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Alpha Tiger
Alpha Tiger
Alpha Tiger, SPV, 2017
Benjamin JainoGesang
Peter LangforthGitarre & Gesang
Alexander BackaschGitarre
Dirk FreiBass
David SchleifSchlagzeug
Gastmusiker
Johannes WalentaHammond Orgel & Synthesizer
Christian PetersMoog
Lisa HäfnerGesang
Produziert von: Richard Behrens Länge: 53 Min 43 Sek Medium: CD
01. Road To Vega07. Vice
02. Comatose08. Welcome To Devil's Town
03. Feather In The Wind09. My Dear Old Friend
04. Singularity10. If The Sun Refused To Shine
05. Aurora11. The Last Encore
06. To Wear A Crown

Die Sachsen ALPHA TIGER gehören im deutschen Heavy Metal zu den großen Hoffnungsträgern neben etwa ATLANTEN KODEX. Ihre ersten drei Alben bescherten der Band aus Freiberg einen exzellenten Ruf und gefielen insbesondere auch Fans von etwa den frühen FATES WARNING mit Sänger John Arch. Insbesondere das Debüt “Man Or Machine“ war in dieser Hinsicht ein wahrer Traum. Das folgende “Beneath The Surface“ war dann etwas straighter ausgefallen, wusste aber trotzdem oder gerade deswegen zu überzeugen. Mit dem dritten Werk “iDentity“ hätte eigentlich der große Durchbruch kommen können, aber kurz nach dem Release verließ Sänger Stephan Dietrich die Band, was dazu führte, dass die Band das erneut phantastische Werk nicht live bewerben konnte, sondern sich stattdessen auf die Suche nach einem neuen Frontmann begeben musste, den man schließlich in Benjamin Jaino fand.

Dieser liefert auf dem schlicht “Alpha Tiger“ betitelten neuen Werk seinen Einstand. Aber er ist nicht die einzige Neuerung. Denn die Band nahm den Wechsel auf der so eminent wichtigen Sänger-Position zum Anlass, um auch ihren Band-Sound einer General-Überholung zu unterziehen. Das ist natürlich eine Vorstellung, die insbesondere den Fans der ersten Stunde den Angstschweiß ins Gesicht treiben wird. Und ja, die ALPHA TIGER von heute klingen nach einer ganz anderen Band als bisher. Wenn es denn noch klangliche Querverweise auf eine Band wie FATES WARNING gibt, dann eher auf die gegenwärtige Besetzung und aktuelle Werke wie “Theory Of Flight“. Das ist ja nun wahrlich keine schlechte Referenz, wird aber nicht jedem gefallen – das sollte aber mal von vorne herein klar sein.

Photo-Credit: zur Verfügung gestellt von Oktober Promotion

Das hängt natürlich auch mit der anderen Stimme des neuen Sängers zusammen. Jaino erreicht nicht ganz die Höhen, in die Dietrich mit seinem Organ vordringen konnte. Dafür bringt er eine Wärme mit, die sein Vorgänger nicht hatte. Das spiegelt sich nun auch in dem etwas tieferen Gitarren-Sound und den verstärkten Einsätzen von Hammond- und Moog-Sounds auf dem neuen Album wieder. Diese harmonieren sehr gut mit Jainos Stimme. Man höre dazu nur mal den Track Feather In The Wind, hier wird zum ersten Mal der verstärkte Einfluss von klassischer Rock-Musik der 60er- und 70er-Jahre deutlich, der sich aber durch das gesamte Album zieht. Am deutlichsten mag er bei den Keyboard-Sounds sein, aber auch Jaino lässt in seinem Vortrag manches Mal fast schon soulige Momente einfließen (etwa in dem herrlichen Aurora).

Das Song-Material auf “Alpha Tiger“ zeichnet sich denn auch durch eine extrem große Bandbreite aus. Der Band gelingt es sogar in dem Song Welcome To Devil’s Town Mariachi-Elemente einfließen zu lassen, ohne dabei forciert oder gekünstelt zu wirken. Der Metal macht hier vielleicht an mancher Stelle eher dem Rock Platz und in den anderen Momenten ist er eher nicht mehr ganz so „klassisch“ und „progressiv“ wie zuvor, durch den deutlich Bass-lastigeren Sound klingt das Werk sogar eher nach Modern Metal - aber wer sich auf die Scheibe einlässt, der wird hier eine Fülle an interessanten Strukturen, Riffs und Melodien finden, die eben nicht „typisch“ sind, sondern durchaus den Anspruch eines progressiven Ansatzes erfüllen.

ALPHA TIGER werden es mit ihrem neuen Werk nicht gerade leicht haben, so viel steht sicherlich fest. Das war schon nach dem Sängerwechsel eigentlich klar. Aber verbunden mit einem neuen Band-Sound könnte das einige Fans wirklich ein bisschen zu viel Veränderung auf einmal sein. Und ob die Sachsen mit ihrem neuen Klang im Gegenzug so viele neue Anhänger hinzugewinnen können, das muss erst noch abgewartet werden. Aber an der Qualität von “Alpha Tiger“ wird das nicht liegen. Denn alleine nach diesem Kriterium bewertet, ist das neueste Album der Band wieder genauso stark ausgefallen wie die bisherigen drei zuvor auch – es klingt nur anders. Aber das ist ja das Zeichen für wahre Künstler, dass sie sich nicht wiederholen, sondern nach Neuem streben.

Marc Langels, (Artikelliste), 19.08.2017