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Born To Play Guitar
Buddy Guy
Born To Play Guitar, RCA Records, 2015
Buddy GuyGuitar, Lead Vocal
Tom HambridgeDrums
Rob McNelleyBass
Kevin McKendreeClavinet
Doyle Bramhall II, Kenny Greenberg, Bob BrittGuitar
Glen Worf, Michael Rhodes, Billy CoxBass
Reese WynansB3, Grand Piano
Billy GibbonsGuitar and Vocals on Wear You Out
Kim WilsonHarmonica on Too Late and Kiss Me Quick
Joss StoneVocals on (Baby) You Got What It Takes
Van MorrisonVocals on Flesch & Bone
Produziert von: Tom Hambridge Länge: 59 Min 20 Sek Medium: CD
01. Born To Play Guitar08. (Baby) You Got What It Takes
02. Wear You Out09. Turn Me Wild
03. Back Up Mama10. Crazy World
04. Too Late11. Smarter Than I Was
05. Whiskey, Beer & Wine12. Thick Like Mississppi Mud
06. Kiss Me Quick13. Flesch & Bones (Dedicated To B.B. King)
07. Crying Out Of One Eye14. Come Back Muddy

Der letzte der großen "Blues-Men"? So hab ich schon mein Review zu Buddys vorherigem Album ”Rhythm & Blues” eingeleitet, aber nachdem nun auch noch B.B. King von uns gegangen ist, ist Buddy wohl wirklich der letzte verbliebene, der einstigen Blues-Stars.
Vielleicht bekommt er die längst verdiente Würdigung ja erst jetzt? Ja, auf seinem letzten Album drängte sich die Promi-Schar, aber Leute wie Clapton wissen schon zeitlebens, was sie und die (Musik-) Welt an Buddy Guy haben.
Und auch sein neues Album ist Anhängern des Blues und Blues Rock wärmstens zu empfehlen. Born To Play Guitar bringt uns auf den Weg, sozusagen, den Mississippi rauf, nach Chicago. Da wird noch spärlich instrumentiert, das Schlagzeug nur gestreichelt, das Piano klimpert im Hinterzimmer und Buddy bringt ein paar typische Licks. Nichts Hochtechnisches, aber mit so viel “Feeling“, wie man es nicht erlernen kann. “I got the blues in my veins“, singt Buddy, und nichts anderes ist hier zu spüren.
Mit dem ersten Gaststar – ja, ganz ohne geht’s auch hier nicht – wird’s aber gleich deutlich deftiger: ZZ TOPs Billy Gibbons teilt kernige Soli und bärbeißigen Gesang mit Buddy Guy. Das kommt in so einem Texas-Boogie natürlich besonders gut.

Danach geht’s aber zurück zum puristischen Blues, wie ihn nur wenige so spielen konnten und können. Da gehört der ausdruckstarke Gesang ebenso dazu, wie die hervorragend gespielten Gitarren. Wer Buddy kennt, der weiß, dass dieser seinem Instrument eine große Vielzahl an “Emotionen“ entlocken kann, sie nahezu zum Sprechen bringen kann. Kommt in Back Up Mama äußerst prägnant rüber. Gefällt mir wirklich, wie man sich auch als weißer Europäer, und tausende Meilen entfernt, wie in einem Chicagoer Blues-Club der 50er wähnen darf.
Große Verdienste um den Blues und besonders was die Blues Harp angeht, hat Kim Wilson, der sowohl mit den FABULOUS THUNDERBIRDS als auch Solo Blues-Geschichte geschrieben hat. Der wirft in Too Late und Kiss Me Quick gleich ein paar Scheitchen ins Feuer und lässt in diesen Blues-Boogies die Flammen – auch bei Buddy – etwas höher lodern. Immer wieder ein Genuss, Wilsons Power-Harmonika-Spiel zu hören!
Zwischendurch wird’s in Whiskey, Beer & Wine auch mal etwas funky und soundlich etwas moderner, ohne die Wurzeln zurückzulassen. Bei der Gelegenheit muss die erneut tolle Produktion von Tom Hambridge erwähnt werden, der sich so langsam zu einem der wichtigsten Blues-Produzenten aufschwingt. Ich muss ein paar Gedanken über Drummer wohl revidieren…

Dem Big Band-Swing-Sound, dem Großstadt-Jump-Blues, zugetan ist man, als Joss Stone mit ans Mikro tritt. Ich würde den gesanglichen Beitrag von Stone nicht überbewerten, aber man spürt, wie Buddy da deutlich angestachelt wird. Das Grinsen im Gesicht des Blues-Man kann man sich gut vorstellen.
Man sollte sich durch die Gäste aber nicht vom eigentlichen Star ablenken lassen. Nummern wie Turn Me Wild präsentieren das immer noch hervorragende Gitarrenspiel – vielleicht das beste in den Reihen der Blues-Ikonen (sorry, B.B.) – von Buddy Guy und immer wieder zeigt er auch, dass er, wie in Smarter Than I Was, mit Sounds aktueller Prägung bestens zurechtkommt und trotzdem die Blues-Fraktion packt und bei der Stange hält.
Die einstigen Weggefährten werden nicht vergessen und zum Ende zu bekommen sowohl B.B. King (mit einem einfühlsamen, hymnischen Duett, zusammen mit Van Morrison) als auch Muddy Waters ihre Würdigung. Letzterer bei dem wundervollen Come Back Muddy als Late-Night Chicago-Blues.
Zurück kommt keiner mehr, deswegen sollte man – wie auch in anderen Bereichen – die Chance beim Schopf packen und sich Größen wie Buddy Guy gönnen. Wenn schon nicht “live on stage“, dann wenigsten auf Alben wie diesem.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 22.08.2015