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To The Moon And Back
Blackmore's Night
To The Moon And Back, Minstrell Hall Music, 2017
Candice NightVocals
Ritchie BlackmoreGuitars
various Lords, Sirs, Sisters, Ladies, Earls, Troubadours and Bards
Produziert von: Ritchie Blackmore Länge: 108 Min 48 Sek Medium: CD
CD 1
01. Shadow of The Moon08. Ghost Of A Rose
02. Spirit Of the Sea09. Cartouche
03. Renaissence Faire10. Village Lanterne
04. Play Minstrel Play11. The Circle
05. Under A Violent Moon12. 25 Years
06. Spanish Nights13. Dandelion Wine
07. Fires At Midnight14. Home Again (Live)
CD 2:
01. I Surrender08. Possum Goes To Prague
02. Moonlight Shadow09. Durch den Wald zum Bach Haus
03. Somewhere Over The Sea10. Nur eine Minute
04. Writing On The Wall11. Village Dreams
05. Coming Home12. Land Of Hope And Glory
06. Ghost Of John13. Bonus Video
07. Minstrel Hall

Wie lange braucht’s, bis man verzeiht, dass man einst sitzen gelassen worden ist? 20 Jahre? Ich sag mal: kommt auf die Schwere des Vergehens an. Nun, im Falle von Ritchie Blackmore hat das schon ganz schön Gewicht, den als amtlich bestätigter Gitarren-Gott und Inspirator von Legionen von Axtschwingern – außerdem, in nicht unwesentlichem Maße, Förderer der Holzindustrie, ob der kurzen Laufzeit vieler seiner einstigen Gitarren – hat man schon ganz schön viele Kerben neben dem Griffbrett.
Also wie Absolution erteilen, einem, der eins dem rebellischen Rock abschwor und sich mit seiner Muse Minne, Mittelalter und Mainstream zuwand?
Okay, wenn’s denn nun schon 20 Jahre sind und damit wahrscheinlich mehr Jahre, als Blackmore bei DEEP PURPLE und RAINBOW zusammen war, dann sei ihm nebst seine Candice Night ein Jubiläum gegönnt. Auf gleich zwei CD’s geht’s zum Mond und zurück.

Die erste CD birgt eine Auswahl aus Tracks der BLACKMORE’S NIGHT-Alben und mit Shadow Of The Moon startet man mit einem der frühesten und bekanntesten Song. Der Anfang erinnert an das arabisch anmutenden Intro von One Night In Bangkok (wir erinnern uns: Hit von MURRAY HEAD aus der Feder der ABBA-Köpfe Ulveaus und Andersson und, ja, sogar Steve Vai hat davon mal ‘ne Coverversion aufgenommen, aber dem ist ja nix Heilig), ansonsten plätschert es ganz nett dahin. Das könnte man denn auch über einen Großteil der Stücke hier sagen. Miss Candice Night weiß mit ihrer Stimme ganz schön zu verzaubern (wie sie es denn wahrscheinlich auch mit Ritchie gemacht hat), aber großartig Spannung baut sie er selten auf. Der Gemahl erfreut sich an seiner Rolle im Hintergrund und zupft manch schönen Lauf, an dem man sich erfreuen kann, der aber mit dem Ende des Songs auch wieder vergessen ist.
Renaissance Faire beginnt eigentlich ganz vielversprechend, aber mit Einsetzen des Gesangs, wird’s wieder eher beliebig. Ähnlich bei Spanish Night. Das Intro lässt Blackmore’s Fähigkeiten auf der Gitarre aufleuchten, aber dann mischt sich alsbald ein eher störendes Keyboard ein. Schade.
Aus für gewöhnlich gut unterrichteten Roadie-Kreisen wurde mir einst die Geschichte zugetragen, dass die Tour zu Fires At Midnight Roadie-intern unter “Fired at Midnight“ lief. Blackmore’s Schwiegermutter muss da keinen unwesentlichen Anteil daran gehabt haben. Ist deswegen der Song einer der spannenderen hier? Na, liegt sicher auch am Einsatz der E-Gitarre. Klingt wie Musik in meinen Ohren!

Was ist jetzt, waren es doch schon 25 Years? Ah, nee, der Titel stammt ja schon vom 2006er Album ”The Village Lanterne”. Ob der fehlenden Überzuckerung eins der (v)erträglicheren Stücke.
Die erste Scheibe schließt mit der neunminütigen Live-Fassung von Home Again. Angeblich ein Fan-Favorit und ganz offensichtlich herrscht da auch ganz schön Stimmung. In welchem Gemäuer auch immer das gewesen sein mag.
Der zweite Silberling weißt fünf bisher unveröffentlichte Neuversionen, fünf beliebte Instrumentalversionen, zwei Bonus-Tracks und die neue Single Land Of Hope And Glory. Naja, der Einstieg lässt mein Herz schneller schlagen, den die so vertrauten Gitarren-Töne aus RAINBOWs I Surrender erklingen! Statt Joe Lynn Turners Organ tanzt dann allerdings Fräulein Night ins Rampenlicht und geht halt dann die Power des Originals schon verloren. So hätte es wahrscheinlich auch geklungen, wenn Katja Epstein das in Hecks Hitparade präsentiert hätte. Hm, trotzdem ein schöner Song.
Maggie Reilly ist zum Beispiel eine tolle Sängerin. Mike Oldfield wusste schon, warum er die Moonlight Shadow singen lies. Warum BLACKMORE’S NIGHT den aufgenommen haben, weiß vielleicht Herr Blackmore. Oder Frau Night. Oder deren Mutter. Ich nicht.
Ja, ich kann mich mehr an Writing On The Wall erfreuen. Einmal, weil da wieder eine E-Gitarre ins Spiel kommt, und auch weil der zur Stimme von Candice Night besser passt, da sie hier nicht so bemüht elfenhaft klingen will.
Klassisch angehauchte Intermezzi hat Blackmore schon zu PURPLE-Zeiten gern mal eingebaut. Daran kann man sich hier öfter mal bei den Instrumentalstücken erfreuen. Die sind überhaupt nahezu durchgängig der Aufmerksamkeit wert. Das ist meist schon gehobenes Handwerk, was die Spielmänner kredenzen. Auch wenn‘s oft Nur eine Minute dauert.
Die Melodie von Land Of Hope And Glory kommt einem schnell bekannt vor, denn die entstammt dem über hundert Jahre alten Pomp and Circumstance March und ist bei allen möglichen Konzertveranstaltungen mit mehr oder weniger klassischem Bezug zu hören.
Stopft man das Teil in den PC findet sich am Ende ein Bonus-Video: Knapp über zwei Minuten labert Candice sinnbefreit beim Soundcheck vor sich hin, während Ritchie mit sauertöpferischer Miene dahinter umher streicht. Welche Art von “Bonus“ das sein soll, übersteigt meinen Horizont.
Und wo ist jetzt mein Bezug zu dieser Jubiläumscheibe? Ach, komm her, verlorener Sohn, lassen wir’s gut sein. Letztes Jahr warst ja wieder mal als Regenbogen-Rocker unterwegs und ab und an hängst ja noch die E-Gitarre um, schließt dich ein auf’m Klo und … naja, oder so ähnlich. Darauf einen Metwein.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.08.2017