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Fire In The Mind
Bob Brozman
Fire In The Mind, Ruf Records, 2012
Bob BrozmanVocals, Guitars, Ukelele, Marimbas, Cello-Banjo, Baglama, Chaturangui
Jim NorrisDrums
Daniel Shane ThomasTriangle, Accordion, Backing Vocals
Produziert von: Bob Brozman & Daniel Thomas Länge: 47 Min 29 Sek Medium: CD
01. Breathing The Blues07. Bamn Kalou Bamn
02. Cannibal Stomp08. Ow! My Uke's On Fire
03. American House Fire Blues09. Nightmares And Dreams
04. Rhythm Is The Thing10. Memory Blues
05. Strange Mind Blues11. Lonesome Blues
06. Blue Mars Over Sorrento

Ein Vorteil an neu erscheinenden Platten - das kann man ruhig so sagen, denn die Plattenfirma führt ja auch immer noch "Records" im Namen - ist, dass man auch gern mal wieder in die vorherigen Veröffentlichungen reinhört. Viel zu lange habe ich "Blues Reflex" vernachlässigt, aber augenblicklich macht mir dieses 2005er Album von Bob Brozman wieder Spaß.
Der Mann ist nach wie vor ein Blues-Experte, ja, das Wort Blues-Verrückter liegt mir auf der Zunge. Auf "Fire In The Mind" scheint er mir noch tiefer im Blues zu stecken. Nicht weil es so traurig wird - im Gegenteil - , sondern weil es so ursprünglich ist. Der Grenzgänger und -überschreiter Broznan hat zwar zwischenzeitlich mal mit größerer Besetzung gearbeitet, aber hier hat wieder nahezu alles in die eigenen Hände genommen und nahezu alle Instrumente selbst eingespielt. Exotische und abenteuerliche sind dabei und so ist auch seine Musik. Im Blues verwurzelt, aber diesen Blues findet, bekommt und transportiert Brozman in und über viele Orte und Grenzen

Breathing The Blues könnte durchaus in den Sümpfen Louisianas spielen. Die Slide-Gitarre und der Delta-Blues im Rücken bringen die schwitzige Atmosphäre herrlich rüber. Trotzdem hört man - etwas unterschwellig - schon ein paar andere "Zutaten".
Das verstärkt sich im Laufe des Albums immer mehr. Schon Cannibal Stomp durchbricht Grenzen, bringt - für unsere Ohren - ungewöhnliche Instrumente ein. Das klingt dann stellenweise griechisch oder zumindest südeuropäisch. Gern durch einen rasanten Blues-Standart-Zwischenspurt "geerdet".
Ab dem dritten Titel kommt auch Gesang hinzu, der teilweise ebenso unkonventionell klingt wie die Musik. Erinnert mich, gerade in American House Fire Blues, etwas an Tom Waits.
Psychedelisch, sehr indisch klingt es in Rhythm Is The Thing, wobei überhaupt ein großer Teil des Rhythmus durch die perkussive Saitenarbeit von Brozman bestimmt wird.
Der Strange Mind Blues kommt tatsächlich stellenweise etwas "schräg", ist aber umso spannender. Mit ordentlich Tempo folgt Blue Mars Over Sorrento. Das italienische Sorrent gehört zu den schönsten Orten, die ich besucht habe, besonders was die Lage angeht, und dieses Instrumental schmeichelt dem Ort durchaus. Auch hier wieder schön zu hören,wie amerikanischer Blues mit kontinentaleuropäischen Zusätzen versetzt harmonieren und neue Gebiete erschließen kann.

Das wird noch deutlicher in Bamn Kalou Bamn, wo man sich nicht sicher ist, ob man gerade in New Orleans, in Memphis oder in einem Straßencafe in Paris ist. Eine herrliche Atmosphäre wird hier gezaubert.
Gezaubert wird auch im anschließenden Ow! My Uke's On Fire. Klasse, wie in diesem Up-Beat-Instrumental mit leichtem Ragtime-Einschlag über die Saiten gewirbelt wird.
Insgesamt muss man sich etwas einlassen auf die Musik von Bob Brozman. Das ist nichts zum nebenbei Hören. Dazu steckt zu viel Arbeit, Liebe, Raffinesse in diesen Stücken. Wer aber seinen (Blues-) Horizont mal etwas erweitern will und mal frische Töne in seine Gehörwindungen braucht, der sollte bei Bob Brozman mal reinhören und sich von seinem "Fire In The Mind" einheizen lassen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 25.11.2012