Carousel
Bad Influence
Carousel, Eigenvertrieb, 2009
Val CowellLead and Backing Vocals, Rhythm and Acoustic Guitars, Baby Chimes and stroming out
Richard HayesLead, Slide and Acoustic Guitars, Swine Flu and Exotic Dance Moves
Harry JamesDrums, Percussion, Backing Vocals, Acoustic Guitar and more Hair Loss
Pete Stroud"PS" Fretless Bass, Backing Vocals, Expensive Camera and Chocolate Éclairs
Additional Musical Services:
Roger CottonPiano, Hammond Organ and Comedy Poses
Produziert von: Bad Influence Länge: 58 Min 22 Sek Medium: CD
01. Everything08. Ride With Me
02. I Can't Change09. Don't Walk Away From Me
03. On The Road To Nowhere10. Dirty Blues
04. If You Want My Love11. Life Song
05. Back Where I Belong12. Can't Let Go
06. Carousel Blues13. I Hope
07. Feeling In My Bones

Ist es nicht verrückt, dass diese Band bereits vor 25 Jahren gegründet wurde und sie außerhalb der britischen Inseln trotzdem kaum jemand kennt? Das passiert natürlich zahllosen Bands in ihrem jeweiligen Heimatland, aber die wenigsten haben eine solche Klasse!
BAD INFLUENCE profitieren in erster Linie von der herausragenden Stimme von Sängerin Val Cowell und der erdigen Gitarre von Richard Hayes. Sowie den Songs, die sie schreiben. Die sind zwar bodenständiges Handwerk, aber praktisch immer mit der richtigen Mischung zwischen bluesiger Rauheit und rockigen Ohrwurmqualitäten - so wie es bei den großen Bands eigentlich auch der Fall ist.
An der weiteren Besetzung der Band hat sich immer wieder mal etwas geändert, aber mit dem Ex-THUNDER Drummer Harry James sitzt doch schon seit Jahren ein Garant für treibenden Rhythmus an der Schießbude und mit Pete Stroud steht ihm ein nicht minder erfahrener und kompetenter Bass-Mann.
Schon das Vorgängeralbum "Closer" hat mir damals richtig gut gefallen und mit den Jahren sogar noch mehr. In der Tat lief das in meinem diesjährigen Urlaub nahezu ständig auf meinem Player. Wirklich ein Klasse-Album!
Mal sehen, inwieweit der Nachfolger da mithalten kann.

Die eröffnenden Akkorde zu Everything sind gleich nach meinem Geschmack und wenn Val Cowells Gesang hinzukommt ist das bereits die halbe Miete. Hat so einen leicht schiebenden Country Rock-Touch, wie er mir bei Mary McBride so gefällt. Auch Vals Stimme ist sehr nahe an Mary dran.
Grundsätzlich erinnert mich der Sound immer sehr an die 70er Jahre und da passt es bestens dazu, dass I Can't Change mich sehr an FLEETWOOD MAC zu Buckingham-Zeiten denken lässt. Tolle Stimme, toller Refrain und ein Song der so richtig einlädt, über den Highway zu cruisen.
Auf die Dauer wäre das natürlich zu beliebig und so geht der Highway plötzlich bergab für einen tollen Upbeat-Boogie und die Nachricht, dass wir On The Road Nowhere sind. Da kommt auch Cowells tolle Stimme richtig in Fahrt und Partner Richard Hayes streut ein paar flinke Slide-Licks ein, die zum Teil sogar an den Meister Sonny Landreth erinnern.
Und auch If You Want My Love kommt richtig gut. Es wird rauer und härter und hier erscheint mir als Querverweis zu Rob Tognoni nicht völlig unangebracht. Let's boogie!
Zweifellos macht es aber auch höllisch Spaß, wenn sich die Musik etwas zurückhält und die Stimme Val Cowells den Song fast allein trägt, wie in Back Where I Belong. Auch hier eine gewisse Ähnlichkeit zu manchem FM-Song.

Dem Texas-Boogie-Blues von ZZ TOP rücken BAD INFLUENCE mit dem Titelsong auf den Bart. Schiebt schön, geht gut ins Ohr und macht einfach gute Laune. So, wie sich das gehört. Und immer hat die Band noch eine Idee, wie man den jeweiligen Song noch eine Spur interessanter machen kann. Echt toll.
Und wenn es dann zu einer Mid-Tempo-Ballade, wie Feeling In My Bones, kommt, dann wiegt man sich beschwingt zu diesem Song, als hätte man ihn schon zahllose Male im Radio gehört. Was eigentlich auch angebracht wäre!
Ride With Me lädt zur Midtempo-Mitfahrt im Pop-Rock-Schlitten ein und macht klar "The future looks brighter when we're together". Wer wollte dem widersprechen?
Und natürlich kommen Balladen, bei so einer Ausnahmestimme, besonders gut. Da muss man nur mal bei Don't Walk Away From Me reinhören. Ich weiß auch nicht, was es ist, das mich diesen Stimmen so anzieht. Diese dunkel Tiefe, die sie in sich bergen? Ach, ist aber eigentlich auch egal - man muss nicht alles analysieren. Das klingt hier einfach gut und macht Spaß. Ob Vals Stimme, Hayes' Slide-Gitarre, der einfache aber prägnante Rhythmus oder das Orgelspiel von Gast Roger Cotton.
Das Schlagzeug-Intro von Dirty Blues könnte vom Pub Rock-Klassiker Milk & Alcohol stammen, während Life Song mehr die melancholische Seite des Hörers anspricht. Erneut bin ich von dieser Stimme gefangen und das ändert sich auch bei den restlichen beiden Songs nicht.
Nach den ersten Malen Hören hat "Carousel" nicht ganz die Klasse von "Closer", aber ich bin mir sicher, dass mit der Zeit auch hier noch einiges sich offenbart und das Album zu einem Dauerbrenner im Laufwerk wird. Ich mach mich jetzt jedenfalls auf die Suche nach den älteren Alben von BAD INFLUENCE. Falsch kann man da nicht liegen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 06.08.2011