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Johnny Cash pa Österaker (35th Anniversary Edition)
Johnny Cash pa Österaker (35th Anniversary Edition), Sony BMG, 2007 (1973)
Johnny CashVocals, Guitar
WS HollandDrums
Marshall GrantBass
Bob WoottonGuitar
Carl PerkinsGuitar, Vocals
Larry ButlerPiano
Produziert von: Larry Butler & Charlie Bragg (Original Recording) Länge: 58 Min 44 Sek Medium: CD
01. I Walk The Line (Instrumental)13. That Silver Haired Daddy Of Mine
02. A Boy Named Sue14. The Invertebraes (Poem)
03. Sunday Morning Coming Down15. Looking Back In Anger
04. Österaker (San Quentin)16. I Saw A Man
05. Me And Bobby McGee17. High Heel Sneakers (Carl Perkins)
06. Orleans Parish Prison18. Blue Suede Shoes
07. Jacob Green19. Dirty Old Egg Suckin' Dog
08. Life Of A Prisoner20. Wreck Of The Old '97
09. The Prisoner Song21. I Promise You
10. Folsom Prison Blues22. Nobody Cared
11. City Jail23. San Quentin
12. Help Me Make It Through The Night24. Folsom Prison Blues (Instrumental)

Ich kann mich noch gut am die ersten Male erinnern, als ich Johnny Cashs "At San Quentin"-Album hörte. Damals natürlich noch in der LP-Fassung und somit nur Auszüge aus dem Konzert, welches uns Jahre später komplettiert auf Silberling kredenzt wurde.
Die Faszination ging von dieser Stimme aus, von der Atmosphäre, auch von den "ausgepiepsten" Ansagen (was für Worte waren das?!) und von der, ja, "künstlerischen Unverfrorenheit" den Song San Quentin gleich zweimal direkt hintereinander zu spielen. Mal abgesehen davon, dass man (ich) den Eindruck hatte, Cash hätte den Titel erst kurz vor der Show aus Anlass des Abends geschrieben. Tatsächlich trat Johnny Cash bereits 1960 - ohne Gage - erstmals in jenem sagenumwobenen Gefängnis auf (der allererste Gefängnisauftritt fand im Jahr 1957, im Huntsville State Prison, Texas, statt).
Etliche weitere "Prison-Shows" in ganz Amerika sollten folgen, doch außerhalb der Staaten realisierte man das erst so richtig anhand von besagtem "At San Quentin" und "At Folsom Prison".
Über Jahre hinweg eingespannt und erfolgreich mit der "Johnny Cash TV Show" kam es aber dann, durch die Vermittlung des schwedischen Anwaltes Olof Arvidsson, zum ersten Konzert Cashs hinter.., ja, buchstäblich: "Schwedischen Gardinen".
Am 3. Oktober 1972 trat Johnny Cash mit seiner Band im Österaker Gefängnis, etwas nördlich der Hauptstadt Stockholm, auf. Die "große Besetzung" mit der Carter Family und den Statler Brothers als Background-Stimmen war, wohl aus Kostengründen, nicht möglich aber ansonsten war Cashs bewährte Band vollzählig und wurde noch durch den Pianisten Larry Butler verstärkt. Veröffentlicht wurde der Auftritt damals als "Inside A Swedish Prison". Die "35th Anniversary Editon" beinhaltet 12 bis dato unveröffentlichte Songs und bringt somit nun fast das ganze Konzert von damals (das damals doppelt gespielte Orleans Parish Prison ist hier in einer anderen Version enthalten, als auf der Original-LP).

Die Band leitet den Abend instrumental ein und dann folgen gleich drei weitere Songs, die bisher unveröffentlicht waren. Sein Hit A Boy Named Sue macht den Anfang und kommt ganz schön eilig daher. Vielleicht die Aufregung? Die so gehetzten Worte nehmen etwas von dem Charakter des Songs, aber für Schwung sorgt's natürlich.
Cashs Freundschaft zu und die Wertschätzung für Kris Kristofferson war schon damals groß und mit Sunday Morning Coming Down drückt er das, ebenso wie mit dem kurz darauf folgenden Me And Bobby McGee, bereits frühzeitig aus. Dazwischen reißt er die Insassen mit San Quentin - und natürlich erst recht mit der Transponierung zu Österaker - zu ersten Begeisterungsstürmen hin.
Auf seine Hits und Klassiker zu setzen, wäre das Einfachste für Johnny Cash gewesen, aber er weiß, wo er ist und was er sich und den Häftlingen schuldig ist. So kommen mit Orleans Parish Prison, Jacob Green, Life Of A Prisoner und The Prisoners Song gleich vier Songs die sich eingehen mit der Thematik von Verbrechen, Unrecht und Gefängnis auseinandersetzen. Kein Wunder, dass aber gerade diese Songs beim Publikum sehr gut ankommen, obwohl, oder weil, es da naturgemäß eher nachdenklicher zugeht. Gelegenheit hat man da auch, sich das akzentuierte Spiel der Begleitmusiker, gerade der Gitarristen, genauer anzuhören und auch das Piano nimmt öfter - etwa im letztgenannten Song - eine größere Rolle ein.
Klar, dass der Folsom Prison Blues die Stimmung wieder etwas ausgelassener werden lässt und sogar zum Mitklatschen veranlasst.
Mit Help Me Make It Through The Night spielt Cash einen weiteren Kristofferson-Song und macht auch hier eine gute Figur.

Seinem, zu dem Zeitpunkt, 75jährigen Vater widmet er das ruhigere, aber typische gespielte Silver Haired Daddy Of Mine und lässt dem, nur vom Piano begleitet, ein Gedicht eines Inhaftierten in Amerika folgen.
Bei aller Ernsthaftigkeit bringt Johnny Cash aber auch immer mal eine kleine (lustige) Geschichte und erntet so jederzeit ein paar Lacher. Seinem Freund Carl Perkins widmet er diesmal eine recht lange Ansprache und der erweißt sich mit High Heel Sneakers und, natürlich, Blue Suede Shoes dieser äußerst würdig, was sich hier auch durch den "Szenenapplaus" ausdrückt. Routiniert übernimmt Cash wieder und stellt die Band vor: "Best guitar-player on this side of the stage: Bob Wootton". Er meint's aber nett.
Mit Dirty Old Egg Suckin' Dog sollte das Konzert eigentlich beschlossen werden, aber es wäre nicht Johnny Cash, würde ihn nicht die Szenerie zu weiteren Songs inspirieren. Da freue ich mich besonders über einen meiner Lieblingstitel: Wreck Of The Old '97. Auch das mit gehörigem Drive gespielt und das gehört sich für so einen Railroad-Song auch nicht anders! Kurz. Und gut!
Für seine Frau hat Johnny Cash I Promise You an ihrem Hochzeitstag geschrieben und singt diesen Love-Song an diesem. Das von seiner Frau June erst in kurz vor diesem Auftritt geschriebene Nobody Cared hat bedeutend mehr Temperament. Das hat wohl auch Johnny dazu gebracht diesen Song ungeprobt - ja nicht mal selbst vorher gesungen - hier zu präsentieren.
Es waren nur rund 100 Häftlinge anwesend, aber die haben sich San Quentin ein weiteres Mal verdient. Ein letztes Mal brüllen sie ihre Zustimmung zu "Österaker, may you rot and burn in hell" und so endet die Show dann. Das übliche Outro wird instrumental - Folsom Prison Blues - gespielt.
Einen Kultstatus wie die beiden vorangegangenen Prison-Alben hatte die Scheibe damals - zurecht - nicht und wird sie auch jetzt nicht erhalten aber eine weitere interessante Facette vom 'Man in black' deckt sie auf und bringt immerhin einiges bisher nicht Erhältliches mit sich. Und: Dass keine Backgroundsänger dabei sind, hat auch seine 'Faszination'.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 28.03.2008