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Live At The Royal Albert Hall
Beth Hart
Live At The Royal Albert Hall, Mascot Label Group, 2018
Beth HartGesang, Gitarre, Bass & Klavier
Jon NicholsGitarre & Gesang
Bob MarinelliBass
Bill RansomSchlagzeug & Percussion
Produziert von: Nigel Dick (Regie) & Jeremy Azis Länge: 122 Min 24 Sek Medium: DVD
01. As Long As I Have A Song14. The Ugliest House On The Block
02. For My Friends15. Spiders In My Bed
03. Lifts You Up16. Take It Easy On Me
04. Close To My Fire17. Leave The Light On
05. Bang Bang Boom Boom18. Mama This One’s For You
06. Good As It Gets19. My California
07. Spirit Of God20. Trouble
08. Baddest Blues21. Love Is A Lie
09. Sister Heroine22. Picture In A Frame
10. Baby Shot Me Down23. Caught Out In The Rain
11. WaterfallsBonus: Behind The Scenes Video
12. Your Heart Is As Black As NightBonus: Beth Hart Interview
13. Saved

Die Royal Albert Hall in London hat schon viele großartige Live-Momente erlebt. Hier entstanden unter anderem das Live-Album "24 Nights" von Eric Clapton, das "Concert For George" (Harrison), Joe Bonamassa ließ hier "Live From The Royal Albert Hall" mitschneiden, STATUS QUO waren für "Down Down & Dignified At The Royal Albert Hall" auf der Bühne, CREAM feierten in der "Royal Albert Hall - London 05" ein kurzzeitiges Wiedersehen, Jon Lord brachte sein für DEEP PURPLE und Orchester konzipiertes “Concerto For Group And Orchestra“ hier zur Aufführung, der Außerirdische "Ziltoid" des DEVIN TOWNSEND PROJECT landete "Live At The Royal Albert Hall", THE WHO waren "Live At The Royal Albert Hall" oder jüngst auch MARILLION, die "All One Tonight - Live At The Royal Albert Hall" dort aufzeichneten. Im Mai war es nun die Amerikanerin Beth Hart, die sich den Traum von einem Auftritt in dem legendären Musik-Tempel erfüllen durfte - und logischerweise rollten nicht nur die Bänder für einen Mitschnitt mit, sondern auch die Kameras waren dabei, um das Ereignis festzuhalten.

Schon direkt der Einstieg ist ein echtes Ereignis: die Halle liegt in Dunkelheit, dann löst sich aus dem Schatten neben der Bühne, die Silhouette von Hart und steigt a Capella mit As Long As I Have A Song in den knapp zweistündigen Set ein. Dabei wandert sie langsam durch die Reihen und schüttelt die Hände ihrer Fans, die nicht glauben können, wie ihnen gerade geschieht. Erst für das folgende For My Friends besteigt sie dann die Bühne und rockt mit ihrer dreiköpfigen Band, bestehend aus Jon Nichols (Gitarre & Gesang), Bob Marinelli (Bass) und Bill Ransom (Schlagzeug & Percussion, los. Für Lifts You Up fordert sie das Publikum dazu auf, sich zu erheben und zu tanzen, Close To My Fire zeigt sie dann von ihrer etwas lasziveren Seite, ebenso wie der Titeltrack von “Bang Bang Boom Boom“. Good As It Gets ändert dann schlagartig die Stimmung des Auftritts hin zu einer Musik-Party, an der die Fans teilnehmen dürfen.

Und Beth Hart ist eine wirklich hervorragende Gastgeberin, die ihr Publikum wirklich auf eine Reise in ihre Musik aber auch in ihre Seele mitnimmt. Denn im Vergleich zu vielen anderen Künstlern trägt die US-Amerikanerin ihre Gefühle offen und ungekünstelt zur Schau, ohne falsche Scheu. Man schaue sich nur einmal die einleitenden Worte zu Liedern wie Baddest Blues, Sister Heroine oder Leave A Light On an und dann sieht man die Liebe und Dankbarkeit, die Hart für ihre Mutter (die an dem Abend in der Halle war), die verstorbene Schwester und ihren Mann empfindet, der sie durch die dunklen Momenten ihres Lebens mit Drogen und Depressionen begleitete und darauf befreite. Das ist so echt, dass es auch auf diesem Mitschnitt fast schon körperlich erfahrbar wird. Und wenn sie ihre Emotionen nicht durch Ansagen transportiert, dann kommen sie durch ihre unvergleichliche Stimme und die emotional aufgeladenen Lieder zum Vorschein.

Man kann den vier Musikern wohl kaum genügend Lob für ihre Leistung zollen, denn sie schaffen es mit ihrer Darbietung, diese riesige Halle gefühlt in einen kleinen, intimen Club zu verwandeln. Man höre nur einmal die wundervolle Version von Your Heart Is As Black As Night, in die man sich am liebsten verkriechen und einwickeln möchte, so fragil und so leidenschaftlich ist sie. Und auch für diesen Mitschnitt gilt, dass Hart & Co. auf der Bühne eine ganz andere Ausstrahlung und Faszination sowie Leidenschaft entwickeln, als ihnen dies aus meiner Sicht bislang im Studio gelungen ist. Und das gilt eben nicht nur für den Gesang, der noch rauer und stellenweise wilder daherkommt, sondern auch für die Musik, die natürlich etwas rockiger und merkwürdigerweise auch tiefer (nicht von der Tonhöhe sondern der Emotionalität her) klingt. Und so bleibt der Hörer nach den rund zwei Stunden und 23 Liedern emotional mitgenommen zurück, denn er hat von dieser Künstlerin so viel mehr bekommen, als man von anderen Musikern gewohnt ist. So fügen Beth Hart und ihre Band den großartigen Aufnahmen aus der Royal Albert Hall mit dieser CD und DVD eine weitere Sternstunde hinzugefügt. Als sich die gesamte Crew vor ihr verbeugt und Hart in den Armen ihres Mannes von der Bühne getragen wird, dankt sie mit ihrem letzten Satz allen Anwesenden: „Wir hatten eine fantastische Zeit zusammen, Mann!“ und dem kann man nur uneingeschränkt beipflichten.

Angesichts der Tatsache, dass man doch erst vor knapp sechs Monaten mit "Front And Center - Live From New York" einen noch sehr aktuellen Live-Mitschnitt auf den Markt gebracht hatte (einen Tatsache, die einem Joe Bonamassa sicherlich von mancher Stelle sehr genüsslich vorgehalten würde), könnte man die Veröffentlichungsstrategie des Labels hinterfragen. Zur Ehrenrettung von Hart und dem Label muss man allerdings auch sagen, dass sich die Überschneidungen mit "Live At The Royal Albert Hall" auf lediglich drei Songs beschränken, nämlich As Long As I Have A Song, Leave The Light On und For My Friends. Beide Mitschnitte transportieren zudem eine ganz unterschiedliche Stimmung, auf der einen Seite der intime Iridium Jazz Club und hier die pompöse Royal Albert Hall. So kann Hart unter Beweis stellen, dass sie in beiden Umgebungen mit ihrer Musik absolut passend wirkt und die richtige Wirkung erzielt. Aber mit “Live At The Royal Albert Hall“ kann keine ihrer bisherigen Live-Veröffentlichungen mithalten.

Marc Langels, (Artikelliste), 27.11.2018