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Home Before Dark
Home Before Dark, Columbia, 2008
Neil DiamondVocal & Guitar
Mike CampbellGuitar & Bass Guitar
Smokey HormelGuitar & Bass Guitar
Benmont TenchKeyboards
Matt SweeneyGuitar
John PolonskyGuitar
Produziert von: Rick Rubin Länge: 63 Min 02 Sek Medium: CD
01. If I Don't See You Again07. Act Like I Am
02. Pretty Amazing Grace08. Whose Hands Are These
03. Don't Go There09. No Words
04. Another Day (That Time Forgot)10. The Power Of Two
05. One More Bite Of The Apple11. Slow It Down
06. Forgotten12. Home Before Dark

Auf seiner aktuellen Tournee bekommen seine Evergreens natürlich den größeren Platz und den größeren Beifall, aber ein paar der "12 Songs" sind doch dabei und reißen den ein oder anderen zu lautstarkem Beifall hin. Mit jenem Album hat Neil Diamond, nicht nur beim Kollegen Ipach, vor drei Jahren für Begeisterung gesorgt. Wer hätte von dem Barden noch viel erwartet? Alles, was der Rede wert war, lag schon bald Jahrzehnte zurück. Der Schachzug sich mit dem Kult-Produzenten Rick Rubin zusammenzutun, verhalf schon einem Johnny Cash zum so-und-so-vielten Frühling. Die Zusammenarbeit mit Rubin ist nicht immer leicht und einige haben sich mit ihm versucht und sind gescheitert. Einer bei dem es wieder mal richtig gut funktioniert ist Neil Diamond und so folgt mit "Home Before Dark" natürlich die Fortsetzung der Erfolgsstory. Besetzungstechnisch hat sich praktisch nichts getan, sprich, Mannen aus dem Tom Petty Umfeld und ein paar weitere 'Cracks'.
Musikalisch verändert sich natürlich auch nicht viel. Also spartanisch und Stimme- und songorientiert. Das bewährte Rezept der 'American Recordings'.
Man fühlt sich bei If I Don't See You Again auch gleich an Cash erinnert. Neils Stimme ist mittlerweile, jedenfalls in den tieferen Frequenzen, gar nicht so weit von der des 'Man In Black'. Ein weitere Gemeinsamkeit ist sicherlich die Fähigkeit, mit einem halben Satz oder einem Luftholen urplötzlich eine neue Dynamik in einen Song zu bringen. Und natürlich das Talent, den Zuhörer mit seiner Stimme zu bannen, ihn an imaginären Lippen hängen zu lassen und der Geschichte gespannt zu folgen. Ein Storyteller von höchsten Gnaden!

Die Instrumentierung erfolgt ebenfalls nach bewährter Art. Stimme und Gitarre. Drumherum blendet sich hier mal eine Orgel ein, dort ein Piano. Auf ein Schlagzeug verzichtet man ebenso problemlos wie nahezu unbemerkt.
Es reichen die Worte, der Gesang, des Mannes, der auch so viel abgenutzte Worte wie 'Amazing Grace' in einen ansprechenden neuen Song münden lassen kann. Wenn anderswo Streicher endlos nerven, sorgen sie hier für eine zusätzlich erhebende Stimmung.
Irgendwie kommt mir bei dieser Scheibe auch häufig der Name Elliott Murphy in den Kopf. Der wird nie die Verkaufszahlen von Mr. Diamond erreichen, obwohl er manchmal frappierend ähnlich klingt. Gerade wenn Neil seine Stimme erhebt.
Als Gaststimme ist Natalie Maines, Lead-Sängerin der DIXIE CHICKS, beim Duett Another Day (That Time Forgot) mit an Bord. Und wenn ich eben von Elliott Murphy sprach, dann ist die Ähnlichkeit hier vielleicht am größten. Alles andere tritt in den Hintergrund, wenn solch außergewöhnliche Stimmen erklingen.
Mit One More Bite Of The Apple werden erstmals deutliche Ähnlichkeiten zu Neils großen Hits vergangener Tage offenbar. Was für ein wundervoller Lärm!
Mit so einer Truppe hochkarätiger Musiker, kann sich ein Neil Diamond auch problemlos mal in den Roots-Rock Bereich begeben, wie bei Forgotten, ohne die Folkwurzeln zu verlassen. Wenn er in Act Like A Man, zur lässig geschlagenen Akustikgitarre, mit "Song..." ansetzt liegt dem Hörer das "...sung blue" schon auf der Zunge, aber natürlich ist das ein anderer Song. Die Stimme, vielleicht etwas knarziger, hat aber von ihrer Magie nichts verloren und beeindruckt auch in dieser Country-Ballade.

Ein wichtiger Song auf diesem Album scheint mir Whose Hands Are These zu sein. Wieder nur mit dem Nötigsten unterzeichnet, aber von einer Stimme getragen, die so präsent ist, als wären die Worte zentimetertief in den Boden gegraben. Okay, ich geb's zu: Auf meine/seine alten Tage, werde ich wohl noch zum Neil Diamond Fan.
No Words würde auch im Fundus von Tom Petty nicht schlecht aussehen und The Power Of Two würde ich gern mal live hören.
Mit dem Titelsong endet dieses Album und wieder ist es ein sparsamer, intensiver Song, wie man ihn ähnlich auch von Johnny Cash auf seinen letzten Alben gehört hat. Ein wundervoll melancholischer Song und ein perfekter Abschluss für dieses Album.
Erneut zwölf Songs sind es geworden, eine klasse Scheibe und ein unverzichtbares Teil für Fans aller genannten Künstler. Anscheinend ist Neil Diamond noch bei recht guter Gesundheit und so möchte ich ihm zum Schluss, mit den Worten seines Vornamenskollegen zurufen:
Long may you run!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 29.05.2008