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Welcome 2 My Nightmare
Alice Cooper
Welcome 2 My Nightmare, Universal Music, 2011
Alice CooperVocals
Steve Hunter, Tommy Henriksen, Tommy Denander, David Spreng, Kerri Kelli, Damon Johnson, Pat Buchanan, Michael BruceGuitars
Bob EzrinPiano, Keyboards, Background Vocals
Jimmy Lee Sloas, Dennis Dunway, Chuck GarricBass
Scott Williamson, Neal Smith, Jimmy DeGrassoDrums
Kip WingerBackground Vocals
Produziert von: Bob Ezrin Länge: 56 Min 06 Sek Medium: CD
01. I Am Made Of You09. Ghouls Gone Wild
02. Caffeine10. Something To Remember Me By
03. The Nightmare Returns11. When Hell Comes Home
04. Runaway Train12. What Baby Wants
05. Last Man On Earth13. I Gotta Get Outta Here
06. The Congregation14. The Underture
07. I'll Bite Your Face OffBonus Track:
08. Disco Bloodbath Boogie Fever15. We Gotta Get Out Of This Place

Der "Fürst der Finsternis" wurde in seinem Leben schon so oft geköpft, gehängt oder sonst wie gemeuchelt, dass er vom Superstar schon fast zum Superhelden mutiert ist. Ob als Bar-Keeper in einem Restaurant am Rande des Universums oder als tatsächliche Comic-Figur - Alice Cooper kann kaum mehr etwas falsch machen. Spätestens seit den späten 80er Jahren hat sich der ehemalige "Schock-Rocker" zum "Grand-Seigneur" des Hard Rock entwickelt und wer auf seinen Platten mitspielt, ist fast schon zweitrangig, auch wenn es oft genug die Creme der Instrumentalisten war.
So lädt Cooper zu einem weiteren "Albtraum" ein und vielleicht ist es ja so, wie er es im ersten Song besingt: I Am Made Of You. Klingt ein bisschen wie eine Ouvertüre und so ist es wohl auch gemeint. Kommt relativ ruhig und schleppt sich etwas gemäßigt aber für den Anfang nicht übel.
Dass er seit einiger Zeit offenbar wieder Richtung seines Stils in den 70er Jahren tendiert, hat sich auf den letzten Alben gezeigt und mit Caffeine zeigt sich das erneut. Allerdings wird das geschickt mit modernen Sounds in Szene gesetzt und kommt sowohl eingängig als auch recht rockig. Die Stimme von Cooper scheint mit den Jahren sogar besser zu werden. Allerdings benutzt er auch gern ein paar Hilfsmittel um sie zu verfremden.
Mit The Nightmare Returns folgt dann eine Art weiter Eröffnung, deren Sinn sich mir nicht ganz erschließt.
Dafür stürmt der anschließende Runaway Train in Hochgeschwindigkeit dahin, überwiegend vom Schlagzeug getrieben geht der Song gut ab. Irgendwelche Haltbarkeits-Stopps gibt es zwar nicht, aber einfach nur Geschwindigkeitsrausch macht ja auch mal Spaß.

Der Stopp erfolgt mit Last Man On Earth, wenn Alice im besten Tom Waits - New Orleans Stil über die Erde schlendert. Zurecht fragt er sich: "I'm the last man on earth, so tell me what it's worth, an I a beggar or a king?". Dann is' auch schon wurscht, oder?
The Congregation ist dann wieder ein echter Stadion-Stampfer, mit durchaus heftigen Tönen und radiomäßig inszenierten Sprechparts. Hat zwar ein bisschen zu viel BON JOVI-Brimborium, aber dafür könnte I'll Bite Your Face Off auch bei den STONES - zumindest teilweise - unterkommen. Mick Jagger jedenfalls dürfte hier recht neidisch zuhören. Wieder etwas zu "aufgeblasen", doch bei Alice Cooper ist das schon in Ordnung und die Gitarren gefallen mir hier einfach.
Wenn's auch sicher als Persiflage gedacht ist, aber Disco Bloodbath Boogie Fever geht einem mit seinem Geblubber zwangsläufig mit der Zeit auf die Nerven.
Ghouls Gone Wilde ist dafür fast zu Bubble Gum-mäßig. Klar, Glam ist schon ok, aber das ist mir etwas zu wirr, auch wenn einen der Refrain dermaßen süßlich umkreist und mir eigentlich dieser 50er Rock'n'Roll-Stil sehr liegt.
In Something To Remember Me By klingt der Sänger stark nach John Lennon. Eine schöne Ballade, die ihren Platz im Radio finden könnte, ohne dass jemand Alice Cooper dahinter vermuten würde.
"Daddy comes to take me for a ride ..." singt Cooper in When Hell Comes Home und da ist er natürlich in seinem Element und zelebriert eine - auch musikalisch - beängstigende Story, wie es wohl sonst keiner so hinkriegt.
Das trifft in gewisser Weise auch auf das leicht "industrialisierte" What Baby Wants zu. Hier fungiert als Gesangspartnerin die amerikanische Rapperin Kesha. Entsprechend geht das auch ein bisschen in diese Richtung. Sehr kommerziell angelegt und womöglich ein kleiner Crossover-Hit.

Die Glocken zum Start von I Gotta Get Outta Here haben früher bei Ozzy oder Ronnie James Dio einen düsteren, schweren, bedrohlichen Heavy-Song eingeläutet. Bei Alice wird dieser Tage ein pop-rockiger Country-Song daraus, mit einem nahezu zu freundlichen Refrain. Brrr.. das ist mir nahezu schon zu süßlich.
Dann lieber das instrumentale The Underture. Sehr dramatisch angelegt und als "Filmmusik" sehr tauglich.
Warum der Bonus-Track, ist mir nicht ganz klar, aber warum nicht mal eine Neuinterpretation von We Gotta Get Out Of This Place? An einem Klassiker kann man im Allgemeinen nichts verbessern und auch mit dieser Version ändert sich daran nichts. Macht Spaß und Laune, wird aber nicht als Meilenstein in die Rockgeschichte eingehen.
Netter Schluss eines durchwachsenen Albums, dass auch kein Meilenstein in Coopers Biografie ist, aber bei seinem Output sich im vorderen Mittelfeld einzusiedeln. Und - wer weiß - vielleicht klettert es mit der Zeit noch etwas höher. Für die Spitzenplätze reicht's jedoch nicht.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 01.10.2011