America - oder Der Tag, an dem Bob Dylan durch Saarbrücken fuhr
Bob Dylan
America - oder Der Tag, an dem Bob Dylan durch Saarbrücken fuhr, Schardt Verlag, 2011
von: Christof Graf
ISBN: 978-3-89841-546-0
Umfang: 178 Seiten
Preis: 14,80 € zzgl. Versandkosten

"America - oder Der Tag, an dem Bob Dylan durch Saarbrücken fuhr", der Titel mutet zunächst einmal eher seltsam an.
America - bzw. Amerika - war ja durchaus im Saarland schon vorher bekannt und wurde sicher nicht erst durch Bob Dylan in dem kleinen Bundesland bekannt. Und an Saarbrücken wird sich ja auch nicht viel verändert haben, nur weil Bobs Nighliner-Flotte die Stadt durchquert hat. Die Auflösung folgt natürlich bald, denn es geht um das Konzert Dylans im Jahre 2009. Genauer am 5.4.2009, in der Saarlandhalle, Saarbrücken.
Und stattgefunden hat das im Rahmen der zweijährig stattfindenden Musikfestspiele Saar, die sich immer einem anderen Thema widmen. 2009 war eben "America" angesagt und als bekannt wurde, dass Bob Dylan auf Europatournee kommt, haben die Verantwortlichen alles daran gesetzt, den Star als Eröffnungszugpferd ins Saarland zu holen.
Christof Graf, seines Zeichens Professor und Publizist zahlreicher Artikel und Bücher - auch und besonders über Dylan und Leonard Cohen - hat sich mit diesem Buch der Vor- und Drumherumgeschichte angenommen. Passt ja auch gut zum eben erst gefeierten 70. Geburtstag der Legende. Dylans, nicht Grafs!
Ein ganzes Buch wegen und mit einem Konzert zu füllen, wäre natürlich etwas vermessen, selbst für so einen erfahrenen Schreiberling und so bekommt der Leser zunächst einmal eine bilinguale - also zweisprachige - Lektüre: Alle Texte sind auch ins Englische übersetzt abgedruckt. Wie viel Sinn das macht, soll jeder selbst entscheiden, lesen wird man überwiegend in der Muttersprache. Es sei denn, man möchte mal was auf Englisch von und über Wolfgang Niedecken lesen.

Sei es wie es will, trotz der etwas unklaren Linie, macht es Spaß in diesem Buch zu lesen und zu blättern. Neben den Berichten und Geschichten um besagtes Konzert, gibt es einen großen "Lexikon-Teil", in dem "Bob Dylans Amerika von A - Z" beschrieben und untersucht wird. Das wird anhand kurzer Beschreibungen abgehandelt, ohne zu tief schürfend zu werden, aber dafür steht an anderer Stelle ja genug Material zur Verfügung. Etwas langatmig ist es trotzdem mit der Zeit und ob man jetzt auch noch das Wort "Review" erklären muss, halte ich auch für zumindest fragwürdig. Ebenso ob Michael Jackson eine mehrseitige Abhandlung in einem Buch über Bob Dylan braucht.
Ferner wird relativ großzügig eine Pressekonferenz mit Bob Dylan, Joan Baez und Carlos Santana, aus dem Jahr 1984, abgedruckt, die verdeutlichen soll, warum Bob Dylan so ungern mit der Presse spricht. Das ist nahezu für jeden, aber ganz besonders für diejenigen, die selbst einmal ein Interview führen wollen oder müssen, interessant zu lesen. Die Fragen sind stellenweise an Banalität kaum noch zu unterbieten und man fragt sich als "Zuschauer" schon wirklich, wie die Drei und besonders Dylan diesen Unsinn durchhalten. Zu beneiden sind sie ganz sicher nicht und etwas mehr Verständnis für Dylan bekommt man hier durchaus. Neben besagtem Wolfgang Niedecken kommen noch Kollegen wie Joan Baez und Helen Schneider zu Wort und neben Aspekten aus Dylans "Never Ending Tour" - kurz NET - wird u.a. auch auf seine 2009er "Weihnachtsplatte" eingegangen und klar gemacht, dass Dylan das Album zugunsten des Welternährungsprogrammes aufgenommen hat, bzw. dem die Einnahmen daraus stiftet.
Ich hab in diesem Buch gern gelesen, wenn es auch nicht immer - durch die "englischen Unterbrechungen" - "rund gelaufen" ist. Ein paar neue Sachen hab ich gelernt und erfahren und bin gut unterhalten worden. Wie viel mehr kann man von einem Buch erwarten? Zumal der Preis auch noch verträglich ist, kann man sich hier ein Buch ins Regal stellen, in dem man immer mal wieder schmökern kann.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 13.06.2011