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Holding All The Roses
Blackberry Smoke
Holding All The Roses, Earache/Soulfood, 2015
Richard TurnerBass, Vocals
Paul JacksonGuitar, Vocals
Brandon StillKeyboards
Charlie StarrGuitar, Vocals
Brit TurnerDrums
Produziert von: Brendan O´Brien Länge: 41 Min 08 Sek Medium: CD
01. Let Me Help You (Find The Door)07. Wish In One Hand
02. Holding All The Roses08. Randolph Country Farewell
03. Living In The Song09. Payback's A Bitch
04. Rock And Roll Again10. Lay It All On Me
05. Woman In The Moon11. No Way Back To Eden
06. Too High12. Fire In The Hole

Wiewohl ich beim Album-Vorgänger ”The Whippoorwill doch sehr angetan war, vom Atlanta-Fünfer, wird mir der Hype fast ein wenig zuviel, um BLACKBERRY SMOKE. Dabei können die Typen wohl gar nichts dafür, wo sie doch eigentlich nur mit jedem Auftritt einen weiteren Fan gewinnen wollen. Oder so ähnlich drücken sie sich aus.
Ein neues Rad wollen sie dabei nicht erfinden und tun sie auch nicht. Trotzdem werden sie in Southern Rock-Kreisen recht hoch gehandelt. Nun, wer auf die härtere Schiene, die mindestens bei MOLLY HATCHET ansetzt, steht, wird nicht vor Glück in die Hände klatschen, aber für wen es gern ein größerer Schluck aus der Country-Pulle sein darf, der darf die Absätze schon etwas tiefer in den Boden drücken.
Um es gleich vorwegzusagen: Die Wahl von Brendan O’Brien als Produzent, halt ich für keine gute Idee. Weder AC/DC noch AEROSMITH und auch Springsteen nur bedingt, haben von dessen Mainstream-Geschmack profitiert. So fehlen auch hier die dem Genre so gut tuenden Ecken und die Schippe Dreck, die für … ja, für eben den “Dreck“ sorgen.

Da gerät mir die Ballade Woman In The Moon dann einfach zu seicht und beliebig. Klar, dazu döst man vorzüglich beim letzten Bier weg, aber das mach ich doch lieber vor Erschöpfung, als vor Schlaffheit. Da nützt auch keine BEATLES-Psychedelica.
Nun gut, wollen wir nicht gleich mit dem Tiefpunkt beginnen. Tatsächlich wissen wir, dass es live sehr wohl prächtig zugeht und das nicht nur unten in Georgia.
Und auch Let Me Help You (Find The Door) öffnet die Tür zum Album eigentlich ganz schwungvoll. Die Riffs passen und im Prinzip rockt das schon gut, nur dann, wenn man (ich) den zusätzlichen Arschtritt erwarte, scheut man vor der schonungslosen Power zurück. Glänzt dann lieber mit Mehrstimmigkeit – in Gesang und auch bei den Gitarren.
Oder verliert sich in Spielereien. Wie in dem Titelsong, der furios loslegt und eigentlich ein nettes Wechselspiel zwischen E- und Akustikgitarren präsentiert, welches sich gegenseitig befeuert. Ob sich da unbedingt noch eine Geige zum “menage au troi“ einfinden musste?
Living In The Song erinnert mit seinem rauen Country Rock an Dan Baird, wobei der sicher etwas zupackender und vor allem derber rocken würde. Die Herren sollten sich den mal als Produzenten für ihr nächstes Album überlegen.
Denn auch ein Southern-Boogie wie Rock And Roll Again verpasst es, das Potenzial der Nummer auszuloten und so wird, zum Beispiel, die eigentlich geile Rhythmusgitarre vom Mix zugeschmiert zu Gunsten eines charttauglichen Gesanges. Schade, das wird live sicher und hoffentlich anders klingen.
Womöglich auch nicht so countrylastig, denn Too High ist schon tiefster Redneck-Stoff, denn man sonst eher von Formationen wie, na, sagen wir der MARSHALL TUCKER BAND geboten bekommt.

Schmissiger wird’s dann schon in Wish In One Hand. Yes, Gents, that’s the way i wanna… na, jedenfalls. Geht gut ins Ohr und rockt gut – erinnert mich stellenweise sehr an THE BLUEFIELDS. Geht doch!
Also wäre ihnen das unheimlich, sucht man mit dem instrumentalen Intermezzo Randolph Country Farewell den Weg zurück, verpasst aber die Ausfahrt und landet mit Payback’s A Bitch (sag‘ ich schon immer an der Supermarktkasse) wieder im Roots Rock-Bereich. Kommt ebenfalls gut und hat neben geilen Gitarren auch eine schön lässige Schnoddrigkeit. Gefällt mir.
Lay It All On Me geht auch gut ins Ohr, hängt irgendwo zwischen Hillbilly und Western-Swing und wird dann mit der Zeit doch zu gefällig. Kann man auch irgendwo zwischen Udo Jürgens (R.I.P.) (In diesem ehrenwerten Haus) und Billy Ray Cyrus (..ihr wisst schon) einordnen.
Bei No Way Back To Eden kommen mir die DOOBIE BROTHERS zu Black Water-Zeiten in den Sinn. Da gibt’s nix, auch das hier ist eine feine Swamp-Akustik-Nummer mit tollem Gesang, die ich durchaus zu den besten Songs hier zählen würde. Hätte sogar in die Glanzzeit von SKYNYRD gepasst.
Fire In The Hole kommt zum Schluss auch noch ziemlich druckvoll, auch wenn da im Mix mehr drin gewesen wäre. Wieder ein Schuss Psychedelic, der sich aber gut macht und man erahnt, dass da auch Jam-mäßig was drin sein könnte.
Insgesamt kein übles Album und die Songs sind auch überwiegend recht gut und womöglich macht man damit den Schritt zur Arena-Rock-Band, aber das ist eigentlich nicht das, was BLACKBERRY SMOKE brauchen und ihre Fans auch nicht. Bei so viel zur Schau gestellten Zotteligkeit darf ruhig etwas weniger Mainstream und mehr Down-Home-Cooking präsentiert werden. Wer restlos begeistert ist, sollte auch mal bei den KENTUCKY HEADHUNTERS reinhören.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 31.01.2015