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Ruf Records
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Open Road
Open Road, Ruf Records, 2008
Oli BrownGuitar, Vocals
Fred HollisBass (Tracks 4, 5, 9, 10)
Simon DringDrums (Tracks 4, 5, 9, 10)
Guests:
Mike GriotBass (Tracks 1-3, 6-8, 11)
Billy McLelanDrums (Tracks 1-3, 6-8, 11)
Govert Van Der KolmB3 (Tracks 4, 8)
Produziert von: Mike Griot & Thomas Ruf Länge: 43 Min 55 Sek Medium: CD
01. Psycho07. Black Betty
02. Open Road08. Missing You
03. Stone Cold (Roxanne)09. New Groove
04. Can't Get Next To You10. Played By The Devil
05. Shade Of Grey11. Complicated
06. All The Kings Horses

Und weiter geht's, mit den erfreulichen Neuzugängen dieser Blues-Saison. Kürzlich hat mich erst das Joanne Shaw Taylor mit ihrem "White Sugar" verzückt, da wird es schon wieder "Brown". Oli Brown um genau zu sein. Schon wieder ein blutjunger Musiker aus England, der sich dem Blues verschrieben hat. Wenn man bedenkt, was einem da die letzten Jahre alles zu Ohren kam, könnte man fast von einem neuen "British-Blues-Boom" sprechen. Man denke nur an Dani Wilde. Oder Ian Parker. Einer wie Aynsley Lister ist da ja fast schon ein Veteran.
Und jetzt eben Oli Brown, gerade mal 18 Jahre alt. Folgerichtig ist der auf Ruf Records' nächster BLUES CARAVAN Tour - die unter dem Untertitel "Fresh Blues" läuft - mit an Bord. Dazu jene Joanne Shaw Taylor und Nordeuropas Antwort auf Bonnie Raitt: Erja Lyytinen - das dürfte ein richtig toller Abend werden.

Die Schule hat Oli Brown zugunsten seiner Einstellung: "Everything I need to know, I can learn on the road" geschmissen und diese "Open Road" offenbart sich mit diesem Debütalbum und bereits einigen geernteten Lorbeeren, die ihm u. a. eine ganze Seite im englischen "Classic Rock Magazin" eingebracht haben.
Psycho untermauert vom ersten Lick an die klassische 3-Mann-Blues Stilrichtung. Der Sound klingt satt und druckvoll und mit funky Rhythmen wird der Hörer gleich zum Mitgrooven animiert. Dabei agiert die Band äußerst dynamisch und Oli Brown lässt zwar Hendrix-Einflüsse durchleuchten, verliert sich aber nicht ermüdenden Improvisationen, sondern gestaltet das so intelligent wie erdig.
Der Titelsong groovt sich noch etwas bodenständiger ein. Zu dem ziemlich cleanen Gitarrensound, passen die perfekt akzentuierten Riffs trefflich und reiben sich bestens mit dem erstaunlich rauen Gesang. Live wird das sicher etwas wilder werden und - ich schätze mal - da werden sich schon einige darauf freuen.
So wie auf Stone Cold (Roxanne), welches zwar mit dem vertrauten, jumpy, Blues-Riff beginnt, das auf jedem Stevie Ray Vaughan mindestens einen Song bestimmt, aber zwischendurch immer richtig derb zur Sache geht und es ordentlich krachen lässt. Auch da bin ich auf die Live-Version gespannt.
Can't Get Next To You kennt man aus der Soul-Ecke, z.B. von den TEMPTATIONS und Al Green, und auch hier finden sich entsprechende Elemente, aber unter Browns Führung, kommen auch immer wieder starke Blues- und Rock-Anleihen hinzu. Die zusätzliche Hammondorgel ergänzt hier so schön wie unaufdringlich.

Zu den Mentoren von Oli Brown zählen sich John Mayall, Walter Trout und auch Robben Ford. Das jazzig-bluesige Shade Of Grey dürfte dem und dessen Anhängern bestens gefallen. Flott und tanzbar, mir aber etwas zu einförmig.
Da mag ich es schon lieber, wenn für Luther Allisons All The Kings Horses wieder mehr dirty Bluesfeeling auf die Straße gebracht wird. Toll, wie die Band einen unterschwellig brodelnden Background inszeniert, aus dem Browns Gitarre hervorbricht.
Eine Coverversion von Black Betty muss man lange suchen. Dabei war schon RAM JAMs 70er-Jahre-Version nur ein Cover von Huddie Ledbetters Original, aber halt so erfolgreich und prägend, dass sich kaum noch jemand daran gewagt hat. Oli Brown "strippt" das Ding einfach runter aufs Wesentliche, lässt alle holländischen Solo-Spielereien weg, konzentriert sich auf den Rhythmuspart und kreiert tatsächlich eine mitreißende Nummer, die sich im Blues-Jam Teil nur kurz bei der bekannten Single bedient. Schade, hatte ruhig länger dauern können.
Mit dem Slow-Blues Missing You könnte sich auch bereits erwähnter Ian Parker pudelwohl fühlen und auch Oli Brown schafft es, dass sich einem die Mundwinkel schmerzverzückt nach hinten ziehen.
Dass sich so ein junger Bengel noch bei sattsam bekannten Riffs, wie dem zu New Groove, bedient, ist normal und stört auch kaum, wenn dabei so fein groovende Nummern heraus kommen. Das ist alles nicht überspektakulär, aber trotzdem so gut gemacht und hervorragend klingend, dass sich mancher, der vielleicht schon länger im Geschäft ist, warm anziehen sollte.
Oli Brown lässt es locker swingen - wie in Played By The Devil - rocken, rockt, oder peppt den Blues mit moderneren Rhythmen auf. Im abschließenden Complicated erinnert er mich dabei etwas an Jason Mraz.
Diese "Open Road" hat sich eben erst vor uns geöffnet und schon biegt man ein und hofft, dass die Ausfahrt nicht so bald kommen wird. Jedenfalls nicht, bevor man diesen Jungen mitsamt dem BLUES CARAVAN eingeholt hat.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 26.12.2008