Girls With Guitars 2015 - Eliana Cargnelutti / Sadie Johnson / Heather Crosse
Blues Caravan
Girls With Guitars 2015 - Eliana Cargnelutti / Sadie Johnson / Heather Crosse, Ruf Records, 2015
Eliana CargneluttiLead & Backup Vocals, Guitar
Sadie JohnsonLead & Backup Vocals, Guitar
Heather CrosseLead & Backup Vocals, Bass
Justin HolderDrums, Congas, Tambourine
Rick SteffKeyboards
Trey HardinBass
Produziert von: Jim Gaines Länge: 45 Min 07 Sek Medium: CD
01. Girl Band07. Give Me A Kiss
02. Tush08. Shades Of Love
03. This House Just Ain't My Home09. Life
04. Feelin' Alright10. Say Goodbye
05. She May Have You, But I Got Yo Heart11. Wish You Hadn't Gone
06. I Hate Myself For Loving You

Ganz ehrlich: Ich kann dem Winter nichts abgewinnen! Wenn ich so Ende Oktober wegdämmern und um Mitte März herum wieder auftauen würde, hätte ich – für meine Bedürfnisse – nix verpasst.
Außer – Halt! – einem Ereignis, welchem nicht nur mir schon ans Herz gewachsen und welches nicht nur bei mir zum festen Termin im Konzert-Jahr geworden ist:
Ruf’s BLUES CARAVAN!
Alljährlich wandelt das rührige Plattenlabel den Winter- in einen absoluten Party-Blues um und schickt ein Trio aus bestehenden oder aufstrebenden neuen Künstlern als Package auf Tour. Das hat schon Tradition und mittlerweile ist es auch schon fast feste Regel, dass die Drei von der Blues-Gitarre im Vorfeld ein gemeinsames Album einspielen und damit auf die Tour einstimmen.
Das kennen wir vom “Pilgrimage“-Album, mit Erja Lyytinen, Aynsley Lister und Ian Parker und das hat uns auch beim “Girls With Guitars“-Album äußerst erfreut.
Für die anstehende 2015er Tour hat Thomas Ruf wieder drei totale Frischlinge – jedenfalls was die Ohren hierzulande angeht – aufgetrieben und ebenso natürlich wie erfreulich gibt es als Appetizer ein neues “Girls With Guitars“-Album vorneweg.

Mit der Italienerin Eliana Cargnelutti ist da schon gleich mal ein richtiger Wirbelwind an der Gitarre mit im Boot und die beiden Amerikanerinnen Sadie Johnson (Gitarre) und Heather Crosse (Bass) scheinen ihr kaum nachzustehen. Man darf nicht nur optisch gespannt sein, auf dieses Trio, denn ich möchte jetzt schon orakeln, dass es sich um die bisher rockigste BLUES CARAVAN-Tour handeln wird.
Das lassen die fetten Eingangs-Akkorde vom eigens verfassten Girl Band bereits erahnen und setzt sich überwiegend so fort. Mit reichlich Dampf und fast bedrohlich gehen die Ladies zu Werke. Kommt mir fast wie eine Hard Rock-Variante der von mir sehr geschätzten Mary McBride vor. Ein echt geiler Opening-Song, der – eine weitere Vorausage – bestimmt auch die Konzerte in die Spur kicken wird. Einige Solo-Töne hatten es schon angedeutet und im zweiten Song springt man mit sechs Beinen mittenrein, in den Texas-Blues: ZZ TOPs Tush rocken die Mädels gleichfalls mit der richtigen Kante! Den bärbeißigen Gesang von Billy Gibbons darf man hier natürlich nicht erwarten, aber man gewöhnt sich schnell daran, dass es stimmlich femininer, gitarrentechnisch aber absolut rau zugeht.
Yeah, it’s Blues-Time und so frönt man natürlich auch in diesem Verbund dem Genre. In This House Just Ain’t My Home im beliebten Boogie-Rhythmus mit leicht jazzigen Einwürfen. Sadie Johnson steht hier am Mikro und überzeugt mit ihrem Black-Soul-Gesang.

Ob Feelin‘ Alright von vorneherein geplant war, oder als Tribut an den unlängst und so tragischer Weise verstorbene Joe Cocker eingespielt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis, aber so oder so bringen die Gitarren-Girls, natürlich durch das typische Piano ergänzt, die Nummer herrlich pulsierend und funky rüber, sodass man schwerlich dazu stillsitzen kann.
Klar, der „Blues with a feeling“ darf nicht fehlen und Heather Crosse bringt diesen Slow-Blues, namens She May Have You, But I Got Yo Heart, auch mit reichlich Soul rüber, den sie ja gern auch mit ihrer Band The SweeTones praktiziert.
Eliana Cargnelutti dürfte diejenige mit der rockigsten Attitüde in diesem Verband sein und so wundert es nicht, dass sie die Lead-Sängerin bei Joan Jetts Hit I Hate Myself For Loving You gibt. Da gib’s wieder reichlich mit fetten Gitarren-Kelle. Nix für Blues-Puristen, aber der Party-Stimmung ist die Nummer allemal zuträglich.
Wieder Richtung Texas-Blues und mit reichlich Boogie versehen, rauscht Give Me A Kiss heran. Oh, Candye, das wäre doch genau deine Kragenweite! Und meine auch. Trotz der Coversongs würde ich diese Nummer zu meinem Favoriten auf diesem Album erklären. Ein Ohrwurm einerseits und zum anderen spürt man richtig, wie sich die Girls hier gegenseitig pushen und jede Menge Spaß haben und verströmen. Kommt richtig gut!
Ja, ich hab ein, zwei Durchläufe gebraucht, aber jetzt kommt das Album mit jedem Durchlauf besser. Ob einen jumpy Blues, wie Shades Of Love, einen schnurgeraden 12-Takt-Blues, wie Life, die an Hendrix erinnernde Ballade Say Goodbye oder der Schluss-Groover Wish You Hadn’t Gone, mit schönen doppelstimmigen Gitarren, es macht durchgehend und immer mehr Laune, diesen Mädels zu lauschen.
Wie gesagt, ich rechne mit einer energiegeladenen und recht rockigen Performance, auf die man sich besser mit dieser Scheibe vorbereitet. Für die Kenner ohnehin ein Pflichttermin, sollten auch die Blues Rocker sich besser nicht hinterher grämen, diese Konzerte verpasst zu haben.
F*** the Winter, join the BLUES CARAVAN!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 11.01.2015