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Tempest
Bob Dylan
Tempest, Sony Music, 2012
Bob DylanGuitar, Piano, Vocals
Tony GarnierBass
George G. ReceliDrums
Donnie HerronSteel Guitar, Banjo, Violin, Mandolin
Charlie SextonGuitar
Stu KimballGuitar
David HidalgoGuitar, Accordeon, Violin
Produziert von: Jack Frost Länge: 68 Min 34 Sek Medium: CD
01. Duquesne Whistle06. Scarlet Town
02. Soon After Midnight07. Early Roman Kings
03. Narrow Way08. Tin Angel
04. Long A nd Wasted Years09. Tempest
05. Pay In Blood10. Roll On John

Der Mann ist schlichtweg ein Phänomen. Am 7. September 1962 erschien sein Debütalbum und auf den Tag genau 50 Jahre später erschien mit "Tempest" sein 35. Studioalbum. Zu seiner "Never Ending Tour" - die mittlerweile auch schon fast ein Vierteljahrhundert läuft! - kommen auch seine anscheinend niemals endenden Albenveröffentlichungen.
Und, was ja eigentlich das phänomenale ist: Er wird nahezu immer besser im Alter. Zumindest was seine Alben angeht. Ähnliches kann man vielleicht nur noch über seinen inzwischen verstorbenen Kollegen Johnny Cash sagen.
Seinem "back to the roots" Stil der letzten Jahre bleibt er auch mit "Tempest" treu, färbt aber wieder einmal ein Album "religiös" ein. So viel Entwarnung soll aber gleich gegeben werden: Er macht das höchst subtil und wer sich nicht näher mit beschäftigt, merkt davon gar nichts.
Aber vom tollen Sound, von hervorragenden Songs und einer schlichtweg genialen Band, davon merkt der Hörer eine Menge. So klasse gelingt schon der Einstieg mit Duquesne Whistle, das irgendwo zwischen Jazz, Swing, Blues und 50's Rock'n'Roll-Einflüssen hängt. Augenblicklich fühlt man sich Jahrzehnte zurückversetzt und in eine fast ausgelassene Stimmung transportiert.

Die Produktion stellt Dylans Stimme ganz weit nach vorne, sie kommt so eindringlich, dass man zum einen ihr wie gebannt lauscht, und zum anderen sich fast zwingen muss, auch mal der hervorragend im Hintergrund agierenden Band zuzuhören.
Bei dem "date with the fairy queen" im romantischen Soon After Midnight wäre ich jedenfalls auch gern gewesen. Es zeichnet diese Band aus, dass auch so sanfte Balladen immer noch ungeheuer spannend klingen.
Ein rauer Shuffle wie Narrow Way ist nichts anderes als die Reinkarnation von Highway 61 Revisited im 21. Jahrhundert. Und besser hat das auch 1965 nicht geklungen!
Als lausche man Bob am heimischen Küchentisch schrammeln, so beginnt Long And Wasted Years. Die Band transportiert den leicht melancholischen Song in einen lockeren Veranda-Schunkler, den Neil Young auch hinter seinem "Harvest Moon" gesungen hätte.
Ein ums andere Mal muss ich schmunzeln, wenn Bobs Reibeisenstimme sich einen Song hineinraspelt. Etwa in die Country-Folk-Nummer Pay In Blood, oder die Western-Ballade Scarlet Town. Besser kann man seinen Feierabend nicht genießen: Sonnenuntergang, etwas Gutes im Glas und dieser Song. Solltet ihr fast mal probieren.

Bobs Leidenschaft für den Blues ist so alt wie seine Karriere und bei Early Roman Kings geht er wieder einmal auf den ganz frühen 12-Takter zurück. Das Akkordeon spielt im übrigen David Hidalgo, denn ich unlängst mit seiner Stammformation LOS LOBOS erleben durfte.
Kann man hier einzelne Titel zum Höhepunkt erklären? Schwerlich, aber Tin Angel, mit Bob als grandiosem "Storyteller" ist auf jeden Fall an Eindringlichkeit kaum zu überbieten.
Der Titelsong ist eines jener Fernwehsongs, die auch nur mit Akkordeon funktionieren würden, aber mit dieser ebenso genial wie dezent agierenden Band noch um einiges besser kommen. Wer da nicht ins Träumen gerät ...
Mit leicht spanisch-mexikanischem Einschlag beendet Roll On John dieses Album, das man umgehend noch einmal hören möchte. Ich weiß nicht, ob man diese Stimme mögen muss, denn das, was sie verkörpert, daran kommt man schwerlich vorbei.
Erneut legt "his Bobness" ein Album vor, welches wohl auf einen Grammy vorprogrammiert ist.
Das Album gibt es in verschiedenen Ausführungen und der Die-Hard-Fan kann sich sogar die Edition mit beiliegender Mundharmonika zulegen. Wer sich was Schönes gönnen will, dem empfehle ich die Version mit Extra-"Notizbuch", in dem sich auch schöne Archiv-Bilder finden. Wer nur eine der letzten vier, fünf Scheiben von Dylan hat, der braucht auch "Tempest".

Epi Schmidt, (Artikelliste), 15.09.2012