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Live And Unleashed
Pavlov's Dog
Live And Unleashed, Rockville Music/Soulfood, 2011
David SurkampVocals, Guitar, Mandolin
Mike SafronDrums, Backing Vocals
Sara SurkampVocals, Guitar, Percussions
Abbie HainzViolin, Mandolin, Backing Vocals
Bill FrancoGuitar
Nicholas SchlueterKeyboards, Backing Vocals
Rick SteilingBass
Produziert von: Manfred Plötz Länge: 76 Min 06 Sek Medium: CD
01. Preludin09. Episode
02. Of Once And Future Kings10. I love You Still
03. Breaking Ice11.Gold Nuggets
04. I Don't Need Magic Anymore12. Looking For My Shadow
05. Heart Of Mine13. Wrong
06. Late November14. Standing Here With You
07. Not By My Side15. Angeline
08. Theme From Subway Sue16. Angel's Twilight Jump

Logo Pavlov's Dog

Ob man PAVLOV'S DOG das Attribut 'progressiv' zugestehen möchte, kann zu einer abendfüllenden Diskussion ausarten. Außergewöhnlich ist die amerikanische Band allemal, oder um es zu präzisieren, in erster Linie der extreme, ätherische Falsettgesang von David Surkamp. Damit ließ man bereits Mitte der Siebziger aufhorchen. Die beiden ersten Alben "Pampered Menial" und "At The Sound Of A Bell" erreichten Kultstatus und verhalfen der Truppe zu einer kleinen, aber eingeschworenen Fangemeinde.

Da die Band, abgesehen von einem kurzen Intermezzo Anfang der Neunziger, von 1977 an fast drei Dekaden auf Eis lag, bestand nie die Gefahr der Übersättigung. Im Gegenteil, jedes weitere musikalische Lebenszeichen wurde als kleine Sensation gefeiert, selbst wenn sich der künstlerische Wert im überschaubaren Rahmen bewegte.

Nun also 38 Jahre nach der Bandgründung mit einem Backkatalog von immerhin doch ganzen fünf Studioalben, die erste Liveveröffentlichung von PAVLOV'S DOG. Die Erwartungen sind hoch, vielleicht zu hoch, und so stellt sich nach dem ersten Hördurchgang Ernüchterung ein.

"Live And Unleashed" umfasst Stücke aus allen PAVLOV'S DOG-Alben, wobei der Schwerpunkt auf dem Debüt "Pampered Manial" und dem neusten Studio-Album "The Adventures Of Echo & Boo And Assorted Short Tails" liegt. Das geht in Ordnung. Es gibt sogar zwei Songs aus David Surkamps Soloscheibe "Dancing On The Edge Of A Teacup" und einen Ausflug zu seiner wenig bekannten Spielwiese HI-FI. Allerdings: Kein Song Dance, kein Julia Der beste und der beliebteste Song der Bandgeschichte glänzen durch Abwesenheit.

Hat man sich damit abgefunden bleibt ein Livealbum, dass einen recht guten Überblick über das Schaffen der Band aus St. Louis abgibt. Die Markenzeichen, sowohl die folkigen Einsprengsel als auch die dramatisch-epischen Eruptionen, kommen gut zur Geltung.

Surkamps Stimme wirkt überraschend frisch und hat im Laufe der Jahre kaum etwas von ihrem Charakter eingebüßt. Die Livearrangements sind bisweilen etwas erdiger und überziehen die bekannten Stücke dezent mit rauem Charme. Lediglich die Violine hätte ich gerne noch öfter im Mittelpunkt erlebt.

Okay, insgesamt hätte der Sound noch etwas voluminöser ausfallen dürfen, aber besser so, wie durch nachträgliche Flickschusterei den ursprünglichen Livecharakter zu verderben.

So weit, so gut. Für das was auf der CD geboten wird kann man PAVLOV'S DOG nur schwer an den Karren fahren. Ein fader Nachgeschmack bleibt, als hätten LED ZEPPELIN auf "The Song Remains The Same" Stairway To Heaven und Whole Lotta Love unterschlagen.

Martin Schneider, (Artikelliste), 21.02.2011


PAVLOV'S DOG gelten seit ihrem genialen Debut "Pampered Menial" (1975) als Geheimtipp und daran wird auch vermutlich "Live And Unleashed" oder ihr neustes Studioalbum "The Adventures Of Echo & Boo" nichts mehr ändern.

Nichtsdestotrotz vermittelt "Live And Unleashed" einen passablen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens und macht Lust auf einen Konzertbesuch, obwohl essenzielle Stücke wie Julia oder Songdance fehlen und auch David Surkamps einstmals markante Falsettstimme, vergleichbar mit Geddy Lee (RUSH) auf Helium, ihren Wiedererkennungswert verlohren hat. Hier und da rockt es zumeist ganz amtlich (Breaking Ice), anderswo erinnert ein leichter Folkeinschlag verstärkt durch den Einsatz von Piano und Violine an eher poppigere Radiorocker.

Man kann es drehen und wenden, wie man will, "Pampered Menial" gehört in jede ernsthafte Plattensammlung, alles andere und damit auch "Live And Unleashed" ist dagegen nur etwas für echte Fans der Band.

Ralf Frank, (Artikelliste), 22.02.2011


2009 war die legendäre, kultige und immer auch ein wenig geheimnisvolle US-amerikanische Prog Rock Band PAVLOV'S DOG auf ausgedehnter Europatournee. Aus diesem Anlass kam es vor kurzem zu einer absoluten Weltpremiere. Unter dem Titel "Live And Unleashed" erschien nämlich das allererste offizielle Live-Album des Gruppenbestehens.

Die Band entfacht, wie ich im Oktober letzten Jahres höchst selbst erfahren durfte, bei ihren Konzerten eine wahnsinnige Energie, der sich niemand entziehen kann. Ob man will oder nicht, man ist ganz einfach gebannt von dieser Leidenschaft und Hingabe. Leider kommt diese einzigartige Atmosphäre bei diesem Mitschnitt nicht lebensecht rüber. Ihre Ursache dürfte diese Tatsache wohl in dem Umstand finden, dass es sich hier um ein Puzzle aus Stücken unterschiedlicher Auftritte handelt. Im Booklet sind offensichtlich Fotos derjenigen Gastspielorte zu sehen, an denen aufgenommen wurde.

Die Amerikaner/innen können zweifellos für sich in Anspruch nehmen, live allzeit ihr Bestmöglichstes dafür zu geben, den Konzertbesuchern/innen eine schöne Zeit und eine unvergessliche, mitreißende, beeindruckende und stürmische musikalische Erfahrung zu bescheren. Diese für PAVLOV'S DOG so typische Mixtur aus Prog Rock, Folk, hartem Rock und sogar Heavy Metal entzückt ganz sicher jeden, der etwas für ehrliche und ohne irgendwelche Hintergedanken an Chartplätze entstandene Klänge übrig hat. Das Songmaterial und das Können der Musiker/innen sind die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite kommt es natürlich auch auf die Menschen an, die eine Show bestreiten. Und da hat diese Gruppierung noch einen nicht zu überschätzenden Trumpf im Ärmel. Ihren Frontmann nämlich. Mr. Surkamp ist eine echte Rampensau. Der Mann lebt und atmet seine Kunst und hat keinerlei Hemmungen, das Publikum an der Erfüllung teilhaben zu lassen, die sie für ihn bedeutet. Er bringt Körper und Seele in jeden Moment seiner Performance ein und lässt alles raus, was geht. Neben der Musik und Gesang spiegelt sich diese Hingabe vor allem in seinen wunderbaren Wortbeiträgen wider. Der Mann kann Geschichten erzählen, dass es nur so eine helle Freude ist. Doch davon, und das ist der zweite dicke Minuspunkt von "Live And Unleashed", kann sich beim Anhören dieser Konserve niemand so richtig überzeugen, denn Kontakt mit den Gästen, geschweige denn Ansagen und/oder Erzählerei, finden hier so gut wie nicht statt. Sehr schade, weil hier eine riesige Chance vergeben wurde, diese außergewöhnliche Formation authentisch zu präsentieren.

Die Songauswahl ist im Großen und Ganzen repräsentativ ausgefallen. Es wurden alle Studioalben "Pampered Menial", "At The Sound Of The Bell", "Third/Has Anyone Here Seen Sigfried?/The St. Louis Hounds", "Lost In America" (vor Breaking Ice erinnerte David Surkamp an Richard Nadler alias Sigfried Carver, einem längst ausgestiegenen und inzwischen leider verstorbenen, für die Streichinstrumente zuständigen, Gründungsmitglied. Ihm widmete er die gesamte, zu dem Zeitpunkt gerade laufende Tour) und "The Adventures Of Echo & Boo And Assorted Small Tails" berücksichtigt. Selbst zwei Songs von Surkamps Soloalbum "Dancing On The Edge Of A Teacup" sind vertreten (Looking For My Shadow, Wrong) und passen wunderbar ins Programm. So weit, so gut. Auf völliges Unverständnis stößt bei mir dagegen das Fehlen von Julia und Song Dance. Ausgerechnet der einzige wirkliche Hit und ein weiterer großer Klassiker sind auf der ersten Live-Veröffentlichung von PAVLOV'S DOG nicht zu finden. Kann mir das vielleicht mal jemand erklären?

Produzent Manfred Plötz (der Aushilfsschlagzeuger von Aschaffenburg) schneiderte dem Rundling einen ziemlich starken Sound zurecht. Da kann man nicht viel aussetzen.

"Live And Unleashed" stellt, bezüglich seiner musikalischen und klangtechnischen Qualitäten, ein interessantes Konzertdokument dar. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Letztlich überzeugt es mich, vor allem im Hinblick auf die von mir genannten negativen Faktoren, nicht ganz.

Michael Koenig, (Artikelliste), 23.02.2011