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Juggernaut Of Justice
Anvil
Juggernaut Of Justice, Steamhammer/SPV, 2011
Steve "Lips" KudlowVocals, Guitar
Robb ReinerDrums
Glenn "Five" GyorffyBass
Produziert von: Bob Marlette Länge: 45 Min 03 Sek Medium: CD
01. Juggernaut Of Justice07. The Ride
02. When All Hell Breaks Loose08. Not Afraid
03. New Orleans Voodoo09. Conspiracy
04. On Fire10. Running
05. Fukeneh!11. Paranormal
06. Turn It Up12. Swing Thing

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Es sieht so aus, als könnten sich Steve “Lips“ Kudlow und Robb Reiner, die beiden, seit Jahrzehnten eng miteinander befreundeten Kanadier, mit ihrem (ursprünglich als Quartett unter dem Namen LIPS gegründeten, dann umgetauften und immer wieder umbesetzten) Herzensprojekt ANVIL endlich, zumindest einen Teil, der ihnen gebührenden Anerkennung holen. Der 2008 produzierte, zu Recht mehrfach ausgezeichnete, sehr empfehlenswerte Dokumentarfilm “ANVIL! - The Story Of ANVIL” (Name der deutschen Fassung “ANVIL - Die Geschichte einer Freundschaft“) brachte das Kultduo einer größeren Öffentlichkeit nahe (übrigens erschien 2009 auch das Buch zum Film mit identischem Titel). Die Nordamerikaner werden von ihren Fans als sich selbst aufopfernde, ehrliche, bodenständige und ohne Grenzen leidenschaftliche Verfechter der Musikrichtung, aber auch der Lebenseinstellung Heavy Metal, wahrgenommen und verehrt. Zu Stars taugen diese Burschen wohl schon alleine aufgrund dieser, ihnen zugeschriebenen, Eigenschaften, nicht. Das hinderte sie aber bis jetzt nicht daran, Inspirationsquelle für andere Musiker zu sein. Immerhin gelten ANVIL mit ihren beiden Alben “Metal On Metal“ (1982) und “Forged In Fire“ (1983) als Impulsgeber des Speed Metal. Außerdem beeinflussten sie, inzwischen bzw. zeitweise wesentlich erfolgreichere und angesagtere Bands, wie zum Beispiel METALLICA, ANTHRAX und GUNS N’ ROSES.
Mitte dieses Monats knallte die Schicksalsgemeinschaft der versammelten Metalgemeinde ihr neuestes, in Zusammenarbeit mit Steamhammer/SPV entstandenes, Studioalbum “Juggernaut Of Justice“ vor den Latz.

Und was soll ich sagen? ANVIL enttäuschen garantiert niemanden, der sich in das Dutzend hochkarätiger Tracks stürzt. “Juggernaut Of Justice“ bietet an allererster Stelle, wie nicht anders zu erwarten, puren, mit Speed Metal gekreuzten, Heavy Metal. Zur Anreicherung der Stimmungsbandbreite wird es im Verlauf von New Orleans Voodoo düster, während Paranormal doomig zäh und finster klingt und Swing Thing, wer hätte das wohl erwartet, mit Jazz kokettiert. Die Nummern gehen, egal welcher Ausrichtung sie zuzuordnen sind, voll unter die Haut. Man spürt förmlich, mit welchem Höchstmaß an Enthusiasmus und Erfahrung, Ludlow, Reiner und Gyorffy bei den Aufnahmen im Studio von Dave Grohl (NIRVANA, FOO FIGHTERS), unter Bob Marlette’s (Ozzy Osbourne, Marilyn Manson) Produzentenägide, zu Werke gegangen sind.
Auch das Songwriting überzeugt, denn die Kompositionen kommen, trotz der gelegentlichen Hinwendung zu ungewohnten Genres bzw. Subgenres, ohne Umwege geradeaus auf den Punkt. Sie treffen genau zwischen die Augen und packen sofort zu. Die Texte sind nicht übermäßig anspruchsvoll, dafür aber verständlich und direkt.

ANVIL sind auch nach der langen, beileibe nicht nur rosigen, Zeit, die sie entgegen allen Widerständen und Ernüchterungen bis heute im Rockzirkus zugebracht haben, längst noch nicht am Ende ihrer musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten angekommen. Ganz im Gegenteil, denn sie kennen ja, wie sie mit ihrem neuen Output beweisen, selbst mit für ihr Wirken sonst völlig untypischen Stilen keine Berührungsängste.
Bleibt zu hoffen, dass “Juggernaut Of Justice“ regen Anklang findet und sich gut verkauft, so dass noch mehr Platten und Tourneen von Kudlow/Reiner erwartet werden können. Diese ganz besonderen Charaktere und unangepassten Rock’n’Roller hätten es nun wahrlich mehr als verdient, doch noch die Früchte ihrer harten und langwierigen Arbeit ernten zu dürfen. Der Vertrag mit Steamhammer/SPV scheint ihnen jedenfalls gehörigen Schwung für die Zukunft verliehen zu haben. Keine Frage, da will es jemand noch mal wissen. Und das ist verdammt gut so.

“Lips“ und Co. unternehmen im Juni und im Juli in Kontinentaleuropa und auf den Britischen Inseln eine ausgedehnte Gastspielreise zwecks Promotion ihres aktuellen Langeisens. Die Daten und Orte erfahrt ihr in unserer Nachrichtenrubrik “On Tour“. Wenn möglich, hingehen!

“Juggernaut Of Justice“ ist, neben der hier besprochenen, normalen CD im Jewel Case, auch als limitierter Digipak mit zwei zusätzlichen Tracks und als Doppellangspielplatte aus blauem Vinyl im Klappcover erschienen.

Michael Koenig, (Artikelliste), 19.06.2011

Kann ein Film eine Rock-Gruppe retten? Im Falle von ANVIL könnte genau dies geschehen sein. Denn vor der Veröffentlichung der Dokumentation "ANVIL! - Die Geschichte einer Freundschaft" waren die Kanadier eher Metal-Insidern bekannt (und das obwohl ihre Frühwerke wie "Metal On Metal" und "Forged In Fire" Stil-prägend für das sind, was wir heute als Speed und Thrash Metal kennen). Aber dieser Film zeigte zum einen, wen Robb Reiner und Steve Kudlow mit ihrer Musik alles beeinflusst haben (unter anderem METALLICA, SLAYER, MEGADETH aber auch GUNS'N'ROSES) aber auch, mit wie viel Enthusiasmus die Beiden auch nach Jahrzehnten ohne nennenswerte Erfolge noch an ihrer Musik festhalten.

Plötzlich standen ANVIL im Mittelpunkt des Interesses und nun schieben sie ein Album wie "Juggernaut Of Justice" nach, das so typisch 80er-Jahre-Metal ist, wie es nur irgendwie geht. Harte, aber stets eingängige Riffs, eine treibende Rhythmus-Fraktion. Dazu die unnachahmlichen Vocals von "Lips" Kudlow, der sicher kein Ronnie James Dio - aber eben doch ziemlich unverkennbar - ist. Die Gesangsmelodien sind dabei überwiegend als hymnisch zu beschreiben und passen auf die klassischen Metal-Songs wie die Faust aufs Auge.

Und dieses Mal passt auch die Produktion. Dank der Unterstützung von FOO FIGHTERS-Boss Dave Grohl konnte die Band nicht nur ohne großen zeitlichen Druck in dessen Studio arbeiten und hatte zudem mit Bob Marlette (früher Alice Cooper, Ozzy Osbourne) einen bekannten Produzenten an ihrer Seite. Und dank dieser Sicherheit wagen ANVIL auch kleine Experimente. Auf Paranormal wagen sie sich in doomige Gefilde vor und beim abschließenden Instrumental-Stück Swing Thing kommen sogar Bläser zum Einsatz und der Metal fängt an zu swingen. Leider hat das Album aber auch wieder eine Schwäche: ein richtiger Kracher, ein Hit, der alles umpustet, fehlt erneut.

Das was MOTÖRHEAD für den Rock'n'Roll sind, sind ANVIL für den Metal, nur mit deutlich weniger Erfolg. Sie sind eine Band, die sich nicht verändern soll, da sie mit ihren Idealen den proto-typischen Heavy Metal in seiner reinsten Form am Leben erhält. Ob das nun aber zum großen Durchbruch verhilft bleibt abzuwarten, aber so gut war die Ausgangslage noch nie: die Augen der Metal-Welt schauen auf ANVIL und die haben ein gutes Album am Start, vielleicht klappt es ja doch.

Marc Langels, (Artikelliste), 28.06.2011

1981 waren Metalharry und ich mal wieder in London und durchstöberten die einschlägigen Klubs und Plattenläden nach unbekanntem Metalfutter und irgendwer gab uns den Tipp mit ANVIL. In einem Record & Tape Exchange konnte ich dann eines der wenigen Exemplare von "Hard'N'Heavy" ergattern, anhören konnte ich die Scheibe aber erst wieder zu Hause.
Damals gab es keinen Informationsfluss wie heute, unbekannte Platten wurden z. T. nur nach Cover, Fotos und vor allem den Credits ausgewählt. Credits gabs bei "Hard'N'Heavy" keine, aber der Rest war stimmig. Zu Hause wurden wir dann belohnt, zwar waren ANVIL noch weit von ihrem heutigen Image entfernt und erinnerten zum Teil eher an ihre Landsleute APRIL WINE bzw. (schon nahe dem Plagiat) an TED NUGENT (Bondage), aber das war ja kein Manko, im Gegenteil.
Der Kracher Bedroom Game allein war jedenfalls die Scheibe wert und ließ erahnen, was dann mit “Metal On Metal“ und “Forged In Fire“ auf die Gemeinde zurollte. Auf jeden Fall konnte ich lange vor dem offiziellen Import bzw. deutschen VÖ bei den Kumpels und auf Konzerten mit meinem Schatz glänzen, so war das damals eben: "Mein Haus, mein Pferd, meine ANVIL".

Nach “Forged In Fire“ verschwanden ANVIL urplötzlich in der Versenkung und tauchten erst 1987 mit "Strength Of Steel" wieder auf, zu dem Zeitpunkt waren sie aber längst aus dem Radar der Fans verschwunden und die Bands, die von den frühen ANVIL inspiriert gewesen waren, wie etwa SLAYER, MEGADETH oder METALLICA, dominierten den US-Speed/Thrash-Metal, ANVIL hatte sich als lebende Legende selbst überlebt.
Durch den Dokumentarfilm "The Story Of ANVIL" wurden sie urplötzlich wieder ins Rampenlicht gerückt, die grassierende Retro-Metal-Welle tat ihr Übriges und die Band, mittlerweile zum Trio geschrumpft und mit nur noch zwei Urmitgliedern, wagt einen neuen Anlauf.
Wer wagt gewinnt und die Stimmung ist günstig wie nie, das neue Album “Juggernaut Of Justice“ schlägt genau in die richtige Kerbe, Old School Heavy Metal mit der nötigen Prise Power und Speed, dass es den Altmetallern in Nacken und Fingern juckt, zur Luftgitarre zu greifen und zu bangen, als wäre wieder 1981. Manchem Fan könnte das Album allerdings etwas zu gemächlich daherkommen und wer mag schon Bläser. Den ein oder anderen Kracher im Stile von Running hätte es schon noch sein dürfen.
Eine ausgedehnte Promotour, u. a. mit den DIO DISCIPLES und den alten Kameraden THE RODS, könnte das verdiente Comeback beflügeln, es wäre den sympathischen Urgesteinen zu gönnen.

Ralf Frank, (Artikelliste), 28.06.2011

Ich war nie der große ANVIL-Fan und der Hype, der um die Band in der jüngeren Vergangenheit auf den Film folgte, ist mir mehr als suspekt. Oder kurz und knackig: Das kanadische Trio wird aus meiner Sicht maßlos überbewertet.

Das soll aber nicht die Leistung des Jahres 2011 schmälern, denn "Juggernaut Of Justice" ist ein richtig feines Old School Metal-Album, das den Hörer sofort in seinen Bann schlägt.

Da geraten When Hell Breaks Lose oder Turn It Up zur beeindruckenden Demonstration, dass man sich immer noch an "Kill 'em All" orientieren kann ohne altbacken zu klingen. On Fire ist die schallende Ohrfeige für die Bay Area, die belegt, dass sich Thrash und eine geile Melodieführung nicht ausschließen. Vom schnellen, aggressiven Titelsong bis zum groovigen New Orleans Voodoo bieten Lips und Co. nicht nur eine große Stilvielfalt, sondern - für mich etwas überraschend - erstaunlich versiertes Songwriting.

Martin Schneider, (Artikelliste), 02.07.2011