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North
Barclay James Harvest
North, Cherry Red Records, 2013
John LeesElectric & Acoustic Guitars, Vocals
Craig FletcherBass Guitar, Acoustic Guitar, Keyboards, Vocals
Jez SmithKeyboards, Vocals
Kev WhiteheadDrums, Percussion, Vocals
Additional Musicians:
John J LeesCornet on On Top Of Of The World, Flügelhorn on The End Of The Day
Graham "Batts " BatleyCornet on On Top Of The World
Jolyon SteadEuphonium on on On Top Of The World
Bruce JonesTrombone on On Top Of The World
Produziert von: John Lees, Craig Fletcher, Jez Smith & Kev Whithead Länge: 55 Min 24 Sek Medium: CD
01. If You Were Here Now06. On Top Of The World
02. Ancient Waves07. Unreservedly Yours
03. In Wonderland08. North
04. On Leave09. The End Of The Day
05. The Real Deal

Was kann man im Jahre 2013 noch von BARCLAY JAMES HARVEST erwarten? Die Band existiert immerhin seit Mitte der 60er Jahre, hatte ihre kreativste Zeit in den 70ern und erlebte - besonders in Deutschland - in den 80ern einen ungeheueren Boom. Erinnert ein bisschen an Chris De Burgh, nicht? Na ja, so weit entfernt ist das stellenweise nicht, denn auch der Ire hatte in den 70er Jahren ein paar gute Scheiben veröffentlicht, wurde aber erfolgreicher, als der Mainstream-Sound sich in seinem Schaffen durchsetzte. Die Hörerschaft war spätestens ab da recht ähnlich.
Alles lange her und zumindest bei BJH gab es doch ein paar einschneidende Wandlungen. Zeitweise fanden sich in zwei Bands jeweils 50% der einstigen Weggefährten. Sowohl Drummer Mel Pritchard - in jenen Zeiten mit Basser Les Holroyd unterwegs - , als auch Organist Woolly Wolstenholme - dieser entsprechend mit Gitarrist John Lees - sind inzwischen leider verstorben. Zwei Bands existieren trotzdem noch und wer jetzt dem Vermächtnis der einstigen Prog- und Art-Rock Größen dienlicher ist, muss der Fan schon für sich entscheiden.
Die Fraktion um Gitarrist John Lees - und hier muss ich zugegeben, dass mir der von jeher am nähesten stand (und sei es nur wegen der Riffs in Crazy City oder dem Song Polk Street Rag von "Octoberon") - veröffentlicht dieser Tage mit "North" jedenfalls ein Album mit neuem Material, welches durchaus geeignet ist, den Fans aller Phasen eine kleine Freude zu bereiten.

Dabei werden die Freunde der späten Jahre mit If You Were Here Now zunächst glücklicher sein, als die Prog-Abteilung, weil es da schon einigermaßen poppig zugeht, aber geschmackvoll ist es zweifellos gemacht und jeglicher Zuckerguss fehlt. Guter und ausgewogener Sound und einnehmender Gesang vom Bandleader. Klingt nicht wie BJH vor 40 Jahren, aber muss ja vielleicht auch nicht. Paar Streicher weniger hätten's für mich auch getan.
Doch das Album macht sich und schon Ancient Waves vereint progressiv-folkige Klänge mit sehr bekannt tönenden Harmonien. Das hat doch Einiges der klassischen Elemente der Band. Dass da die BEATLES gern mal durchschimmern, kennt man ja bereits von Früher.
Könnte jedenfalls in ähnlicher Form auch auf, na, sagen wir "Everyone Is Everybody Else", zu finden sein. Die knapp über sieben Minuten verweisen ja auch in jene Tage.
In In Wonderland beschäftigt man sich, zu einem jazzigen Fusion-Background, mit dem aktuellen Thema der "social networks" und gibt nicht nur der "Alice" (die "im Wonderland") ein paar gutgemeinte Ratschläge: "Switch the phone off, give it try". Keine Sorgen, man sollte hier bei der Stange bleiben, denn schon allein die Soli sind es wert und es macht immer mehr Spaß, dieser Band zuzuhören. Eine tolle Mixtur, die BJH hier präsentieren - welcher musikalischen Richtung man es auch immer zuordnen mag.
Ja, auch On Leave hat alles, was man immer an BARCLAY JAMES HARVEST geliebt hat. Lees' Stimme ist kaum eine Abnutzung anzuhören und die balladeske Komposition kann mit etlichem aus den 70ern mithalten.

Direkt rockig wird es bei The Real Deal. Verzerrte Gitarrenriffs und relativ schwere Orgelakkorde leiten den Song ein. Das ist deswegen kein DEEP PURPLE, aber die klangen durchaus auch schon langweiliger, als dieses Band bei dieser Nummer. Treibt gut und geht ins Ohr. Anspieltipp!
Zum Abendglockenläuten scheint die Blechabteilung zu Beginn von On Top Of The World zu blasen und es bleibt auch recht hymnisch und bis auf den Gesang, hält sich der Rest der Band raus. Der Song würde auch beim Weihnachtsoratorium nicht negativ auffallen.
Unreservedly Yours hat sicher seinen Pop-Anteil und ist recht eingängig und doch kann man sich gut anhören, ohne dass man überzuckert wird. Ganz klassisch "BARCLAY" wird es im Titelsong. Baut sich richtig schön auf, die Stimme kommt einem gleich total bekannt vor und die melancholische Stimmung ist/war ja fast schon ein Markenzeichen. Der maßgebliche Beitrag von John Lees zum Erfolg der Band wird hier überdeutlich. Das Gitarrensolo ist nicht "übertechnisch", aber hier liefert genau die richtig Töne. Nicht zu soft, nicht zu kantig und gekonnt aufgebaut.
Im finalen The End Of The Day türmen sich die Streicher zum Sprechgesang von John Lees und es klingt mehr nach einem Hörspiel, was in diesem Kontext und wenn man an die 70er denkt, durchaus passend erscheint.
Ich bin im Endeffekt positiv überrascht und denke, man kann "North" nahezu jedem einstigen und gegenwärtigen Fan der Band empfehlen und wer sich mit Popmusik im Stil der späten und leicht melancholischen BEATLES eine Freude macht, der könnte das auch mit diesem Album machen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 02.11.2013