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At Folsom Prison (Legacy Edition)
At Folsom Prison (Legacy Edition), Sony BMG, 2008
Johnny CashVocal, Guitar
June Carter CashVocal
Marshall GrantBass
Luther PerkinsElectric Guitar
W.S. HollandDrums
Carl PerkinsGuitar, Vocal
The Carter Family (Mother Maybelle, Helen and AnitaVocals, Guitar
The Statler Brothers (Harold Reid, Don Reed, Phil Balsley, Lew Dewitt)Vocals
Produziert von: Bob Johnston (Original Album), Bob Irwin (Legacy Edition) Länge: (CD) 141 Min 42 Sek Medium: CD & DVD
CD 1 - Show One:
01. Opening Announcements from Hugh Cherry14. Send A Picture Of Mother
02. Blue Suede Shoes (Carl Perkins)15. The Wall
03.This Ole House (The Statler Brothers)16. Dirty Old Egg-Sucking Dog
04. Announcements and Johnny Cash Intro from Hugh Cherry17. Flushed From The Bathroom Of Your Heart
05. Folsom Prison Blues18. Joe Bean
06. Busted19. Jackson (with June Carter)
07. Dark As A Dungeon20. I Got A Woman (with June Carter)
08. I Still Miss Someone21. The Legend Of John Henry's Hammer
09. Cocaine Blues22. June's Poem
10. 25 Minutes To Go23. Green, Green Grass Of Home
11. I'm Here To Get My Baby Out Of Jail24. Greystone Chapel
12. Orange Blossom Special25. Closing Announcements
13. The Long Black Veil
CD 2 - Show Two:
01. The Old Spinning Wheel (Carl Perkins)14. Orange Blossom Special
02. Opening Announcement from Hugh Cherry15. The legen Of John Henry's Hammer
03. Matchbox (Carl Perkins)16. Give My Love To Rose (with June Carter)
04. Blue Suede Shoes (Carl Perkins)17. Dirty Old Egg-Sugging Dog
05. You Can't Have Your Kate And Edith, Too (The Statler Brothers)18. Flushed From The Bathroom Of Your Heart
06. Flowers On The Wall (The Statler Brothers)19. Joe Bean
07. How Great Thou Art (The Statler Brothers)20. Jackson (with June Carter)
08. Announcements and Johnny Cash Intro from Hugh Cherry21. Long-Legged Guitar Pickin' Man (with June Carter)
09. Folsom Prison Blues22. I Got Stripes
10. Busted23. Green, Green Grass Of Home
11. Dark As A Dungeon24. Greystone Chapel
12. Cocaine Blues25. Greystone Chapel
13. 25 Minutes To Go26. Hugh Cherry Introduces Johnny's Father, Ray Cash, Associate Warden Walter E. Craven and Floyd Gressett, and Closing Announcements
DVD:ca. 130 Min
Johnny Cash at Folsom Prison - Documentary

Es war auch kaum zu erwarten - das Weihnachtsgeschäft noch dazu vor Augen - dass nicht mindestens eine besondere Johnny Cash Veröffentlichung stattfinden würde. Hatte man uns 2006 "At San Quentin" beschert, so folgt nun mit "At Folsom Prison" die Mutter aller Gefängnisshows. Ja, ich weiß: Erst 1999 freuten sich die Cash-Jünger über eine Ausgabe von "At Folsom Prison", die endlich das ganze Konzert beinhaltete. Und jetzt? Gibt's das ganze Konzert und die "Vorgruppen" und das ganze Konzert ..., ja, hallo, was nämlich die meisten nicht wussten: Es waren zwei Konzerte! An jenem 13. Januar 1968. Also heißt es hier zweimal "Hello, I'm Johnny Cash". Einmal morgens um 20 vor 10 und einmal am um 12.40 Uhr. Von wegen Abendveranstaltung. Das hätte man den Knackis wohl kaum genehmigt und selbst für Johnny Cash nicht, der selbst bei seiner Plattenfirma sechs Jahre kämpfen musste, bis die einen Auftritt in einem Gefängnis mitschneiden wollten.
"At Folsom Prison" ist nun einmal eines der wichtigsten und beeindruckendsten Alben der Musikgeschichte und so kommt man erneut kaum um den Erwerb herum. (Ich weiß gar nicht, wie oft ich Eric Claptons "Rainbow Concert" schon gekauft habe. LP, CD, CD mit Bonus Tracks ...)
Über die Musik brächte ich eigentlich nicht viel Worte verlieren, denn die kennt man ja eigentlich zur Genüge. Bei den Liner-Notes hat man überwiegend die übernommen, die schon 1999 verwendet wurden und damals neue Worte von Johnny selbst und von Steve Earle enthielten.
Das Besondere ist wirklich die Atmosphäre, die selbst nach all den Jahren erhalten und obwohl nur akustisch, dennoch spürbar ist. Unter den ca. 2000 Häftlingen werden auch nicht nur Country-Fans gewesen sein, aber sie sahen Cash als einen Verbündeten an. Die manchmal raue Art des Sängers, erfreute die Zuhörer oft nicht weniger als seine Lieder. Etwa, wenn Johnny Cash nach einem Glas Wasser verlangt und kurz darauf, nachdem man dem wohl nicht schnell genug nachgekommen war, diesen Wunsch, diesmal Nachdrücklicher, wiederholt. Da brandet der Applaus auf und die Zurufe werden lauter. Ja, das ist unser Mann!
Beide Shows werde von Carl Perkins eröffnet, der mit seinen Klassikern Blue Suede Shoes und Matchbox ordentlich "vorglüht". Ihm folgten jeweils die STATLER BROTHERS mit ihren typischen Vokal-Stücken. Bemerkenswert, dass das "Vorprogramm" bei der Mittagsshow einiges länger ist als am Morgen. Vielleicht dauerte Johnnys Regenerierung nach der ersten Show doch länger. War ja auch nicht wirklich seine Zeit des Tages.

Einen Vorzug mag ich keiner der beiden Shows geben. Beide haben ihre Momente. Natürlich steigt die Stimmung immer, wenn June Carter - die Heirat mit Johnny Cash stand erst noch bevor - mit ins Rampenlicht trat. Ob eine fetzige Version von Jackson oder auch "nur" ein Gedicht - die Aufmerksamkeit war ihr gewiss und in puncto Bühnenpräsentation konnte wohl selbst ihr Zukünftiger noch manches von ihr lernen.
Der kam natürlich immer gut an, wenn er "ein paar Liebeslieder" ansagte und dann gleich Dirty Old Egg-Sucking Dog folgen liess. Und auch das folgende Flushed From The Bathroom Of Your Heart bekam seinen Szenenapplaus nicht, weil der Text so zart fühlend gewesen wäre. Deutlich zu hören ist, wie angegriffen Cashs Stimme zum Teil ist. Er durchlebte ja nicht unbedingt die gesündeste Zeit seines Lebens. Störend wirkt das allerdings nicht, denn ersten bekommt er jedes Mal noch die Kurve und dann bringt das auch eine gewisse Rauheit mit ein, die manchen Titel wohl sonst etwas glatt erscheinen lassen könnte.
Highlights sind zweifellos der Cocaine Blues und der Orange Blossom Special. Bei den Häftlingen sind deutliche Favoriten The Wall, natürlich Folsom Prison Blues sowie 25 Minutes To Go und I Got Stripes - halt immer, wenn sie praktisch Teil der Story waren.
Die Band spielt durchwegs genial und mit Dampf. Die Umgebung wird ihren Beitrag geleistet haben. Hier hört man noch die Original "Tennessee Three". Bei "At San Quentin" ersetzte ja dann schon Bob Wootton den verstorbenen Luther Perkins. Das ist sicher alles ziemlich puristisch, aber ich finde, da kommt ungeheuerer Drive rüber. Manchmal, wie bei den alten BEATLES - Star Club - Aufnahmen. Natürlich mit besserem Sound.
Bewegend ist natürlich auch die Darbietung von Greystone Chapel, dem Song den der Insasse Glen Sherley geschrieben hatte und der Cash durch einen Priester überbracht wurde. In der Nacht vor der diesen Auftritten erstmals gesungen und kurz geprobt, sorgt es für gehörige Stimmung, wenn Cash diese Midtempo-Country-Nummer bringt und bei der zweiten Show spielt er den Titel sogar zweimal hintereinander. Obwohl er die Band für die zweite Version mehrfach unterbricht und neu beginnen lässt, was etwas die Fahrt herausnimmt. Am Ende tobt der Saal aber doch wieder.

Zusätzlich enthält dieses Package noch eine DVD, die über mehr als zwei Stunden die Geschichte dieser Auftritte dokumentiert (Untertitel auf deutsch und englisch sind enthalten). Live-Aufnahmen vom Konzert gibt es allerdings keine, da der Auftritt ja nicht gefilmt wurde. Trotzdem erhält man durch Ex-Insassen, Familienmitglieder sowie, u.a., von Cashs Protege Marty Stuart und Merle Haggard interessante Storys und Informationen. Auch die tragische Geschichte von Glen Sherley wird noch einmal erzählt. Der kam Anfang der 70er frei - Johnny Cashs Hilfe wird nicht ganz unbedeutend gewesen sein - und schaffte es auch seine Musik auf Bühne und Platte zu bringen. Trotzdem fasste er nie richtig Fuß und sein Selbstmord Ende des Jahrzehnts spiegelt sein Unvermögen, mit der Welt "draußen" zurechtzukommen, wieder. Ob direkt oder indirekt davon beeinflusst: Johnny Cash hörte dann auf, in Gefängnissen aufzutreten.
Hier allerdings, kann man ihn noch einmal erleben, den größten Countrystar ever und eines (bzw. zwei) der mitreißendsten Konzerte die je auf Platte gebannt wurden.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 30.11.2008