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Zwei Jahre sind nun seit dem Release des letzten PORCUPINE TREE-Albums "Fear Of A Blank
Planet" vergangen. Das ist, zumindest wenn man andere Bands betrachtet, eigentlich
ein ganz normaler Rhythmus - ein Jahr wird ein Album produziert, das Jahr danach
geht für die dazugehörige Tournee drauf. Kay Markschies, (Artikelliste), 31.08.2009
Erst gehörten sie zu den Größten der 90er für mich, dann zu den größten Entäuschungen des neuen Jahrtausends. Porcupine Trees so langweilige wie berechnende Hinwendung an heutzutage gut verkaufende Hart-Klänge bewirkte diese Wandlung bei mir. „In Absentia“ war noch ganz nett, „Deadwing“ fast ein Totalflop“, „Fear of a blank planet“ in Teilen wieder etwas besser, „Nil Recurring“ die EP wieder gar nix. Also ne vorsichtige Annäherung an den neuen Vorfall hier. Das Titelstück The Incident ist eine 55minütige Suite und nach ein paarmal hören atme ich ganz tief durch. Steven Wilson hat endlich wieder Lust Musik zu machen. Fein auskomponiert in den meisten Teilen, harte Gitarren hier (fast) nur als sinnvolle Ergänzung und nicht als Totschlagsargument weil einem eh nix eingefallen ist. Viele ruhige schwebende Momente, richtig eingängige Ohrwurmteilchen im einen oder anderen Song. Die Magie der Vor-In-Absentia Porcupine Tree ist zwar noch nicht wieder da, aber das hier geht endlich wieder in Richtung Art-Rock und weg vom Heavy Metal mit Art-Anstrich. Geht doch. Das Stück macht Spaß beim ersten Hören und wird Spaß machen beim zwanzigsten Hören, weils einfach ne Menge zu entdecken gibt. Da interessiert mich sogar wieder der Text (den ich bei meiner Rezi nicht zur Verfügung hatte), denn das Stück will man Hören und auch inhaltlich Begreifen. Fein gemacht. Jetzt hie und da nochmal ein kleiner Feinschliff im einen oder anderen Song und Übergang und ihr seid wieder richtig gut. Was mir noch ein wenig fehlt sind ein paar echte Neuerungen in PT’s Musik und ein wenig mehr Raum zum atmen für die meist doch recht kurzen Teile des Titelstücks. So ists kein Wunder, dass mir Part 9 der Suite - die Pink Floyd Hommage Time Flies - mit seinen knapp 12 Minuten das längste Stück auf dem Album, am besten gefällt. Die vier „Bonus-Stücke“ auf der zweiten CD sind qualitativ in derselben Schiene. Bonnie The Cat z.B. geht gar so zur Hälfte in Richtung RADIOHEAD. Eine nette Ergänzung die sich harmonisch an den Mammut-Track auf CD 1 anpasst. Also so rundum ein feines Porcupine Tree Werk. Und schon irgendwie witzig, dass ihre Epigonen grade die Brutal-Gitarren auspacken, wo Wilson sie nun so langsam anscheinend am Wegräumen ist. So ist er nun doch den anderen wieder ne Nasenlänge voraus. Jürgen Gallitz-Duckar, (Artikelliste), 31.08.2009
Eigentlich ist diese Aufgabe schon von vorneherein zum Scheitern verurteilt: Ein Nachgehakt zur neuen Scheibe von PORCUPINE TREE. Denn die Absicht, hier im Kurzabriss erste, noch nicht so richtig verfestigte Eindrücke zu schildern, wird durch das Konzept von “The Incident“ geradezu unterlaufen. Denn im Mittelpunkt dieser Doppel-CD steht natürlich der in vierzehn Abschnitte unterteilte, 55 Minuten dauernde Titeltrack und dieser setzt eindeutig auf Langzeitwirkung. Denn nur schwer lässt sich auf Anhieb ein roter Faden ausmachen, dient eine abstrakte Reflexion Wilsons über das Thema des Albumtitels, also Ereignisse, die in ein Menschenleben eindringen und es nachhaltig beeinflussen und verändern können, als Aufhänger für ganz unterschiedliche Geschichten, die ebenso unterschiedlich musikalisch umgesetzt worden sind. Mal klingt es nach “Lightbulb Sun“, mal nach “Stupid Dream“ (The Seance), mal schimmern PINK FLOYD (wie im autobiographischen Kernstück Time Flies), ein anderes Mal KING CRIMSON durch (Great Expectations). Es gibt zartbittere, melancholische Momente (Kneel And Disconnect) und dräuende Riffs (The Incident, Octane Twisted). Zwischen britpop-artigem Schönklang (Drawing The Line) und progmetallischem Fauchen (Circle Of Manias) offenbart sich die ganze Klangwelt der Band. Und trotz der nur losen Verknüpfungen wird The Incident erst im Gesamten seine ganze Faszination und Vielschichtigkeit entfalten können und mit jedem Hören in anderen Farben schillern. Zusammengesetzt aus vielen einzelnen Facetten, bei denen glücklicherweise wieder das Songwriting im Mittelpunkt steht, die aber für sich genommen nur kleine, bunte und eher nutzlose Perlen wären, ergibt The Incident als Ganzes ein auf den ersten Blick schwer ergründliches, aber um so faszinierenderes Mosaik. Demgegenüber fällt die zweite CD eigentlich etwas ab und ich hätte es diesmal durchaus verstanden, wären dies darauf enthaltenen vier Songs gesondert als EP erschienen. Man möge mich nicht falsch verstehen: Flicker, Bonnie The Cat, Black Dahlia und Remember Me Love sind gute, zum teil atmosphärische, eingängige, griffige Songs, nach denen sich andere Bands die Finger lecken würden. Im Gesamtkontext von “The Incident“ wirken sie allerdings wie ein Zugabe im gewohnten Format, während The Incident ein in vielen Facetten schillerndes Klangmonument darstellt, an dem man lange seine Freude hat, da man es immer wieder neu erkunden kann. Ralf Stierlen, (Artikelliste), 31.08.2009
Für Steven Wilsons neuesten Geniestreich braucht man wirklich starke Nerven. "The Incident" gleicht einer Achterbahnfahrt, mit doppeltem Looping versteht sich, immer rasant und aufregend, kaum einmal längere Verschnaufpausen. Die Gesangspassagen, die sich gerne ruhig und besonnen, mitunter sogar zuckersüß geben (immer auch mit Grußadresse Richtung PINK FLOYD und CAMEL) und in der Regel so etwas wie einen Silberstreif am Horizont darstellen, werden, kaum das man es sich gemütlich gemacht hat, von der vehementen Wucht der Instrumentalpassagen auseinander getrümmert. Die Gitarrenriffs kommen tief aus dem verkrusteten Untergrund, sinister und brandgefährlich, und schmettern dich, einer Abrissbirne gleich, zu Boden. Frank Ipach, (Artikelliste), 31.08.2009
Was konnte kommen nach dem etwas sperrigen "Fear Of A Blank Planet"? Eine Rückbesinnung auf die sehr sphärischen Anfangstage der Band ist "The Incident" - Gott sei Dank - nicht geworden, aber etwas ruhiger als der teils recht ruppige Vorgänger ist das Werk dennoch. Zudem hat Steve Wilson aber den Band-Sound erneut erweitert. Dieses Mal hat er sich in den Bereich Industrial vorgewagt und Anleihen bei NINE INCH NAILS gezogen. Ähnliches hatte sich ja schon auf Wilsons Solo-Werk “Insurgentes“ angedeutet Und überraschenderweise passt das auch bei seiner Hauptband sehr gut zusammen. "The Incident" ist eine konsequente Fortentwicklung von PORCUPINE TREE. Dabei wird der Zuhörer erneut auf eine spannende musikalische Reise mitgenommen, bei der man nie weiß, was hinter der nächsten Wendung oder an der nächsten Gabelung auf einen wartet. Und gerade deshalb gehört Steven Wilson zu den am höchsten geschätztesten Musikern des modernen Progressive Rock - wie "The Incident" erneut beweist zu Recht. Marc Langels, (Artikelliste), 31.08.2009
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