Link Myspace:
The Suede Brother @ Myspace
Link Promo:
Just For Kicks Music
Link Kaufen:
Just For Kicks Music
Link Kaufen:
www.amazon.de
Ill New You
The Suede Brothers
Ill New You, Bad Breaker Records, 2009
Dylan FrancisGuitars, Vocals
Kevin NaughtonBass
Mike VargaDrums
Produziert von: Länge: 50 Min 07 Sek Medium: CD
01. Ill New You06. So Low
02. Homebreaker07. Base Tame
03. Pleaser08. Youe Are There
04. Charlotte Rose09. Lady Luck
05. Heart & Affection

Als nach der großen Regenflut, die Sonne wieder vorsichtig durchs Gebälk linste und etwas zaghaft ein "Hier bin ich wieder!" rief; als im, eh nur wenig gehörten Radio, passend wie die Faust aufs Auge Celentanos "Azzurro" leierte, fand sich im Briefkasten die lang ersehnte, zweite Langrille der SUEDE BROTHERS. Das Cover, wenn auch farbig, ist genauso duster wie das des Debüt-Albums. Schwarz, etwas Rost-Töne, kleine Highlights an die Kanten gesetzt, der Bandname in einfachen Lettern, dass reicht, um den von den Brüdern propagierten "Rust Belt Rock 'n' Roll" bildlich darzustellen. Schnell wanderte die CD in den Player:
-Und zur gleichen Sekunde schob sich ein breites Wolkenband zwischen die Sonne und München. Dramatischer ging nicht mehr; und das war gut so! Die Musik der SUEDE BROTHERS ist ja nicht unbedingt ein Kind von Fröhlichkeit, sondern sehr getragen, in Teilen fast schon ein bisschen doomig. Da passt alles, nur kein Schönwetter...!

Mit dem Titeltrack Ill New You startet die Scheibe dann auch gleich mal so hammerhart, als hätte die große Glocke zwischen den Ohren einen Schlag mit dem Schmiedehammer abbekommen. Junge, Junge, dass dröhnt ein ganzes Stück weit nach! Natürlich sucht das Gedächtnis wie automatisch nach irgendwelchen Vergleichen. Findet sie aber nicht wirklich! Selbstredend könnte man (wie so oft) die frühen LED ZEPPELIN anführen, aber dieser Vergleich würde ziemlich hinken. Mit dem Stichworten FREE, MOUNTAIN und JAMES GANG (mit Walsh an der Klampfe) kämen wir der Sache schon näher. Wenn man dazu noch die doomige Urgewalt der frühen BLACK SABBATH einbringt und all diese Zutaten zu einem blasenwerfenden Sauerteig verquirlt, dann bildet sich, wenn das Ganze vergoren ist, am Ende der Musikstil der SUEDE BROTHERS heraus. Nach dem Backen, würde ich sagen, liegt also ein kräftiges Bauernbrot, mit dunkelbrauner Kruste vor uns...!
-Und das ist bekanntlich von kernig-kräftigem Wohlgeschmack!
Die SUEDE BROTHERS verteilen diese Brotstücken mit derselben freundlich-liebevollen Geste, wie weiland Jesus beim letzten Abendmahl. Während Gottes Sohn das Brot brach und in Verkörperung seines Fleisches trocken an seine Jünger reichte, schmiert uns die Band aus Cleveland ordentlich Butter drauf. Wie frisches, dunkles Bauernbrot mit Butter schmeckt, wird in unserer Junkfood-Gesellschaft nur noch ein kleiner Bevölkerungsteil wissen, aber genau damit würde ich die Musik der Brüder in einfachen Worten erklären.

Ob sich die einzelnen Nummern nun Homebreaker, Pleaser oder Heart & Affection nennen, spielt keine Rolle. Sie kommen kräftig und ungemein roh daher. Brettern mit breit-gefuzzten Riffs und unglaublich fetten Groove über den Hörer hinweg und hinterlassen nicht mehr, als verbrannte Erde oder leere Teller (wenn wir beim Brot bleiben ;-)). Mit Charlotte Rose schaltet die Band zunächst um zwei Gänge zurück, lässt auch mal einer akustischen Gitarre Platz, um zwischendrin wieder ordentlich Gas zu geben. Das akustische Thema wird zwar nochmal kurz aufgegriffen, aber nur um die Nummer dann zum Schluss hin mit Vollgas in die Zielgerade zu bringen!
Eine ganz besondere Perle liegt mit So Low vor. Für mich das Beste von vielen sehr guten Takes. Der spannende Aufbau mit einer einfachen Basslinie, dass düstere Riffing, der schleppend einsetzende Groove und das träge, aber bärenstarke Durchstarten ab Minute 1:30 herum verdient höchste Anerkennung. Mit einer gemäßigt-leisen Sequenz wird die Spannung des Takes aufrecht erhalten, ehe ab 4:30 ein regelrechter Sturm los bricht. Die Nummer ist -wie das mit Butter beschmierte Bauernbrot- genial einfach oder einfach genial!
Was mag einen solchen Killer noch zu toppen?! Auf diesem Album kein Song mehr, dass sei gleich vorweg genommen. Dennoch blasen uns die SUEDE BROTHERS umgehend und mit der nächsten Nummer die letzten Schmalzreste aus den Ohren. Base Tame nennt sich diese Gehörgangsorgie völlig unprätentiös und donnert wie ein 5000 t Erzzug über eine altersschwache Blechträgerbrücke. Kruzifix, was sind das für abgrundtief-dreckig angefuzzte Gitarren...?! Diese schleppenden Riffs machen den Hörer regelrecht hippelig. Auch wenn gerade diese Nummer zum Schluss hin ihre Längen hat, bleibt erstmal nur ein Stück weit Sprachlosigkeit zurück!
Immer noch nicht genug?! Bitte schön: You Are There und der Beinahe-Longtrack Lady Luck warten noch auf ihre Entfaltung...
Viel Spaß damit!
Damit wirft der Rezensent nun keinesfalls das Handtuch, sondern sucht in sämtlichen Keksdosen, Zuckerschalen und Suppenschüsseln zwanghaft nach ein paar Krümeln des Stoffes, der zu dieser Musik zwar nicht zwingend notwendig, aber doch so ungemein passend wäre...
Beide Nummern beginnen relativ verhalten; Wölfe im Schafspelz, könnte man meinen. Während You Are There schon zwischendrin immer wieder mal losgaloppiert wie ein vom Hafer gestochener Esel, bleibt Lady Luck eher getragen, tobt sich in Distortions- und Feedbacksequenzen aus, um erst zum Schluss hin so richtig Gummi zu geben.
Das Ende der CD lässt den Hörer für eine Weile ziemlich bedeppert zurück. Nochmal? Nein, das wäre zu hart. Morgen wieder. Und übermorgen. Und Montag und Dienstag auch. Aber nicht zweimal hintereinander. Zumindest nicht ohne Krümel...!

Die Entwicklung SUEDE BROTHERS verläuft überaus erfreulich. Es ist ihnen, gegenüber ihres Debüts, ganz offensichtlich gelungen ihre musikalischen Einflüsse noch deutlicher hervorzuheben. "Ill New You" ist homogener, aber auch um einiges verfuzzter und, in Teilen, noch roher als ihr erstes Album. Ein wirklicher Hammerschlag! Trotzdem keine Musik, die man, wie manch ohrwurmartiges AOR-Geniedel, mehrmals am Tag herunterleiern kann. Schon gar nicht sind die SUEDE BROTHERS in irgendeiner Form Radio-kompatibel. Im Gegenteil: An manchen Stellen wirken gerade die bleiern schweren Riffs wie TOOL auf Valium, an anderen dafür sind sie so rattenscharf wie Ecklestones Boxenluder. Beides kommt bei den bigottischen Radiosendern (in USA wie übrigens auch bei uns) nicht an.
Insgesamt betrachtet fordert "Ill New You" den Hörer ein ganzes Stück weit, lässt ihn aber auch ums verrecken nicht mehr los. Das zeichnet gute Musik seit jeher aus und von daher gibt es für die Brüder und "Ill New You" die volle Punktzahl. Weiter so!

Nun mag mir manch kritischer Kopf, nach einem Hördurchgang von "Ill New You" einen fehlenden Hinweis auf dessen Monotonie vorwerfen. Nach all den angefuzzten Riffs und Feedbacks wäre dies an sich nicht unberechtigt. Dem halte ich jedoch entgegen, dass auch Alben, die heute als Meilensteine der Rockmusik gelten, denken wir nur mal an VELVET UNDERGROUND oder die SEX PISTOLS, ein gewisses Maß an Eintönigkeit zu eigen ist. Stört sich also keiner daran, sondern lass er einfach diese unbezähmbare Energie, die "Ill New You" freisetzt, vorbehaltlos, laut und ungebändigt durch jede Faser seines Körpers strömen. Und erst danach reden wir nochmal über Monotonie...!

Christian "Grisu" Gerecht, (Artikelliste), 03.07.2009