine eigenen Spuren in der Welt zu hinterlassen. Und die können Neu-Interessierte jetzt mit diesen vier Deluxe-Editionen aus der Reihe “Noise lebt“ ganz hervorragend nachempfinden. Sie bündeln das Erbe der überaus kreativen Band namens CELTIC FROST.

Marc Langels, (Artikelliste), 29.06.2017