Midnight Run
The Cheaters
Midnight Run, Eigenproduktion, 2009
Jason MortonVocals & Guitar
Kevin ShookDrums & Percussion
Brett WilmerLead Guitar
Dave WolfBass & Vocals
Guests:
Steve FisherHarp on "I Ain't Coming Back"
Jimmy RiveraOrgan on "Justify"
Denise & Lisa Henderson, Olivia Hebron, Cathy PratherBacking Vocals on "Justify", "In Your Lies" & "Bye Bye Baltimore Sky
Produziert von: The Cheaters & Frank Marchand III Länge: 48 Min 50 Sek Medium: CD
01. Fast Times08. One Night Woman
02. Blow My Mind09. Locked And Loaded
03. Lay It On The Line10. In Your Lies
04. Let Down11. I Ain't Comin' Back
05. You Just Don't Get It12. Bye Bye Baltimore Sky
06. Justify13. Bonus Track
07. Midnight Run

Schön, wenn man sich auf Bands noch verlassen kann. 2007 hatten THE CHEATERS (damals noch mit dem Zusatz L.P. firmierend) ein überaus beachtenswertes Debüt abgeliefert, auf dem sie Classic Rock mit einer Menge an typischen Southern-Elementen verbanden. Dieser Linie sind sie sich bei ihrem zweiten Album "Midnight Run" zwar nicht ganz treu geblieben, präsentieren dem Hörer dafür aber eine brodelnd-sympathische Vollgas-Mixtur zwischen knallhartem Hard Rock, Blues Rock und kernigen Southern Einsprengseln.

Mit blecherner Snare und metallischen Gitarrenriffs startet der "Midnight Run" Opener Fast Times und gibt damit schon mal die Richtung vor, welche THE CHEATERS einzuhalten gedenken. Gleichsam hart, wie klassisch geht es mit Blow My Mind weiter; schlägt im kurzen, funkigen Lay It On The Line einen gnadenlosen Groove ein und zitiert im nach vorne preschenden Let Down augenzwinkernd, aber grundsolide die BLACK CROWES!
Die Jungens um Jason Morton lehnen ihre Musik definitiv an Bands wie die KRÄHEN oder LED ZEP an. Nur selten verbleiben sie direkt in den Sümpfen des Südens und ziehen Parallelen zu LYNYRD SKYNYRD oder Der Hure (aus deren späten Zeit). Zeitweise klingen die CHEATERS auch wie die STONES in ihre beste Zeiten; nur halt auf'm Koks... (hach, ich mag Poldi's direkte Sprache... wie heißt gleich den Verein, wo er nun wieder auf'n Platz steht?)
Mit krachendem Blues und geilen Gitarrentremoli startet der Songfetzen You Just Don't Get It durch. Gerade für solche Takes könnte man den CHEATERS um den Hals fallen. Kurz, direkt und überaus einprägsam! Mit Justify schaltet die Band nicht nur einen Gang zurück, sondern lässt sich mal ausgiebig und eindeutig in Richtung Dixie fallen. Herrlich, die prickelnden Double Leads und der knorrige Groove. Fehlt nur noch so eine versoffene Stimme wie die von Pat Buffo...! Dass Morton diese, mit dem Bodensatz von aberdutzenden Litern J.D. belegten Stimmbänder fehlen, ist allerdings kein großes Malheur. Die Bezüge zum Southern Rock bleiben bei "Midnight Run" ohnehin eher verwaschen, weshalb Mortons cleaner Gesangsstil innerhalb der harten Classic-Rocker insgesamt sehr gut zur Geltung kommt.
Weiter mit der neuen CD und dem knackig-kurzen Titeltrack. Dass ist ein stampfender Rock And Roller wie aus dem Lehrbuch; inklusive Double Lead Bedienung und einprägsamer Hookline. Ähnlicher Natur (und ähnlicher Hook...) schließt sich auf dem Fuße One Night Woman an. Der Song ist zwar nicht unbedingt ein fein ausgefeilter Southern oder Classic Rock Kracher, verfügt dafür aber, neben einem markanten Mitsinge-Refrain und krachenden Gitarren, über diese kleine Prise an aufgesetzter Dekadenz und lüsterner Triebhaftigkeit, wie wir sie teilweise aus den wilden 1980ern kennen. Mich erinnert diese Nummer jedenfalls plakativ an Mädels mit hoch toupierten Frisuren, an Stretch-Minis und diese herrlichen, schwarzen oder dunkelblauen "Take-me-home-and-fuck-me-Boots"; passend unterfüttert durch treibende Hard Rock Nummern, ein paar Jack Daniels/Cola und "Schleifer", deren "Super-Verbleit-Outfit" nicht nur sicht-, sondern geradezu riechbar war!
Bleiben wir kurz noch bei Super-Verbleit, denn weiter gehtís mit Vollgas und Locked And Loaded; einer schwülen Southern Nummer die mit herrlichen Riffs und Licks, mit pumpenden Bass und bösem Drumming mächtig Laune macht. Mein lieber Olli, da rinnt der Schweiß...! Schwül und heiß bleibt es mit dem schleppend-eingängigen In Your Lies und einem wahren Rhythm 'n' Blues Killer Namens I Ain't Comin' Back. Die dreckige Harp in letztgenanntem Song ist dabei geradewegs das Tüpfelchen auf dem "i"; weshalb ihn der Schreiber, trotz der eher knappen Laufzeit, als einen der besten des Albums wertet.
Abgerundet wird "Midnight Run" durch die einzige, wirkliche Ballade des Albums. Bye Bye Baltimore Sky ist gleichsam mit jener Schwüle versehen, die nun schon mehrmals angesprochen wurde und die jetzt lauthals nach einem großen Glas (mit viel Eis) schreit. Die klasse angefuzzten Gitarren, der, an dieser Stelle, ungeheuer authentisch wirkende Gesang, die herrliche Retro-lastigkeit und nicht zuletzt ein schönes Gitarrensolo lassen den Song zu einer echten Perle werden. Eine weitere Nummer dieser Couleur hätte "Midnight Run" sicherlich gut getan und abwechslungsreicher gemacht. Aber das soll keine Kritik sein (der Schreiber hat nun mal seine Vorlieben und schätzt daher das Slide-behaftete Debüt der CHEATERS ein klein bisschen höher ein).

Unter dem Strich bleibt von "Midnight Run" aber ein durchwegs positiver Eindruck. Hart, aber herzlich, brächte es auf denselben Nenner. Hier schickt sich eine junge Band aus Baltimore an, die Welt zu erobern. Bei dem Potential, das die Jungens mit ihren beiden CDs erahnen lassen, dürfte definitiv der Weg in Richtung R'n'R Hall Of Fame eingeschlagen sein. Will sagen: THE CHEATERS sollte man unbedingt im Auge behalten und ich möchte, für ein allfälliges drittes Album, schon heute Rezensionsbedarf anmelden! Für "Midnight Run" gibt es, wie übrigens auch für das Debüt-Album (an dass ich an dieser Stelle nochmals im Besonderen erinnern möchte), eine volle Kaufempfehlung. Viel Spaß beim Hören!

Hatte ich eigentlich erwähnt, dass es noch eine dreizehnte Nummer auf "Midnight Run" gibt? Bevor sie anspielt, vergeht erstmal ein bisschen Zeit, aber denn... denn blev dat swöl un heet...! ;-)

Christian "Grisu" Gerecht, (Artikelliste), 11.08.2009


Diese Scheibe hat bei ihrem "Mitternachtslauf" eine kleine Ehrenrunde gedreht, denn eigentlich erschein sie bereits 2009 und wurde vom Kollegen "Grisu" im selben Jahr breitwändig besprochen.
Mittlerweile sind sie beim Teenagehead Music Label gelandet und deswegen wohl das Deja vu. Da alles Wesentliche bereits gesagt wurde, nur mein kurzer Eindruck:
Immer noch geht das Teil verdammt gut ab. Einleitend drischt einem der Drummer einen gehörigen Ohrfeigenwald auf die Backen und schon geht es dirty und rotzig zur Sache. Das hat gleichermaßen Southern wie Roots Rock Charakter, mit dem richtigen Schuss Sleaze. Bei Blow My Mind erinnert mich gewaltig an THE CULT, mit - wegen der Slide - etwas BLACKFOOT. Lay It On The Line kommt etwas funkiger und man könnte BLACK STONE CHERRY als Referenz anführen. Mir gefällt dieser dreckige Sound und die "Leck-mich-am -Arsch"-Attitüde, wie ich sie in dieser Konsequenz schon lange nicht mehr gehört habe.

Weiterhin funkig - aber immer volle Granate rockend! - bei Let Down (klingt etwas nach SPIN DOCTORS), bevor der Southern Blues Rock wieder vehement durchbricht und in mir Erinnerungen an THE FOUR HORSEMEN hervorruft. You Just Don't Get It heißt der zugehörige Titel.
Die bei "Grisu" schon genannten BLACK CROWES sind natürlich immer präsent und scheinen besonders in Justify durch. Und auch danach setzt es ordentlich was auf die nach Süden gerichteten Ohren. Ob im Stil von - den neueren - MOLLY HATCHET, etwas Neil Young (die "berittene" Abteilung!), bereits genannte Bands oder einfach dirty Blues Rock hochenergetisch präsentiert, hier geht's (fast) balladenfrei nur nach Vorne und ich kann mir gut vorstellen, dass es bei der anstehenden Tour so richtig die Luft auf und vor der Bühne brennt. Wie auch bei diesem Album, welches die Band mit einem Song von AEROSMITH beschließt: Shame On You, vom unterbewerteten Album "Done With Mirrors". Hat das Klasse? Yes, Sir!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.06.2012