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Bosworth
Sabbath Bloody Sabbath
Black Sabbath
Sabbath Bloody Sabbath, Bosworth, 2011
von: Joel McIver
ISBN: 978-3-86543-668-9
Umfang: 442 Seiten
Preis: 19,95 € zzgl. Versandkosten

Ja, gibtís denn das? Eben dachte ich noch, mit vorliegendem Buch sei endlich das Ende der Fahnenstange erreicht und die Geschichte von BLACK SABBATH ausreichend und umfassend dokumentiert, da kündigen die vier Birminghamer Nasen ihr erstes Studioalbum seit 33 Jahren an! Und unternimmt 2012 auch noch eine Welttournee, die allerdings nur für ein einziges Konzert in Deutschland Station macht. Ja, ja, schon richtig gehört: alles in Originalbesetzung!
Ein Grund mehr, mal nachzulesen, wie das alles so weit kommen konnte. Die Tage werden eh trüber, da nimmt man sich ein gutes Buch und zieht sich auf den Friedhof zurück.
Nur ein kleiner Spaß am Rande, denn außer ein paar baumelnden Kreuzen hatten BLACK SABBATH weder mit Religion noch mit Okkultismus oder gar Satanismus etwas am Hals und Hüte haben sie praktisch nie getragen. Dafür (nicht für die Hüte) sind diese Kerle viel zu einfach gestrickt. Allesamt kommen sie aus einer Arbeitergegend bei Birmingham, wo man einen "Nachttopf unter dem Bett" und "niemals saubere Bettwäsche" (Ozzy Osbourne) hatte. Dafür wusste man, wann der Pub aufmachte und wie man sich in diesem rauen Umfeld durchsetzte.
Mit "Sabbath Bloody Sabbath" kann man den Weg der Band herrlich verfolgen. Hier handelt es sich zwar um eine "Unautorisierte Biografie", was letztlich an der fehlenden Kooperation von Sharon und Ozzy Osbourne liegt, aber die anderen drei Mitglieder waren weitaus auskunftsfreudiger. Zahlreiche weitere Quellen aus der und um die Band sorgen hier trotzdem für ein recht vollständiges Bild ... ääh, Buch.

Und was für ein buntes Bild das ergibt! Es reicht ja nicht, dass es sich hier eh schon um vier ganz spezielle Charaktere handelt, sondern da hat ja fast noch die gesamte britische Hard'N'Heavy-Familie mindestens mal einen Besuch abgestattet. Und meistens hatten die auch ihre eigene nicht gerade einfache Vergangenheit. Aber zunächst geht es um die Gründungsmitglieder, die hier von Kindesbeinen an begleitet und beschrieben werden. Da wird einem bald manches klar und eigentlich hat sich zeitlebens praktisch nix geändert. Der durchgeknallte Frontmann, dem, ganz offensichtlich, permanent ein kleines Männchen im Kopf zuruft: "Let's go fuckin' crazy!". Dann der stoische Tony Iommi, der zwar als Erster kurz ausschied - um einen kleinen Seitensprung bei JETHRO TULL zu begehen - aber dann die Band mit aller Kraft am Leben erhält. Entgegen aller Widrigkeiten und mit welchen Mitgliedern auch immer. Dazu Geezer Butler, der von Beginn an die Texte für Ozzy schreiben musste und anfangs nahezu das Lead-Instrument in der Band spielte und der sich unter Alkoholeinfluss auch schon mal mit einer Statue schlägerte. Und schließlich der labile Bill Ward, der eigentlich mit einem T-Shirt des Hundeprofis Martin Rütter rumlaufen müsste: "Der will nur spielen". Sonst war ihm alles egal, solange sein Freund Ozzy in der Band war. Andernfalls fing er sofort an, sich gnadenlos dem Alkohol hinzugeben.
Und sein Lead-Sänger? Abgesehen davon, dass der bereits in der Schule von Iommi regelmäßig verprügelt wurde, spiegelt sich sein Gemüt wohl am deutlichsten in einem späten Solo-Song wider: I Don't Wanna Change The World ("I don't want the world to change me"). Da haben's wir wieder.

Es gibt - ganz ehrlich - kaum eine Seite in diesem Buch, auf der ich mir nicht irgendwas angestrichen habe. Allein die ganzen Typen, die in der Band gespielt haben. Wer erinnert sich noch an Dave Walker? An Don Airey wahrscheinlich noch mehr, aber dann wieder: David Donato! Na? Da kommen Erinnerungen auf, was? Oder auch nicht, aber dafür ist das Buch ja da. Ron Keel sollte/wollte auch mal Sänger in der Band werden. Ian Gillan wurde es. Desgleichen Glenn Hughes. Jeder für ein oder mehrere Geschichten und Anekdoten gut. Dazu Ozzys Soloband und entsprechende Angehörige davon.Akribisch werden die Mitglieder der Band erfasst und auch entsprechend gewürdigt, wenn nötig. So im Falle von Tony Martin, der sich ja wirklich um die Band verdient gemacht hat.
Material ist hier nahezu endlos vorhanden und alles paar Zeilen schüttelt man ungläubig den Kopf. Natürlich gibtís die obligatorische Diskografie als Abschluss, aber bis dahin hat man ein wirklich unterhaltsames Buch gelesen und mit Sicherheit einige neue Infos daraus gezogen. "1968 - 2011" heißt es im Untertitel. Dass da im nächsten Jahr ein weiteres spannendes Kapitel angefügt werden muss, davon ist man nach dieser Lektüre überzeugt. Viel Spaß bei "Sabbath Happy Sabbath" - um den Buchtitel leicht abzuwandeln.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 19.11.2011