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Under A Dark Sky
Under A Dark Sky, SPV / Steamhammer, 2008
Uli Jon RothAll Guitars, Sky Guitar, Bass, Keyboards
Sky Of Avalon:
Mark Boals, Liz Vandall, Uli John Roth,Alasha Dawn RothLead Vocals
Gwen AdamsHarmony Vocals
Peter EwaldLead Vocals: Tenor
Kerstin DornrösLead Vocals: Alto
Michael FlexigLead Vocals, Baritone
Michael EhreDrums
Nippy NoyaEthnic Percussions
Chris LoweOrchestral Percussions
Sky Orchestra:
Jonathan Hill, Charles Nolan,Jonathan Howell, Stephen Bentley-Klein, Buffy North, Heley PomfrettViolins
Rachel Robson, Felix TennerViolas
Nick Holland, Katherine JenkinsonCellos
Lucy Shaw, Stacey WatsonC-Bass
Sky Choir:
Almut Wilke, Christine BorleisSopranos
Kerstin Dornrös, Sabine Fiedler, Liz VandallAltos
Peter Ewald, Markus Roth, Mark BoalsTenors
Joachim Fiedler, Jörg Borleis, Michael FlexigBaritones
Burkhard KoscheBass
Produziert von: Uli Jon Roth Länge: 63 Min 39 Sek Medium: CD
01. S.O.S.10. Tanz in die Dämmerung
02. Tempus Fugita) Destination Twilight
03. Land Of Dawnb) Morgenrot
a) Techno Manc) Searchlights From Hell
b) Land Of Dawnd) Seelenschmerz
c) Lion Wingse) Inside The Titanic
04. The Magic Wordf) Fama Errat
05. Inquisitiong) Requiem For The Nations
06. Letter Of The Dawnh) Morituri
07. Stay In The Lighti) Rex Tremendae
08. Benedictionj) Star Peace
09. Light & Shadowk) Tanz in die Dämmerung
l) Silence

Wenn man in der deutschen Musik-Szene nach wahren Lichtgestalten sucht, die diesen Status auch weltweit behaupten können, wird's verdammt übersichtlich. Zwei Namen fallen dann in diesem Zusammenhang immer wieder: Michael Schenker und Uli Jon Roth. Interessanterweise zwei Namen, die auf's innigste mit einem weiteren Exportschlager Germaniens verknüpft sind: den SCORPIONS. Uli Jon Roth war bekanntermaßen der Gitarrist, der Michael Schenker in den 70ern bei den SCORPIONS nicht nur ablöste, sondern gerade songwriterisch ganz wichtige neue Akzente setzen konnte. Alleine wenn ich an das Meisterwerk "In Trance" denke, falle ich in ebensolche .... Die SCORPIONS setzten ganz wichtige Maßstäbe für deutsche Musiker, denn sie hoben sich wohltuend vom allgemeinen "Kraut-Rock" ab.
Nach Roths Ausstieg bei den Hannoveranern gründete er ELECTRIC SUN, wo er weiterhin im internationalem Geschäft mitmischen konnte. Als er sich dann 1985 selbständig machte, war dies eine logische Konsequenz seiner musikalischen Evolution. Uli Jon Roth suchte geradezu musikalische Grenzbereiche, Grenzüberschreitungen und den Aufbruch zu unbekannten Ufern. Sein Multi-Talent befähigte ihn wie kaum einen anderen Zeitgenossen: Der Maler, der Philosoph und der Dichter wollte sich ebenfalls in die Musik einbringen - quasi als Gesamtkunstwerk.
Völlig klar, dass so einer auch ein neues Instrument für seine Ausdrucksformen benötigt. Dazu entwickelte Roth seine "Sky-Guitar", die neben einem größeren Tonumfang auch über einen unnachahmlichen Sound verfügt und somit die Vorraussetzungen bietet, um in Grenzbereiche vorzustoßen.
Bevor nun meine Eloge allzu euphorische Ausmaße annimmt, muss ich anmerken, dass sich mir manches von Uli Jon Roths Output seit "In Trance" nicht voll erschlossen hat. Das mag sicherlich einerseits mit meinen persönlichen Grenzen zu tun haben, andererseits allerdings auch mit meinem inneren "Alarmsystem", das alles esotherisch-angehauchte sofort aussortiert. Gerade von den "Bäume-Umarmern" und "Blümchen-Zählern" wurde versucht, Roth zu vereinnahmen. Ob sich Roth dem entziehen konnte, wurde mir aus meiner Perspektive nicht immer deutlich.

Eine Aussage im Bypack-Zettel von SPV stimmt mich erstmal stutzig. Da schreibt man (ich darf zitieren): "Under A Dark Sky ist das erste richtige Rockalbum [Uli Jon Roths] seit 1983". Was ist ein "richtiges" Rockalbum? "Under A Dark Sky" möchte ich nicht in dieser etwas profanen Kategorie einsortieren. Es ist vielmehr ein sehr komplexes Konzeptalbum, das die Grenzbereiche [sic!] zwischen Klassik und Rock neu ausleuchtet. Ein "richtiges" Rock-Album kann man durchaus auch 'mal nebenbei zur Untermalung oder Zerstreuung hören - "Under A Dark Sky" erfordert konzentriertes Zuhören auf einer entsprechenden Anlage oder -noch besser- mit Kopfhörern.
Das SKY OF AVALON-Project ist erneut für die musikalische Gestaltung zuständig. Dazu das 12-köpfige SKY ORCHESTRA und der ebenfalls ein Dutzend Musiker umfassende SKY CHOIR. Uli Jon Roth hat dazu mit Peter Ewald, Kerstin Dornrös und Michael Flexig drei klassisch ausgebildete Opern-Sänger für die Solo-Passagen verpflichten können. Die weiteren Lead-Vocals singen neben Roth selber, der zwei Songs seine Stimme leiht, der Ex-MALMSTEEN-, ROYAL HUNT-Sänger Mark Boals sowie Liz Vandall, ehemals bei SAHARA aktiv.

"Under A Dark Sky" beginnt in etwa dort, wo der "Prologue To The Symphonic Legends" endete: Orchestral, pompös, allerdings auch -wie bereits angedeutet- etwas spröde. Klassische Versatzstücke werden immer wieder durch Uli Jon Roths treibende Gitarrenläufe ergänzt. Mächtige Orchestersätze und viruose Chöre prägen die beiden Eröffnungsstücke, S.O.S. und Tempus Fugit, die mich in ihrer Theatralik an Carl Orffs Meisterwerke erinnern. Wenn die Alto- und Tenorstimmen in persona Kerstin Dornrös und Peter Ewald dazukommen, wird's schon 'mal dissonant - aber auch das erinnert an Meister Orff.
Das Epos Land Of Dawn, das in die Teile Techno Man, Land Of Dawn und Lion Wings aufgeteilt ist, rockt dann teilweise ordentlich los - für mich persönlich eines der besten Werke dieses Albums. In The Magic Word dreht sich alles um ein friedliches Miteinander auf Erden: "Stop Killing" als Kernaussage. Auch dieses Stück setzt an progressiven Rockstrukturen aus den 70ern an und überzeugt restlos. Inquisition ist ein Zwischenspiel, das in das vom SKY CHOIR geprägte Letter Of The Law mündet. Hier spielen die virtuosen Gitarrenläufe der "Sky-Guitar" den Hörer nahezu schwindelig.
Das Epos Stay In The Light erinnert mich von den Strukturen an die 70er JETHRO TULL, jedoch wird hier kompositorisch etwas zu dick aufgetragen. Zudem ist mir persönlich Liz Vandalls Stimme etwas zu wenig variabel. Das "Under A Dark Sky"-Konzept schreit geradezu nach einem Ausnahme-Sänger wie Ronnie James Dio, der wesentlich mehr Brillianz in die komplexen Arrangements gebracht hätte.
Zauberhaft ist Benediction, das dem Klang der "Sky Guitar" einen klassischen Background bietet. Das Stück geht nahtlos in Light & Shadows über, für mich ein weiteres Highlight von "Under A Dark Sky". Hier überzeugt Uli Jon Roth mit seinen Vocals. Vielleicht hätte er besser den einen oder anderen Part singen sollen - ich denke da speziell an Stay In The Light.
Das Album gipfelt in dem 19-minüten Longtrack Tanz in die Dämmerung, der sich aus zwölf Teilen zusammensetzt. Star-Tenor Peter Ewald und Alasha Dawn Roth teilen sich die Vocals in den einzelnen Parts. Der Chor sorgt wieder für orff'sche Einschübe. Der "Schlußspurt" im furiosen Finale endet abrupt und gibt so Spekulationen Raum, dass ein weiterer Teil folgen könnte.

"Under A Dark Sky" verzaubert den Hörer, fordert ihn aber auch gewaltig. Wie eingangs erwähnt, ist das kein Album für den "schnellen Genuß zwischendurch". Ich glaube auch kaum, dass dies Uli Jon Roths Intention gewesen ist. Für meinen Geschmack wird teilweise etwas zu dick aufgetragen, die Kompositionen sind gelegentlich etwas zu theatralisch. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung, andere werden das anders sehen und das ist gut so ;-))
Wer das angekündigte "richtige Rockalbum" sucht, könnte vielleicht etwas enttäuscht werden. Wer sich auf eine volle Stunde Rock-Oper einzulassen bereit ist und zudem eine Gratwanderung zwischen Klassik und Rock nicht scheut, wird mit Sicherheit seine helle Freude an "Under A Dark Sky" haben.

Steve Braun, (Artikelliste), 18.09.2008