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Insurgentes
Steven Wilson
Insurgentes, K Scope, 2009
Steven WilsonVocals, Guitar, Keyboards & Percussion
Gäste:
Theo TravisFlute & Clarinet
Michiyo YagiKoto
Gavin HarrisonDrums
Tony LevinBass
Mike OutramGuitar
Jordan RudessGrand Piano
Clodagh SimmondsVocals
Sand SnowmanAcoustic Guitar
Produziert von: Steven Wilson Länge: 55 Min 22 Sek Medium: CD
01. Harmony Korine06. Significant Other
02. Abandoner07. Only Child
03. Salvaging08. Twilight Coda
04. Veno Para Las Hadas09. Get All That You Deserve
05. No Twilight Within The Courts Of The Sun10. Insurgentes

Der Mann ist einfach nicht ausgelastet. Neben PORCUPINE TREE, BLACKFIELD, NO-MAN und BASS COMMUNION sowie seiner Produzententätigkeit für u.a. OPETH, ANTHEMA oder FISH blieb jetzt auch noch Zeit für das Solodebüt.

“Insurgentes“ (zu deutsch: Die Aufständischen) nimmt dabei offensichtlich Bezug auf die Avenida Insurgentes in Mexico City, eine der Hauptschlagadern des dortigen Verkehrsmolochs, wo das Album produziert wurde. Man kann natürlich auch den Protagonisten als Aufständischen und Querkopf im heutigen Musikbusiness in den Albumtitel hineininterpretieren. Los geht es hier mit dem nach frühen PORCUPINE TREE klingenden Harmony Korine, das sicherlich eines der zugänglichsten Stücke auf dem Album darstellt. Das düster elektronische Abandoner mischt die musikalischen Welten von NO-MAN und BASS COMMUNION, indem sich eine zartgliedrige Ballade am Ende in einem Dronestück verliert. Das darauf folgende Salvaging lässt wieder an ältere Werke von PORCUPINE TREE denken, die psychedelischen Gitarrentöne werden in einem dramatischen Schluss aufgelöst.

Veneno Para Las Hadas lässt etwas durchatmen, zeigt aber auch gleichzeitig die Vorliebe des Meister für sphärische, leicht floydig ProgPop-Balladen. Das (für mich) absolute Highlight des Albums schließt sich dann mit No Twilight Within The Courts Of The Sunan: Ein jazzrockiger Noise-Auftakt als Reminiszenz an KING CRIMSON mündet in eine geheimnisvoll schimmernde Ambientkulisse, um den Hörer zum letzten Ende mit einer druckvollen Rockwand zu überraschen. Die aus den dynamischen Gegensätzen herrührende Spannung hat Wilson schon lange nicht mehr so perfekt hingezaubert wie in diesem Song.

Significant Other ist psychedelisches Ohrenkino mit großem Bombast, der sich am Ende in einer Spieluhr auflöst, während das einfache Only Child eher als Brücke zum letzten Drittel des Albums funktioniert, bei dem noch mal die Gänsehaut strapaziert wird. Twilight Coda ist der ruhige Nachklapp zu No Twilight Within The Courts Of The Sun, sparsam instrumentiert vor bedrohlich-verstörenden Dronegeräuschen. Die minimalistische Schwermut von Get All That You Deserve erinnert mich an das traurige PORCUPINE TREE-Frühwerk Stop Swimming, nach dem dräuenden Lärmwall bleibt nur beklemmende Stille zurück. Zum Abschluss versöhnt die titelgebende Ballade mit einem Hauch weltmusikalischen Klängen und einer gewissen Wärme.

Ähnlich wie bei RIVERSIDE- Sänger Mariusz Duda mit seinem Projekt LUNATIC SOUL hat auch Steven Wilson auf seinem Solowerk einiges ausprobiert, was in anderem Kontext seiner Bands nicht so ohne weitere funktioniert hätte. Auch hier fällt es etwas schwer, einen roten Faden zu finden, was gleichwohl auch für die Vielseitigkeit und Experimentierfreude des Albums spricht. Ein in seinen besten Momenten begeisterndes, im gleichen Atemzug verstörendes Werk, das wesentlicher spannender wirkt als die letzten Veröffentlichungen von PORCUPINE TREE.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 09.03.2009