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Anyone's Daughter
Anyone's Daughter
Anyone's Daughter, Tempus Fugit, 2012/2015
Harald BarethVocals & Bass
Uwe KarpaGuitar
Matthias UlmerKeyboards
Kono KonopikDrums
Produziert von: Petrus Wippel Länge: 52 Min 23 Sek Medium: CD/LP
01. Swedish Nights07. Another Day Liek Superman
02. Thursday08. Azimuth
03. Sundance Of The Haute Provence09. Between The Rooms
04. Moria10. Bonus Track: Superman (live in Frankenbach)
05. Enlightment11. Bonus Track: Between The Rooms (live in Bad Boll)
06. Superman12. Bonus Track: Sundance Of The Haute Provence (live in Bad Boll)

Es klingt wie ein Märchen aus einer besseren, längst vergangenen Zeit und doch hat es sich genauso zugetragen: Vier Jungspunde werden kurz nach ihrem Abitur von einer Schülerband zu Berufsmusikern, touren endlos in jedem noch so kleinen Kaff im süddeutschen Raum und werden, da sie sogar im Radio gespielt werden, so etwas wie local heroes, zumindest was Baden-Württemberg anbelangt. Man stelle sich das einmal vor: Moria war tatsächlich ein Hit (!) auf dem Sender SDR (damals Süddeutscher Rundfunk, dann mit dem Südwestrundfunk zum heutigen SWR fusioniert) – ein Song einer Band, die Progressive Rock (!!) auf ihre Fahnen geschrieben hat und dazu ein Song mit einem ausladenden Keyboardsolo (!!!). Heute nahezu undenkbar. Aber wie gesagt, so war das damals mit ANYONE’S DAUGHTER.

Ihre große, gewissermaßen “klassische“ Phase hatte die in Stuttgart ins Leben gerufene Band ironischerweise, als die Siebziger und damit der Prog ausliefen bzw. schon vorbei waren. Von 1979 bis 1984 warfen ANYONE’S DAUGHTER fünf Studioalben auf den Markt, die damals für Aufsehen sorgten, obwohl sich die Zeiten wandelten und das musikalische Deutschland nach und nach in die Fänge von TRIO, NENA, Hubert Kah und UKW, sprich der “Neuen Deutschen Welle“ geriet. Auch außerhalb der deutschen Grenzen waren die Rockjahre vorbei, Prog Rocker galten als Dinosaurier, Punk und New Wave hatten längst die Oberhand gewonnen. Und plötzlich waren da diese vier jungen Musiker um Matthias Ulmer und Uwe Karpa, die melodischen Prog mit gefühlvollen Soli spielten, dabei auch durchaus nicht Annäherungen zu eingängigen Zeilen verabscheuten. Dem Debütalbum “Adonis“ folgte 1980 der selbst betitelte Zweitling, der nun (endlich!) in remasterter Form mit drei Bonustracks vorliegt.

Auch hier offenbart sich das Händchen der Band für eine Mischung aus Pop und Prog (heute würde man vielleicht Art Pop sagen), so bei Swedish Nights, Sundance Of The Haute Provence und natürlich Moria. Die Songs sind eher kompakt gehalten (mit Ausnahme von Another Day Like Superman), wirken aber authentisch mit ihrer gefühlvollen Ausrichtung, die manchmal dank jugendlichem Überschwang auch etwas ins Naive abgleitet, was das Ganze aber durchaus sympathisch hält. Als Ergänzung zum Originalalbum gibt es hier drei Livemitschnitte, die demonstrieren, dass die Band es verstand, auf der Bühne ihre Zuhörer mitzunehmen und ihre Emotionen auch live auszudrücken vermochten. Für den Fan ohnehin unverzichtbar, ist diese Neuauflage ein hörenswertes, da irgendwie auch zeitloses Tondokument einer bemerkenswerten Band.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 04.12.2012


Update: Am 20.3.2015 erscheint das Album erstmalig wieder als limitierte Vinyl-LP auf audiophilem 180 Gramm Vinyl im Klappcover inkl. beigefügtem Textblatt. Die Stückzahl ist auf 500 Exemplare begrenzt, davon jeweils die Hälfte in gelbem und in schwarzem Vinyl.

Auch wenn man die Vorteile einer guten CD sicherlich heute nicht mehr missen möchte, ist das Auflegen einer Langspielplatte damit kaum zu vergleichen sondern eher eine Art Zeremonie, ein sinnliches Erlebnis.
Allein das schöne Klappcover aus stabilem Karton in den Händen zu halten und das Roger Dean nachempfundene Frontcover zu begutachten kann ein kleines CD-Booklet niemals ersetzen. Vorsichtig wird die schwarze Scheibe aus der Schutzhülle entnommen, dabei nur mit der Daumenkuppe am Rand und der Mittelfingerkuppe am Innenloch berührt und dann elegant auf die Antistatikauflage des Plattentellers gelegt.
Mit speziellen Kohlefaserbürsten wird kurz die Nadel als auch die Schwarzrille von etwaigen Staubkörnchen befreit und dann die Nadel manuell oder per Automatik in die Anlaufrille platziert, welches ein vertrautes Geräusch erzeugt.

Da die Platte nagelneu ist, gibt es auch kein Knistern oder Rauschen und das Hörerlebnis ist vom Allerfeinsten. Das 2015er Vinyl-Mastering orientiert sich laut Info gefühlvoll an dem Original von 1980 und steht der remasterten CD sicherlich in nichts nach, im Gegenteil.
Vinyl Puristen schwärmen ja häufig von einem sog. "warmen Sound" während die CD eher "klinisch" klingen soll. Moderne Releases dürften sich hier wohl eher annähern, aber wirklich erleben kann man dies nur selbst. Also die alte Drehscheibe aus dem Keller entstauben und hinein ins Vergnügen.
Das Album enthält die neun Originaltracks ohne die Bonus-Tracks der CD, jeweils Track 1-5 auf Seite 1 und 6-9 auf Seite 2.

Ralf Frank, (Artikelliste), 19.03.2015