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I Knew You When
Bob Seger
I Knew You When, Capitol Records, 2017
Bob SegerVocals, Acoustic Guitar
Kenny Greenberg, Rob McNelley, Tom Bukovac, Rick Vito, Biff WatsonGuitars
Glenn Worf, Jimmie Lee Sloas, Chris CampbellBass
Greg Morrow, Richie Hayward, Chad CromwellDrums
Steve NathanHammond B-3
Michael Rojas, Bill PaynePiano
Reese WynansOrgan, Piano
Alto ReedSaxophone
Laura Creamer, Shaun Murphy, Rosemary Butler, Barbara PaytonBacking Vocals
Produziert von: Bob Seger Länge: 45 Min 31 Sek Medium: CD
01. Gracile06. The Sea Inside
02. Busload Of Faith07. Marie
03. The Highway08. Runaway Train
04. I Knew You When09. Something More
05. I'll Remember You10. Democracy

Oh Mann, da beschleicht einen als glühender Musikfan der alten Garde so etwas wie Beklommenheit und Betroffenheit. Bob Seger, selbst schon 72 und seit Ewigkeiten im Business, widmet sein neues Album "I Knew You When" seinem alten EAGLES Freund Glenn Frey, der leider Gottes im Januar 2016 verstarb. Desweiteren erinnert Seger mit Lou Reeds Busload Of Faith und Leonard Cohens Democracy an weitere verstorbene Großmeister der Songkunst. Ein wehmütiger, aber auch stolzer Blick zurück auf glanzvolle Dekaden, als das Musikbusiness enorm kreativ war und sich aufschwang, wegweisende Kapitel der Historie zu schreiben.

Wenn ein mega-erfolgreicher Alt-Star wie Bob Seger ein neues Album produziert, sorgt das selbstredend für Aufsehen und Gesprächsstoff. Es dürfte wohl klar, dass der in den USA zigfach platinveredelte Seger nicht mehr dieses ansteckende und verzehrende Feuer in seinen Stimmbändern trägt wie einst auf dem umwerfenden 1976er Konzertalbum "Live Bullet", das den Ruhm seiner 'Silver Bullet Band' in ungeahnte Höhen schießen ließ.

Das Schöne an diesem brandneuen Seger Album bleibt die Tatsache, dass der alte Haudegen immer noch in der Lage ist, ein zufriedenstellendes Album vorzulegen, das zudem mit einigen weiteren altgedienten Strategen in Gästeliste auftrumpft: Namen wie Richie Hayward, Bill Payne, Rick Vito, Laura Craemer, Shaun Murphy, Rosemary Butler, Kenny Greenberg und Glenn Worf liest man heutzutage auch nicht mehr allzu häufig in den Liner Notes. Feine Sache. Die Liga der alten Freunde.

Bei aller Freude klingen Produktion und Sound des Albums für meinen persönlichen Geschmack schon etwas zu modern. Gitarren und Schlagzeug donnern zeitweilig etwas zu gewaltig durch den Raum. Einem im Grunde recht packenden Song wie Runaway Train fehlt die nötige Erdung bzw das warme Vintage-Feeling mit songdienlicher Patina. Das mächtig klatschende, fast schon hard-rockige The Sea Inside leidet unter der gleichen Überambitioniertheit, ja, Überfrachtung. Da klingen Lou Reeds Busload Of Faith oder das sentimentale und berührende Titelstück viel angenehmer und passender.

Doch auch wenn hier ein wenig Jammern auf hohem Niveau betrieben wird, dürfen wir uns freuen, den kreativen Output eines reifen, aber dennoch vitalen Altstars wie Bob Seger zu beklatschen und sinnieren mit einer Träne im Knopfloch über Bobs Lyrics im Titelsong: "We all sit here with our memories of a glorious long ago, when our heroes seemed immortal, were they really so?"

Frank Ipach, (Artikelliste), 27.11.2017