All-Time Favorites
Andreas Arlt
All-Time Favorites, CrossCut Records, 2011
Andreas ArltGuitars
Frank "Pepe" PetersVocals
Andreas SobczykPiano & Organ
Dani GugolzUpright & Electric Bass
Tom MüllerTenor & Baritone Sax
Martin GrünzwergTrombone
Stefan GössingerTrumpet
Peter MüllerDrums
Produziert von: Andreas Arlt Länge: 53 Min 41 Sek Medium: CD
01. Street Walkin' Woman09. It's You I Love
02. It Hurts To Love Someone10. I Want A Woman
03. High-Low11. Shotgun Wedding
04. I Wonder Why (Will My Woman Be Home Tonight)12. Let's Start A Romance
05. Shooty Booty13. In The Evening (When The Sun Goes Down)
06. You've Got Bad Intentions14. Hoy Hoy
07. I Was Wrong I Played With Love15. Sno-Cone Part II
08. She's The One

Man kann sich ganz leicht einen schönen Nachmittag - oder Abend - machen, indem man sich das Booklet von Andreas Artls erstem Soloalbum greift und darin schmökert. Nicht dass es so umfangreich wäre, aber es bietet so viele Anregungen und ganz nebenbei springt man mittels Fernbedienung munter zwischen seinen "All-Time Favorites" hin und her.
Diese Favoriten sind nicht die "üblichen Verdächtigen", sondern eben schon sehr ausgesuchte Spezialitäten und Andreas Arlt liefert, wie gesagt, zu jedem Song noch ein paar genauere (Quellen-) Angaben und Querverweise. Für die Gitarristen ist auch noch die jeweilige Gitarre vermerkt, mit der der Song hier eingespielt wurde.
Die Blues-Fachleute kennen Andreas Arlt natürlich seit Jahrzehnten als Gitarrist und Mitbegründer von B.B. & THE BLUES SHACKS. In dieser Rolle hat er auch international schon reichlich Lob einheimsen können und sein erstes Solo-Album bezeichnet er als " ... eine Würdigung meiner persönlichen Helden in neuem Gewand."
Dieses Gewand orientiert sich natürlich schon etwas am BLUES SHACKS-Fahrwasser, was bedeutet, hier wird nicht mit der dicken Keule draufgehauen, sondern schon etwas feinfühliger gewirkt.

Dass so etwas auch Laune machen kann, beweist er mit diesem Album. Er spielt sich auch nicht - wie man vielleicht erwarten könnte - mit ellenlangen Soli in den Vordergrund, sondern setzt ganz bewusst und gekonnt seine Akzente. Einen seiner größten Einflüsse, T-Bone Walker, zitiert er bereits im ersten Song und lässt dabei trotzdem jede Menge Raum für seine Mitmusiker, wovon vor allem die Bläser einen großen Anteil haben.
Schön, beschwingt, mit einigem an Soul- und Jazz-Zutaten geht es durch dieses Album. Dazu passt die Stimme von Frank "Pepe" Peters, die zwischen dezentem Blues-Growl und feinschmirgelndem Crooner pendelt.
Der Sound und die Ausgewogenheit des Zusammenspiels seien besonders hervorgehoben. Das klingt stimmig und trotz aller nostalgischen Sounds und Spielweisen, hat das hier nichts von "angestaubt" oder "altbacken", sondern hört sich richtig gut und volltönend an.
Wie er im Booklet schreibt, ist High Low (eines von zwei Instrumentals auf dieser Scheibe) genau der Stoff, den Bands wie ROOMFUL OF BLUES so lieben und bestens zu präsentieren pflegen und auch die hier tätige Truppe weiß aus Reuben Philips Original eine schmissige und mitreißende Nummer zu machen. Macht richtig Spaß, wie sich die Solisten die Bälle zuwerfen.

Wüsste man es nicht, es würde keiner auf die Idee kommen, dass es sich hier um ein "Gitarristen-Album" handelt. Trotzdem - oder gerade deswegen? - macht es einfach Spaß hier locker mitzugrooven, mit den Fingern zu schnippen, oder die Gitarre hervorzuholen und sich an ein paar der feinen Licks und Rhythmen von Andreas Arlt zu versuchen. Das tolle, unprätentiöse und klare Spiel verlocken direkt dazu, auch wenn es nicht leicht sein wird, dieses Feeling und diese Klasse so ohne weiteres zu reproduzieren.
Am deutlichsten spiegelt sich diese Klasse vielleicht in den langsamen Stücken, wie I Was Wrong! I Played With Love und In The Evening (When The Sun Goes Down), da man dort dem subtilen Gitarren-Spiel am besten lauschen kann.
Mir liegen trotzdem die schnelleren Songs mehr. Da geht es bei Hoy Hoy im flotten Swing-Stil richtig gut ab, im rockigen Boogie ist man sofort dabei und wer für die Hochzeit einen flotten Blues braucht, der wird mit Shotgun Wedding bestens versorgt.
Wer nicht gerade auf den brachialen Power-Blues steht, aber für Blues doch eingenommen ist, der sollte hier ruhig mal reinhören. Manch eigener Favorit könne sich aus "All-Time Favorites" entwickeln.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 11.09.2011