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Live At The Bass Performance Hall
Live At The Bass Performance Hall, Reprise Records, 2008
Lindsey BuckinghamVocals, Guitar
Neale HeywoodGuitar, Vocals
Taku HiranoDrums
Brett TuggleBass, Keyboards, Vocals
Lindsay VannoyAdditional Keyboards
Produziert von: Tom Consolo and Lindsey Buckingham Länge: (CD) 73 Min 05 Sek Medium: CD & DVD
DVD:
1. Not Too Late10. I'm So Afraid
2. Trouble11. I Know I'm Not Wrong
3. Never Going Back Again12. Tusk
4. Second Hand News13. Go Your Own Way
5. Cast Away Dreams14. Holiday Road
6. It Was You15. Show You How
7. Big Love16. Shut Us Down
8. Go InsaneBonus:
9. Under The Skin"Not Too Late" Documentary
CD:
1. Not Too Late9. Under The Skin
2. Trouble10. I'm So Afraid
3. Never Going Back Again11. I Know I'm Not Wrong
4. Second Hand News12. Go Your Own Way
5. Cast Away Dreams13. Holiday Road
6. It Was You14. Show You How
7. Big Love15. Shut Us Down
8. Go Insane

Audio-Alben mit DVD-Beilage sind mittlerweile schon recht häufig anzutreffen. Hierbei handelt es sich jedoch ausdrücklich um eine DVD mit "bonus live audio CD". Für den Käufer bleibt es sich im Endeffekt gleich, das Hauptaugenmerk lege ich trotzdem auf den visuellen Mitschnitt dieses Konzertes von Lindsey Buckingham.
Trotz all seiner herausragenden Qualitäten als Songschreiber, Gitarrist und Sänger, empfand ich Buckingham bei FLEETWOOD MAC immer irgendwie im Schatten der anderen: Mick Fleetwood und John McVie als Namensgeber der Band, die Ladies Stevie Nicks und Christine McVie als optische und stimmliche Aushängeschilder. Vielleicht hat mancher oft gar nicht richtig realisiert, dass Lindsey Buckingham etliche der größten Hits der Band geschrieben und gesungen hat. Zugegeben, seine Stimme hat manchmal auch etwas Feminines an sich.
Bevor nun im September mit "Gift Of Screws" sein nächstes Solo-Album erscheint, gibt es mit "Live At The Bass Performance Hall" einen feinen Mitschnitt des Konzertes in Fort Worth Texas, am 27. Januar 2007. Erstmals nach fast 14 Jahren tourte der Künstler wieder solo durch die Staaten und war, zu dem Zeitpunkt immerhin schon 58, in hervorragender Form. Seine Mitmusiker wohlweislich im Halbkreis und Halbschatten um ihn gruppiert sieht man gleich, wer hier der Star ist. Die Konzerthalle, offensichtlich ein altes Theater, liefert ein tolles Ambiente und irgendwie "fühlt" sich das mehr nach New York, denn nach Texas an.
Egal, Lindsey betritt die Bühne und eröffnet zunächst allein den Abend.

Schon mit dem ersten Song, Not Too Late, von seinem bis dato letzten Solo-Album "Under The Skin", zeigt er seine Klasse. Zweifel an seiner Stimme verflüchtigen sich umgehend und was er an Fingerpicking auf der Gitarre drauf hat, ist für einen Pop-/Rockgitarristen schon fast einzigartig. Da ersetzt er locker eine zweite Gitarre mit. Klar sind da ein paar rauere Kanten im Gesang zu entdecken, aber die machen es, gerade live, eher noch spannender. Dazu versteht er es, einen Song äußerst dynamisch zu gestalten. Vom fast Flüstern bis zum fast Schreien reicht seine Stimme und die Finger seiner rechten Hand zupfen die Saiten entsprechend. Streicheln sie nahezu, oder reißen schon fast extrem an ihnen, ohne sich auch nur einen Moment von Genauigkeit oder Schnelligkeit zu verabschieden. Schon jetzt eine Demonstration! Der Jubel aus dem Publikum unterstreicht das.
Mit Trouble folgt eine wundervolle Ballade von seinem 1981er Album "Law And Order". Hätte man sich auch gut auf einem FLEETWOOD MAC Album vorstellen können. Auf Plektren verzichtet Buckingham komplett und seine Gitarren sind ausschließlich akustischer Natur, wie man es von ihm kennt. Was nicht heißen soll, dass er darauf nicht auch richtig fetzen kann! Für Gitarristen ist diese DVD auf jeden Fall empfehlenswert, wenn nicht ein Muss!
Lindsey weiß natürlich, was er seinem Publikum schuldig ist, und das gezupfte Intro zu Never Going Back Again löst gleich Freudenschreie aus. Klasse, wie er mühelos seinen Gesang und das ausgefuchste Gitarrenspiel unter einen Hut bringt. Erstmals kommen leichte Sorgen bei mir auf, ob seine Stimme den Abend so durchhält, aber offensichtlich interpretiert er den Song bewusst geringfügig anders und die paar kritischen Stellen umschifft er auch routiniert, ohne peinlich zu werden.
Mit Second Hand News - hier steigt die Band mit ein und sorgt für neuen Schub - folgt gleich eine weiterer MAC-Hit und sofort laufen einem wohlige Schauer über die Arme, zumal die Mitmusiker den Backgroundgesang bravourös meistern.

Mit Cast Away Dreams und It Was You geht's wieder zum aktuellen Album zurück und ich krieg langsam den Verdacht, das muss ein richtig gutes Pop-Album sein. Hör ich vielleicht doch mal rein. Gerade das, stimmlich, vertrackte It Was You macht richtig Laune.
Weil ich von Gitarristen sprach: Eine erneute Demonstration - und man kann es nicht anders nennen - ist Big Love. Klar, mit Übung ist fast alles zu meistern, aber so toll zu singen und dazu noch einzigartig Gitarre zu spielen.... Wahnsinn! Der Titel kommt erst so richtig zur Geltung, wenn er, wie hier, von Buckingham allein gespielt und gesungen wird.
Ein weiteres Highlight kommt sofort dahinter: Go Insane, vom gleichnamigen 84er Album. Mit stellenweise klassisch inspiriertem Gitarrenspiel und einer ungeheuren Dynamik fasziniert Lindsey bei dieser Nummer. Vom fast geflüsterten Anfang steigert er sich in eine Intensität, die fast schon beängstigend ist.
Aus seinem FLEETWOOD MAC Fundus kommt das melancholische I'm So Afraid, mit schönen, zweistimmigen, Gitarrenparts mit seinem Gitarristen Neale Heywood. Hat fast was von Ritchie Blackmore's RAINBOW in den 70ern. Hier steigert sich Buckingham wieder richtig rein und mit zugeschaltetem "Verzerrer" wird's dann auch richtig fetzig.
Bei seinen Ansagen wirkt er total gefasst, sanft und ruhig, fast als würde er in Gebet sprechen, aber in den Songs geht er, stellenweise..., ja wie es vorhin schon hieß: "Go Insane". Hier lärmt's richtig geil!
Und ein weiteres Schmankerl kommt: Das treibende I Know I'm Not Wrong, vom "Tusk" Album, dessen Titelsong sich gleich anschließt. Bei Ersterem klingt's tatsächlich fast wie Lindseys alte Band und wenn Tusk folgt, ist die Stimmung auf dem Höhepunkt. Da kann nur noch ein Song vom "Rumours" Album für die Krönung sorgen. Wohl keine Band hat je die zwischenmenschlichen Beziehungen so in ihre Songs einfliesen lassen, und dabei so ein grandioses Album entstehen lassen, wie FLEETWOOD MAC. Wieder mal zu hören in Go Your Own Way, welches von Buckingham mit einigen derben Akkorden eingeleitet wird. In seinem Gesang scheint der alte Groll direkt wieder hochzukommen und in seinem (Solo-) Gitarrenspiel erst recht. Geil!
Drei Songs Zugabe gibt's. Das locker-flockige Good-Time-Stück Holiday Road, meines Wissens nur auf einem Soundtrack in den 80ern veröffentlicht, macht richtig Spaß. Die beiden letzten Songs stammen dann noch mal von "Under The Skin". Show You How verdeutlicht, wie wichtig dieser Mann für FLEETWOOD MAC, ach, für die ganze Welt, als Songschreiber und Sänger war, bzw. ist.
Shut Us Down bringt er dann wieder ganz allein auf der Bühne stehend, nur mit seiner virtuos gespielten Gitarre. In solchen Songs muss ich hin und wieder an Simon & Garfunkel denken. Ein tolles Konzert geht hier zu Ende, welches man sich problemlos öfter ansehen kann. Und wird!
Auf der CD fehlt spielzeitbedingt Tusk. Die DVD wird noch durch die Bonus Documentary "Not To Late" ergänzt, die mir stellenweise zu langatmig gerät, aber u.a. Lindseys Interpretation des alten STONES Songs I Am Waiting enthält.
Ohne Abstriche eine tolle Veröffentlichung.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 15.08.2008