The Dirty 30s
The Dirty 30s, Eigenvertrieb, 2006
Jason Riley Vocals, Guitar
Brian Heuring Lead Guitar
Jeb Stewart Venable Bass
Stu Faris Drums
Matt Helderman Guitar
Produziert von: Eric "Roscoe" Ambel Länge: 34 Min 43 Sek Medium: CD
1. Rode Hard7. Local Anesthesia
2. Searchin'8. Justine
3. The Crackle9. Leatherskin Woman
4. Country Song10. Swampeast
5. How Long11. Slow Summer Night
6. The Bridge

Die DIRTY 30s kommen aus Missouri und spielen laut eigener Aussage die inspirierteste Roots Rock Musik, die jemals aus dem Stiefelabsatz dieses Staates gekommen ist. Tja, nun, wenige werden zuvor etwas von dem Ort Cape Girardeau gehört habe. Jedenfalls nicht mehr, als wussten, dass es in Missouri einen Ort namens Festus gibt. Daher wiederum, wie allgemein bekannt, kamen ursprünglich die BOTTLE ROCKETS. Die besten Alben - meiner Meinung nach - der BOTTLE ROCKETS wurden von Eric "Roscoe" Ambel produziert. Das aktuelle, selbstbetitelte Album der DIRTY 30s wurde produziert von..., na? Richtig, Eric Ambel. Langsam dämmert's, nicht? Jetzt wissen wir auch schon wo es musikalisch langgeht: Roots, Rock, Rock'n'Roll mit Countryelementen.
So stampft das Schlagzeug denn auch gleich stupid-genial drauflos und stößt alles auf die Seite, was keine Bierflasche in der Hand hat. Da marschieren einem Dan Baird, erwähnte BOTTLE ROCKETS, CASH MONIES AND THE JETSETTER usw. im Gänsemarsch über die imaginäre Bühne. Etwas klingts auch nach Chris Knight, vor allem stimmlich.
Searchin' hat nix mit LYNYRD SKYNYRD zu tun, und trotzdem wummert ein gewisser Swamp-Charakter in diesem Song mit. Sümpfe gibt's schließlich auch in Missouri.

Die Produktion klingt jetzt nicht so ausgefeilt wie, sagen wir, bei den BOTTLE ROCKETS oder bei den YAYHOOS, das liegt wohl auch am Spiel der Band, die es eher rauer mag und nicht so großen Wert auf absolute Genauigkeit legt. Wer auf die REPLACEMENTS steht, dem wird einiges gefallen und auch bekannt vorkommen. Etwa bei The Crackle. Mich erinnert da auch einiges an die Soloalben von Izzy Stadlin.
Beim Country Song kommt, wie überraschend, ein großer Schuss Country hinzu. Sänger Jason Riley klingt hier stark nach Bruce Springsteen. Auf dessen letztes Album, die "Seeger Sessions", hätte der Song eigentlich auch gepasst. Abgesehen von dem krachigen Rock'n'Roll-Gitarrensolo natürlich.
Schön rockig roh kommt How Long. Dreckig und geradeaus, wie es sich für diese Musik gehört. Lediglich der Bass-Anteil dürfte etwas höher sein und somit für mehr Druck sorgen. Egal, Lautstärke rauf, so geht's auch.
Mit The Bridge schlagen sie eine Brücke zum Alternative- und sogar ein bisschen Punk-Rock. Von der Geschwindigkeit mal abgesehen.
'Too loud for americana' heißt es auf der MySpace-Seite der Band, und da haben sie ganz schön recht mit. Trotzdem können die Jungs auch mal etwas ruhiger und freundlicher, wie bei Local Anesthesia. Allein, richtig will man dem Frieden nicht trauen. Liegt es an Jason Rileys Trinkerstimme? Oder weil der Schlagzeuger sich immer etwas zu weit vor drängt? Oder an dieser einschmeichelnden Melodie, die für diese Typen viel zu nett klingt? I don't know und mir ist's auch egal, ich schunkel mit und nipp am Bier.

Falls jemand noch Vergleiche braucht: die DRIVE-BY TRUCKERS grenzen hier auch haarscharf an. Die Chancen, die DIRTY 30s hierzulande mal auf der Bühne zu erleben, dürften recht gering sein, aber ein geiler Abend wäre es, da bin ich mir sicher.
Bei den Balladen, wie Leatherskin Woman, mit starkem 60's Touch, holt man sich was zu trinken und dann geht's wieder voll ab. Oder, wie der Lead-Sänger sagt: "Come to our shows, it's fun, it's loud. We're gonna get drunk and have a lot of fun." Ich sag's ja.
Beim punkigen Swampeast dürfte es dann auch zu kleinen Pogo-Tänzchen vor der Bühne kommen. Nach diesem Parforceritt tut einem ein Lied für die Slow Summer Night ganz gut. Jedenfalls, wenn man schon über 30 ist. Da lässt man sich zu dieser Country-Ballade gern zurückfallen und wippt entspannt mit den Füßen. Einfach schön.
Von den erwähnten Bands werden die wenigsten in nächster Zeit mit einer neuen Scheibe aufwarten und da kann man sich mit diesen Jungs einen feinen Übergang verschaffen, den man nicht so schnell wieder abbauen wird.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.05.2007