Blues Caravan 2018
Blues Caravan
Blues Caravan 2018, Ruf Records, 2018
Mike ZitoVocals, Guitar
Vanja SkyVocals, Guitar
Bernard AllisonVocals, Guitar
Roger InnissBass
Mario DawsonDrums
Produziert von: Thomas Ruf Länge: ca. 138 Min 00 Sek Medium: CD & DVD
CD:
01. Low Down And Dirty07. Make Blues Not War
02. All Night08. In The Open (Instrumental)
03. Do You Wanna?09. Rocket 88
04. Married Man10. The Way Love Was Meant To Be
05. Keep Coming Back11. Life Is A Bitch
06. Wasted Time12. Serious (As A Heart Attack)
DVD:
01. Intro Tom11. In The Open (Instrumental)
02. Low Down And Dirty12. Rocket 88
03. All Night13. The Way Love Was Meant To Be
04. Crossroads Of Life14. Testify (Instrumental)
05. Married Man15. Medley: Bad News Is Coming/Bad Love
06. Bad Penny16. Life Is A Bitch
07. One More Train17. Move From The Hood
08. Keep Coming Back18. Serious (As A Heart Attack)
09. Wasted Time19. Give Me Back My Wig
10. Make Blues Not War

In diesem Jahr ist man mit dem “Nachbericht“ zur BLUES CARAVAN Tour ziemlich frühzeitig dran. Erst vor wenigen Wochen hatten wir die CD/DVD zur 2017er Tour besprochen, da liegt nun bereits der Mitschnitt zum 2018er Event vor.
Wie bereits in meinem Review zum Konzert im Aschaffenburger Colos-Saal geschrieben, war mir die hochkarätige Besetzung und eine deutlichere Hinwendung zum “Blues“ durchaus recht.
Nichts gegen die Künstler vom letzten Jahr, aber letztlich waren da mehr Soul- und Jazz-Anteile vorhanden, während es 2018 wieder mehr gerockt hat.
Dieses Mal begrüßt Thomas Ruf die Gäste im bestens gefüllten Cafe Hahn in Koblenz. Es war der 27. Januar 2018 und das neunte Konzert der diesjährigen BLUES CARAVAN Konzert-Reihe. Thomas Ruf übernimmt Begrüßung und Einleitung wie gewohnt höchstpersönlich und ebenfalls wie gewohnt, sind alle drei Frontleute zunächst gemeinsam auf der Bühne. Die Tour war auch ein Tribut an den großen Luther Allison und da liegt nichts näher, als einen Song aus dessen Repertoire zum Einstieg zu wählen. Mit Low Down And Dirty wird sowohl an den großen Blues-Man erinnert, als auch ordentlich und kernig Schwung in den Abend gebracht. Mike Zito, mit seinem druckvollen Gesang – und mit einem ähnlichem Hemdengeschmack wie Thomas Ruf – und Bernard Allisons Slide sorgen umgehend für wache Blicke und Ohren.

Wie gehabt spielen sich die Protagonisten hier die Bälle (will sagen: Soli) zu und dann gehört die Bühne zunächst der aufstrebenden Kroatin Vanja Sky. Funky und rau kommt All Night. Rau auch ihre Stimme, was sehr gut zu ihrem Gitarrenspiel passt, welches sehr direkt und ohne große Gimmicks kommt, sonderen straight und bluesig ausfällt und, wie in der Slide-Nummer, Crossroads Of Life einen schrägen Ton nicht scheut.
Für das bluesig-balladeske Married Man steht ihr Mike Zito zusammen, dessen geschmackvoller Stil immer eine Bereicherung ist. Nicht umsonst ist er auch als Produzent mittlerweile sehr begehrt. Natürlich krönt Rory Gallaghers Bad Penny ihren Auftritt und bringt ihr den verdienten Applaus.
Mike Zito ist der nächste in der Reihe. “Southern Blues and Texas Rock‘n‘Roll“ annonciert er und sein One More Train bringt auch gleich eine hervorragende Mischung aus beidem. Sein äußerst dynamisches Spiel hält die Spannung immer oben und seine sympathische Art lässt da Publikum gut mitgehen. Das shuffelnde Slide-Stück Keep Coming Back kommt ebenso gut, wie der Studioaufnahme und auch Wasted Time - wir sind tief im Texas-Blues – verfehlt seine Wirkung nicht. Wie ich selbst beim Konzert im Colos-Saal in Aschaffenburg feststellen konnte, sind auch Leute, die den Song vielleicht vorher nicht kannten, hier schnell mit dabei und singen freudig mit. Noch bluesiger wird‘s mit Make Blues Not War, bei dem sich Zito mit dem gewohnt hervorragenden Roger Innis am Bass in der Bühnenmitte musikalisch wundervoll austauscht.

Getauscht wird dann wieder auf der Bühne: Bernard Allison ist der Nächste und ziemlich schnell zeigt sich, dass, wenn man den eigenen Drummer dabei hat, es sich schon auszahlt. Mario Dawson gehört sonst zu Allisons Band und da ist natürlich ein ganz anderes Verständnis bei Songs vorhanden. Wo dieser bei Zito und Sky den Rhythmus hält und – durchaus perfekt – für Drive sorgt, sind nun ganz andere Breaks möglich. Gepaart mit Allisons Bühnenpräsenz folgt so eine weitere Steigerung, obwohl mir Zitos Songs eigentlich besser gefallen.
Bernard dehnt seine Soli gerne länger, gerät hier und da ins Hendrix-Fahrwasser, aber bei straigtheren Rockern, wie Rocket 88 ist auch genug Good-Time-Party-Feeling vorhanden.
Auf jeden Fall eine herausragende Performance von Bernard Allison, der so ziemlich alle Register zieht, mit lauten und leisen Tönen, verschiedenen Effekten und Tempi arbeitet. Nicht nur was für Gitarren-Freaks.
Für das Medley Bad News Is Coming/Bad Love kommt Mike Zito hinzu und dann geht‘s natürlich erst richtig ab, wenn sich die beiden Gitarristen bei diesem Blues gegenseitig anstacheln, regelrecht mit ihren Instrumenten “unterhalten“.
Ab Life Is A Bitch ist auch Vanja Sky wieder mit on Stage. Erneut Luther Allison ist der Urheber dieses Songs, bei dem es wieder funkiger, tanzbarer wird und auch sehr schön zu sehen, wie gut sich die Bernard, Vanja und Zito verstehen. Da wird öfter der Beitrag des Kollegen/der Kollegin mit einem freudigen Lächeln belohnt.
Melancholisch wird‘s naturgemäß, wenn Bernard bei Serious (As A Heart Attack) noch einmal an seinen Daddy erinnert. Entsprechend geht es hier ruhiger und sentimentaler zu. Allerdings folgt am Schluss mit ein weiterer – und mein Lieblings- - Luther Allison-Song: Give Me Back My Wig. Nach einem kurzen, langsamen “Amazing Grace“-Intro brennt denn auch im Cafe Hahn nochmal richtig die Luft, wenn die rasante Slide-Boogie-Nummer durch den Saal zündet. Ich denke zwar nach wie vor, dass Luther‘s Original nicht übertroffen werden kann, doch sein Sohn, Vanja Sky und Mike Zito liefern wahrlich eine würdige Fassung und beenden das Konzert damit – inkl. eines kurzen Bass- sowie Drum-Solos – gebührend und perfekt.
Macht absolut auf die BLUES CARAVAN Tour 2019, die bereits angekündigt ist.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 11.10.2018