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Death Magnetic
Death Magnetic, Universal Music, 2008
James HetfieldVocals, Guitar
Kirk HammettGuitar
Robert TrujilloBass
Lars UlrichDrums
Produziert von: Rick Rubin Länge: 74 Min 42 Sek Medium: CD
01. That Was Just Your Life06. Cyanide
02. The End Of The Line07. The Unforgiven III
03. Broken, Beat & Scarred08. The Judas Kiss
04. The Day That Never Comes09. Suicide & Redemption
05. All Nightmare Long10. My Apocalypse

Von METALLICA hat nach der "Near-Death-Experience St.Anger" (O-Ton James) eigentlich keiner nix mehr erwartet. Warum auch. Die Leute sind mehrfache Multimillionäre, haben die besten Jahre eigentlich auch hinter sich. Das Projekt "Wirf den Fans was vor und sie werden es schon fressen" ist misslungen, gründlich sogar. Zwar füllen sich die Arenen bei METALLICA immer noch, das liegt aber eher an den alten Songs, "St.Anger" Stücke sucht man vergeblich in der Setlist.

Dass METALLICA mit dem im Web tierisch gehypten "Death Magnetic" (partielle Soundschnipsel auf YouTube, ab und an ein kompletter Song im Netz zum Stream, massig Einsichten in die Studioarbeit) noch mal ein (musikalisches-) Comeback starten, hat wohl jeder bezweifelt. Gerade wenn man die Spannung dermaßen steigert ist ein Enttäuschung vorprogrammiert. Das zuerst bei Live Konzerten vorgestellte Cyanide ließ in mir Hoffnung erwachen, da der Song doch viele Elemente der "alten" METALLICA enthält, und nun, seitdem ich das Album gehört habe, kann ich nur mit einem Wort sagen: JA!

"Death Magnetic" ist der legitime Nachfolger von ".And Justice For All". Vergesst das weichgespülte "Black Album", hier gibt es die Straightness von "Kill'em All" und die songschreiberische Qualität von "Master Of Puppets" oder "Ride The Lightning", ohne zu vergessen das seit den Alben 20 Jahre vergangen sind. Dieses Album hat keine Ausfälle, hier gibt es Tonnen von schweinegeilen Riffs, die immer wieder Reminiszenzen an die guten alten Zeiten, die NWOBHM, erwecken. Die Twin Guitars erinnern stark an THIN LIZZY, Kirk und James solieren in halsbrecherischen Tempi bis der Arzt kommt. Suicide and Redemption ein 10 Minütiges Instrumental entwickelt sich zu einem Groovemonster, nicht zuletzt durch die gute Bassarbeit Robert Trujillos. Mit The Unforgiven III liefert man eigentlich den einzigen Verschnaufpunkt, schön und balladesk. Ansonsten ist Nackenbrechen angesagt, That Was Just Your Life (zeigt leichte "St.Anger" Anleihen bei der Gitarrenarbeit), Broken, Beat and Scarred (Thrasher!), The Judas Kiss (hätte genau so auf der "Masters" stehen können). sagenhaft. Es tut mir fast körperlich weh, das zu sagen, aber Lars Ulrich liefert eine Drumarbeit, die sich gewaschen hat, man möge sich nur All Nightmare Long anhören, nebenbei schöne sich duellierende Gitarren in dem Song und im Intro die METALLICA Signature Riffs. großartig!

Ich war bereit und willig, das neue METALLICA Werk zu verreißen, aber ich kann's nicht, das Album ist einfach gigantisch. Das Teil kann man auf Dauerrotation stellen und es wird nicht langweilig. Unglaublich aber war:
MET IS BACK!

Noch eine Mitteilung in eigener Sache, obwohl das Album schon 10 Tage vor Release im Internet rumschwirrte, wurden wir erst am Tag des Release mit dem Album bemustert. Lars Ulrich, seines Zeichens Napster Verklager, sah die Sache gelassen: "Ich bin froh, das es erst 10 Tage vorher war." Insofern konnten wir nicht eher mit einem Review dienen, denn die Meinungen der Kollegen mussten ja auch erst gesammelt werden, und die kommen jetzt zu Wort:

Jörg Litges, (Artikelliste), 17.09.2008

Nachdem es zunächst noch ganz spannend anfängt, schaffen es METALLICA recht bald, mich mit sinnentleertem Hochgeschwindigkeitsgeschrubbe anzuöden. Sicher, das ist bestimmt eine feine Leistung, in solchen Tempi spielen zu können, sofern man das live auch koordiniert bringt, aber für mich ist der Speed-T(h)rash von That Was Just Your Life - und dann auch noch fast acht Minuten lang! - kein sonderlich toller Einstieg.
Schön, ein paar Halswirbel konnte man sich mit dem Opener problemlos ausrenken und auch The End Of The Line strotzt vor blitzartiger Gitarren- und Drum-Breaks zu denen das Hirn gern in der Kaltschale rotiert. Hängen bleibt bei mir nix, außer ein paar orientalisch anmutende Melodieversuche. Lediglich Hetfields Gesang gefällt mir ziemlich gut. Hemmets hingew.... Gitarrensolo dafür weniger. Lars Ulrich hat ein paar Timingprobleme, nicht?
Broken, Beat & Scarred erschreckt mit einem aufgedrehten Intro, lockt dann ganz gut rockig aber letztendlich zu wirr, um gefallen zu können.
The Day That Never Comes - brrr, ich wollte der Song täte es ihm gleich. Wo ist da der Sinn? Kann man sicher gut zu abrocken, aber kann man bestimmt zu manchem Techno-Gedröhn auch.

Außerdem geizt mir James Hetfield zu sehr mit Gesang, wo er doch richtig gut klingt. Na ja, ist wohl erhöhte Konzentration beim Rhythmusgedresche gefragt. So könnte aber All Nightmare Long auch ein Proberaum-Outtake sein.
Wenigstens bei der Ballade The Unforgiven III werden sie vernünftig? Schon, aber dieser Lars ist nicht im Zaum zu halten. Nee, da will sich keine Linie entwickeln, außer der, dass man in der eigenen Zelle rotiert wie auf.... Speed eben. Dabei wären die zweistimmigen Gitarrenläufe sogar ganz erfrischend.
Back to the roots scheint mir das Motto von METALLICA zu sein, aber muss man alles gelernte dafür über Bord werfen? The Judas Kiss gehört da noch zu den besseren Stücken, aber eigentlich bin ich froh, wenn das Album durchgerauscht ist. Hinterher ist man gut aufgekratzt, der Nacken schmerzt, das überdehnte Handgelenk ebenso und man weiß nicht mal so recht warum. Auch bei weiteren Durchläufen bleibt kaum was hängen. Zum drauf, durch und weg wunderbar geeignet, aber wie sagte doch Paul Rodgers während eines Konzertes mal so treffend zu einem unbelehrbaren Zwischenbrüller: "It's good, but it's not musical". Auf den apokalyptischen Anbiederungsversuch am Schluss kann ich dann auch verzichten.

Epi Schmidt, (Artikelliste)

Der Kauf des neuen METALLICA-Albums "Death Magnetic" lohnt sich allein schon wegen der drei ersten Tracks, die alle Bedenken über vergangene Schlafmützigkeit und Alterstarrsinn hinwegfegen. Wow, da wird so mächtig gerockt, dass die Pumpe, die im Intro so gemächlich vor sich hin wummert, ganz schnell auf mindestens 120 Umdrehungen hochschnellt.

The end of the line und Broken beat and scarred zeugen absolut von wieder gewonnenem Selbstvertrauen und Spielfreude. Producer Rick Rubin hat den Herren einen "what don't kill ya make you more strong"-Sound auf den Leib geschneidert. Die Gitarrenriffs donnern satt und feist. Die Sologitarren gefallen mir indes nicht sonderlich, aber egal, als Hard-Rock-Fan alter Schule mochte ich die Hochgeschwindigkeits-Soli der Heavy-Metal-Giarristen eh nie sonderlich, weil mir die Erdverbundenheit und der bluesige Unterton einfach zu kurz kommt. Auch Drummer Lars Ulrich schlagzeugt meiner Meinung nach immer noch wie ein gefangener Tiger im Käfig, wütend, schäumend, aggressiv und mit starrem Blick geradeaus und ohne das hin und wieder angebrachte Feingefühl, das selbst bei einem Heavy-Drummer in manchen Passagen von Nöten ist.

Doch ansonsten haben sich METALLICA offenbar aus ihrem Kreativitätsloch heraus manövriert, wobei das 10-minütige Instrumental Suicide & Redemption schon jetzt einen Ehrenplatz in der Loge der Metal-Klassiker gebucht hat. METALLICA lebt.

Frank Ipach, (Artikelliste)

Seit der Veröffentlichung des Hassklumpen "St. Anger" werden METALLICA mehr oder weniger auf ihren Snare-Sound reduziert. Selber schuld, sag ich mal. Denn das war schon ein mittelschweres Verbrechen. Und komme mir bitte keiner mit irgendwelchen Erklärungsversuchen, METALLICA wollten roh oder sonst wie klingen. Nein, der Sound dieses durchaus wichtigen Klangkörpers war beschissen und hat viele der potentiellen Hörerschaft den Zugang zu diesem Album von vornherein schon mal verbaut. Somit war einer der meist gestellten Fragen: Wie wird sich das Schlaginstrument auf der neuen Scheibe anhören? (Nehmen wir es vorweg, es geht in Richtung ".And Justice For All")

Noch was bewegt die Gemüter vor dem Release von "Death Magnetic": Bitte, bitte nicht schon wieder so `ne Psycho-Scheiße!!! "St. Anger" war an sich gar nicht so verkehrt. Es war eine Momentaufnahme, es war emotional, es war einfach anders. Nicht mit vorangegangen Alben zu vergleichen. (Ein Glück, wenn man einfach mal an "Re-Load" denkt). Und, es war ehrlich. Klar, nach Veröffentlichung war es nun am geneigten Hörer, die Platte für gut oder schlecht zu befinden. Aber so ist das nun mal. Und rückblickend betrachtet, kamen sehr viele mit den "neuen" METALLICA ganz gut zurecht. Was allerdings ganz und gar verkehrt war, die Scheibe als Therapie verkaufen zu wollen. Was soll das? Vor allem, nach mehrmaligen Genuss der entsprechenden DVD ist eines klar: Das war kein "Some Kind Of Monster", das war "Some Kind Of Ego-Tripping". Und das braucht nun wirklich überhaupt kein Mensch.

Zum eigentlichen Thema: "Death Magnetic".
METALLICA sind wieder zu viert. Und das ist prima. Das Album hat absolut Drive. Es groovt und hämmert. Ein anständiger Basser hat schon jeder Kapelle gut zu Gesicht gestanden. Im Besonderen dieser Thrash-Legende. Trauern nicht auch heute noch viele dem viel zu früh verstorbenen Cliff Burton nach. Und auch Jason Newsted war kein schlechter. Der Tieftöner ist eben nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern treibt die Songs mitunter mächtig nach vorne. Und so steigen die Herren mit That Was Just Your Life überzeugend ins neue Album ein. Geiles Riffing, geile Soli und Druck, dass es knallt. Ein Nackenbrecher wie wir ihn von METALLICA lieben. Die Jungs zeigen eindeutig Spielfreude. Ein Grinsen macht sich breit. Der Fan ist selig. The End Of The Line, welches dem Opener folgt, regelt im Stile von "Master Of Puppets". Und ganz ehrlich: Was will man mehr. Erneut headbanging stuff. Schwitzen ist angesagt. Das anschließende Broken, Beat & Scarred ist einfach nur böse. Denn hier knallt es mal richtig. Alle Geschütze sind aufgefahren.
Im Gegensatz dazu ist Song 4 wohl das, was man landläufig ein "notwendiges Übel" nennt: Die Vorab-Single. Nicht wirklich schlecht, nicht wirklich gut. Irgendwie halbgar. Kompromisslos ist anders.

Ein Glück gewinnen METALLICA die Metalheads mit All Nightmare Long umgehend zurück. Das ist es, was wir wollen. Der beste Song auf dem Album. Dieses Geschoss bietet einfach alles was man sich von dieser Band erwünscht. Hartes, schnelles Riffing, ein Lars Ulrich in Bestform und James Hetfield schreit sich die Seele aus dem Leib, wie er es zuletzt auf "Master." getan hat. Grandios.
Cyanide haut in die gleiche Kerbe. Nur steht hier ein grooviger Bass im Vordergrund. Wobei, der Song ist bei weitem nicht so schnell wie der Vorgänger, aber auch dieser wirkt wie aus einem Guss.
Leider kann die folgende Nummer nicht ganz mit dem Niveau des bisher gehörten mithalten. The Unforgiven III überzeugt allenfalls mit seinem "bluesigen" Flair, ist aber irgendwie zu lang geraten. "The Judas Kiss" hingegen geht wieder voll ok. Rhythmuswechsel, spannende Songstruktur und wenn es drauf ankommt immer auf die Zwölf. Hier spielt auch Kirk Hammett endlich wieder die Art von Solo, die wir so lieben. Suicide & Redemption hingegen ist ein kompletter Ausfall. Ein 10-minütiger Langweiler. Instrumental. Unnötig. Zeitverschwendung. Richtigerweise lassen METALLICA es jetzt nochmals richtig krachen: My Apocalypse. Hart, kompromisslos, auf die Fresse. "Master." lässt grüßen. Und dieser Song beschließt das Album. Bums. Aus. Stille.

Fazit:
Man kann und darf "Death Magnetic" nicht mit den Vorgängern vergleichen. METALLICA waren, wenn nicht auf dem Holzweg, so doch auf Abwegen. "Load", "Re-Load", "St. Anger" war für viele früheren Fans grenzwertig, wenn nicht gar ein Verrat. (Aber so hieß es schon beim "Schwarzen Album"). Nein, METALLICA sind gerade dabei sich neu zu (er-)finden. Und sie geben sich redlich Mühe. Wenn sie es nicht gar geschafft haben.Ich kann diese Scheibe nur vorbehaltlos empfehlen. "Death Magnetic" ist die Momentaufnahme einer großartigen Band, der größten Metal-Band aller Zeiten. Begleiten wir sie auf ihrem Weg, der hoffentlich noch lange nicht zu Ende ist. Sie sind zurück, aber das waren sie auch nach "St. Anger". Nur haben sie diesmal den ganzen Psycho-Schrott hinter sich gelassen. Hoffen wir, dass es so bleibt. Denn keiner braucht ein zweites "Some Kind Of Anything". Therapy sucks!.

Thorsten Philipp, (Artikelliste)

Es ist mal wieder soweit: die Veröffentlichung einer neuen METALLICA-Studio-Scheibe liegt an und die gesamte Metalwelt richtet vereint ihre Blicke Richtung Bay Area.
Auch bei mir ist seit "Ride The Lightning" die Band immer eine Herzensangelegenheit gewesen, obwohl ich die Platten von Hetfield & Co seit "Load" regelmäßig mit leicht enttäuschtem Kopfschütteln quittieren musste.

Groß angekündigt wurde "Death Magnetic" ja schon im Vorfeld als ein Schritt zu den Anfängen der Band, als sie mit "Master Of Puppets" DAS Metalalbum der 80er herausbrachte. Ich halte in der Regel nichts von solchen Ankündigungen, da auch schon bei "St. Anger" mit solchen Floskeln gearbeitet wurde und letztendlich doch nicht das dabei herauskam, was man sich erhofft hatte. Lassen wir also die Fakten sprechen.....
Zu erst einmal fällt auf, dass METALLICA ihr altes Logo aus der Versenkung gekramt haben und der "Angelhaken-Schriftzug" wieder das Cover von "Death Magnetic" ziert. Außerdem scheint die Band erneut auf längere Tracks mit durchschnittlich 7 1/2 Minuten Dauer zu setzen und vom Aufbau auch ein ähnliches Konzept wie bei den Releases der 80er und frühen 90er zu verfolgen.
Und ich nehme es gleich vorweg: auf dem Album gibt es nach Jahren der Entbehrung viel Licht, aber auch den ein oder anderen Schatten zu entdecken.
Mit That Was Just Your Life und The End Of The Line startet das Album gleich mit zwei Hämmern, die den 80er-Jahre-Metalheads die Freudentränen in die Augen schießen lassen werden.
Nach dem obligatorischen Mid-Tempo-Song Broken, Beat & Scarred, den ich nicht so weltbewegend finde, folgt mit The Day That Never Comes quasi "Fade To Black/Welcome Home/One - Part II".
Auch der weitere Ablauf des Albums, von denen ich All Nightmare Long und My Apocalypse noch als weitere Highlights nennen möchte, orientiert sich doch sehr stark an den Strukturen von "And Justice For All" (um nicht böswilligerweise von einer Kopie zu sprechen).
Das gilt leider auch für den Sound, den man an einigen Stellen für ein Metalalbum als nicht mehr zeitgemäß einstufen muss. Und hier ist insbesondere der Schlagzeugsound zu nennen.
Dafür entschädigt allerdings die Tatsache, dass die Gitarrenriffs wieder den nötigen Biss haben und der Gesang von James Hetfield in seiner Agressivität zugelegt hat. In My Apocalypse erinnert er teilweise sogar an Tom Araya.
Letztendlich bieten METALLICA den Fans mit "Death Magnetic" genau das, was sie indirekt angekündigt haben, nämlich die Fortsetzung zu "And Justice For All". Dies hat zum einen den Vorteil, dass endlich die seit langem erhoffte Qualität in einigen Songs wieder eingekehrt ist. Andererseits weiß ich nicht, ob METALLICA sich einen Gefallen damit getan haben, sich so offensichtlich an der Vergangenheit zu orientieren. Denn, obwohl "Death Magnetic" mit Sicherheit das beste Album der Amerikaner seit 15 Jahren ist, muss die Scheibe erst noch beweisen, dass sie den Fans auch langfristig im Gehörgang haften bleiben wird.

Kay Markschies, (Artikelliste)

Der METALLICA Virus wurde vor ca. 25 Jahren durch Tapetrader in die Welt getragen, hey, also quasi ein Jubiläum.
Nebenbei, ohne die Tapetrader wären METALLICA nie so schnell und so groß geworden, daran sollte man sich bei heutigen Prozessen gegen kleine Filesharer vielleicht mal erinnern. Aber sei's drum, die Szene war hin und weg und mit ihren ersten drei Studioalben setzten METALLICA Meilensteine. Ich bekam mein Tape damals im 'Dynamo' in Eindhoven und es ist auch heute noch mein Fave der Band, nicht nur weil Dave Mustaine dort die Seiten zerrt, nein, es ist diese Frische, Unbekümmertheit, ja, jugendlicher Sturm und Drang. Lars Ulrichs Liebe zum NWOBHM troff aus jedem Riff, Solo und Melodiebogen, vieles war, na sagen wir es mal freundlich, entlehnt.
Irgendwann Ende der 80er waren METALLICA überlebensgroß und der Szene mehr oder weniger entrückt.
METALLICA waren kommerziell, radio- und massentauglich, die Ticketpreise in Sphären abgehoben, die einen bodenständigen Headbanger nur noch den Kopf schütteln ließen, aber leider nicht aus Rhythmusgefühl. Für mich war das Kapitel METALLICA damit abgeschlossen. Das krawallgebürstete Krachmacheralbum "St. Anger" war nur ein weiteres Beispiel des Verfalls. Was sollte danach wohl noch kommen?
Ganz genau, eine echte Rückbesinnung auf die Wurzeln und genau das ist wider Erwarten mit "Death Magnetic" gelungen. Das Album strotzt nur so vor Reminiszenzen an alte Zeiten, die Power von einst, die Riffs, die Soli, die Melodiebögen, bei denen neben alten Genregrößen wie THIN LIZZY oder DEEP PURPLE natürlich auch mit z. B. The Unvorgiven III die eigenen Klassiker bemüht werden. Die Garage Days wurden ja bereits vielfach beschworen, mit "Death Magnetic" hat man sie tatsächlich wiederbeleben können.
Trotz einiger kruder Breaks und Soli, eines zum Teil amateurhaften Getrommels, bieten METALLICA knapp 75 Minuten allerfeinsten Heavy Metal. Ein neuer Meilenstein, den man getrost in einem Atemzug mit "Kill 'Em All", "Ride The Lightning" und "Master Of Puppets" nennen darf bzw. muss.

Ralf Frank, (Artikelliste)

Also, die Vorzeichen waren ja nicht so richtig gut: die Vorabauskoppelung The Day That Never Comes war doch eine etwas schlappe Variation (um nicht zu sagen Kopie) von One. Das De Luxe-Boxset im Sarg für 100 Ocken ist eine alberne Abzocke und die Erinnerung an das Vorgängeralbum bereitet heute noch körperliche Schmerzen. Aber nach drei Komplettdurchläufen (und damit schon mehr als "St. Anger" bei mir geschafft hat) finde ich "Death Magnetic" dann doch recht gelungen. Auch wenn der Klang (trotz Rick Rubin) nicht richtig zufrieden stellend ist und sich Lars Ulrich auch in diesem Leben keinen Platz mehr in der Hall of Fame der Drummer erspielen wird - das klingt doch alles ganz manierlich und stellenweise auch wieder nach Thrash. Die Songs gehen ok, haben auch die richtige Länge und Rob Trujillo am Bass erweist sich immer mehr als echter Gewinn. Selbst das Instrumental Suicide & Redemption weiß mit mächtig Groove zu punkten. Highlights sind für mich The End Of The Line (ich habe ja auch nichts gegen Prog) und The Judas Kiss. Insgesamt doch ein mehr als versöhnliches Ergebnis mit ein bisschen Rückbesinnung auf alte, glorreiche Zeiten.

Ralf Stierlen, (Artikelliste)