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London Calling
The Clash
London Calling, Sony Music, 2009 (1979)
Mick JonesGuitars, Vocals
Joe StrummerVocals, Rhythm Guitar
Paul SimononBass, Vocals
Topper HeadonDrums, Percussion
Produziert von: Guy Stevens (Original Album) Länge: 65 Min 09 Sek Medium: CD & DVD
CD:
01. London Calling11. Wrong 'Em Boyd
02. Brand New Caddillac12. Death Or Glory
03. Jimmy Jazz13. Koka Kola
04. Hateful14. The Card Cheat
05. Rudie Can't Fail15. Lover's Rock
06. Spanish Bombs16. Four Horsemen
07. The Right Profile17. I'm Not Down
08. Lost In The Supermarket18. Revolution Rock
09. Clampdown19. Train In Vain
10. The Guns Of Brixton
DVD:
The Last Testament (The making of "London Calling")
Home video fottage of the Clash recording "London Calling" in Wessex Studios)
Promos of London Calling, Train In Vain and Clampdown

Doppelalben haben doch immer etwas für sich. Also, zumindest hatten. Wenn man noch in der Vinyl-Ära aufgewachsen ist, so wie ich. Damals waren das ja meist Live-Alben, die oft genug Kultstatus erreichten. "Studioplatten" wurden in der Regel nur zur Doppelausgabe, wenn es sich um ein Konzept handelte.
Das man Anno 1979 THE CLASH die "Spielwiese" von 4 LP-Seiten zur Verfügung stellte, spricht schon für deren damaligen Status. Bereits den Vorgänger, "Give 'Em Enough Rope", hatte ein namhafter Kritiker mit "Let It Bleed" von den ROLLING STONES verglichen, obwohl die Platte, meiner Meinung nach, nicht ganz die Qualität des Debütalbums erreichte. Na, jedenfalls, Anfang 1979 zeigten sich THE CLASH längst nicht mehr so (I'm So) "Bored With The USA" (Songtitel) und eine zweimonatige Tour zusammen mit Bo Diddley verschafften der Band reichlich neue Eindrücke und Einflüsse, die bald im anstehenden Album verarbeitet wurden.
"London Calling" IST natürlich ein Klassiker und darf eigentlich in keiner Sammlung fehlen. Heutzutage passt das Teil auf eine CD und damit man noch etwas mehr Gefühl für die damalige Zeit entwickelt, gibt es in der Ausgabe zum 30jährigen Jubiläum auch noch eine DVD, wo man sich das "Making Of" und ein paar der Resultate vor Augen führen kann.

Die Punks waren ja, im Nachhinein betrachtet, längst nicht so aufrührerisch, revolutionär und Establishment-vernichtend, wie sie sich gaben. Gerade was die Musik angeht, haben sie sich sehr wohl und gern bei den "Etablierten" bedient. Wiewohl THE CLASH zur Punkszene gerechnet wurden, sahen die sich von jeher mehr als Rockband und hatten keine Probleme für "London Calling" Guy Stevens auf den Produzentensessel zu setzen. Der frühere DJ hatte PROCOL HARUMs A Whiter Shade Of Pale produziert und war sowohl Mentor als auch Produzent von MOTT THE HOOPLE gewesen.
Von der mehr als starken Anlehnung beim Frontcover an Elvis Presleys Debütalbum will ich mal gar nicht sprechen.
Als würden schwere Stiefel den Rhythmus bestimmen, marschiert der Titelsong vorneweg. So voller Energie und trotzdem von verspielten Elementen durchzogen und der Text in dieser Ska-verwandten Nummer zwingt praktisch zum Zuhören.
Vince Taylor inspirierte nicht nur David Bowie zu seinem Ziggy Sturdust, sondern auch THE CLASH dazu sein Brand New Cadillac, von 1958, zu covern. In knapp zwei Minuten rotzen THE CLASH diese Nummer hin.
Ganz so jazzig, wie der Titel suggerieren mag, ist Jimmy Jazz nicht, eher ein swingender Bo-Bop mit Rockelementen. Die passende Unterstützung liefern hier die IRISH HORNS. Erinnert mich an manches Studio-Outtake von den STONES oder auch von QUEEN.
Bereits zu diesem Zeitpunkt denkt man zurecht an "Exile On Main Street", welches ja auch von vielen Stilen durchzogen ist. Herausragend sicher Spanish Bombs. Wenige konnten ein solches Thema, in dem es u. a. um die ETA und den Spanischen Bürgerkrieg ging, in ein solch verspieltes Thema verpacken wie Joe Strummer. Richtig gut gefallen mir solch raue Schönheiten, wie The Right People, neben den unschlagbaren Klassikern, wie Lost In The Supermarket, Clampdown und The Guns Of Brixton in dem THE CLASH ihre starken Bezüge zu Dub und Reggae hemmungslos offen legen.

Von den beschwingten, fast Jahrmarkt-mäßigen Ska-Klängen in Wrong 'Em Boyd, über das nahezu pompöse The Card Cheat, bis zu den - erneut - Reggae-Klängen in Revolution Rock und dem finalen - auf der Original-LP gar nicht aufgelisteten - Klassiker Train In Vain ein echter Meilenstein in der Rockgeschichte.
Auf der beiliegenden DVD - so wird doch wieder ein "Doppelalbum" daraus - kann man sich dann nochmals für 50 Minuten rüber "beamen" in jene Zeit und, sozusagen aus erster Hand, die Geschichte zur Entstehung von "London Calling" erzählt bekommen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.12.2009