Live At Montreux 2003
Live At Montreux 2003, Eagle Vision, 2007
Ian Anderson Vocals, Flute, Guitar
Martin Barre Guitar
Andrew Giddings Keyboards
Jonathan Noyce Bass
Doane Perry Drums
Masha Vocals
Produziert von: Claude Nobs Länge: 117 Min Medium: DVD
01. Some Day The Sun Won't Shine For You11. Fat Man
02. Life Is A Long Song12. Living In The Past
03. Bourée (version de Noel)13. Nothing Is Easy
04. With You There To Help Me14. Beside Myself
05. Pavane15. My God
06. Empty Cafe16. Budapest
07. Hunting Girl17. New Jig
08. Eurology18. Aqualung
09. Dot Com19. Locomotive Breath
10. God Rest Ye Merry Gentlemen

"Too Old To Rock 'N 'Roll: Too Young To Die" verkündigten JETHRO TULL bereits 1976 vollmundig auf ihrem gleichnamigen Longplayer und dabei waren sie damals gerade mal acht Jahre alt. Wer hätte gedacht, dass man heute in einem Jahr quasi vierzigjähriges Dienstjubiläum feiern sollte, eine goldene Uhr haben sich die Mannen um Mastermind Ian Anderson somit redlich verdient, obwohl außer Martin "Lancelot" Barre an der Klampfe niemand aus den Anfängen mehr mit dabei ist.

Ohne mich den alt gedienten Recken jetzt respektlos erweisen zu wollen, aber im Grunde ist es egal, mit welchem Line Up die Band heutzutage aufwartet, denn eigentlich ist JETHRO TULL gleich Ian Anderson zu setzen, auch wenn z. B. Barre für die Identität sicher nicht unwichtig ist und dieser mittlerweile schon mal selbst zur Querflöte greift (Fat Man), aber auch er wäre wohl leider ersetzbar. Andersherum ist die Band ohne Ian Anderson nicht vorstellbar, seine Präsenz, seine Performance, seine Stimme, sein Flötenspiel etc. ist nicht zu kompensieren. Sicher, viele Bands, von denen man annehmen würde, ohne deren Lichtgestalt würde es nicht gehen, existieren heute noch, wenn auch mehr schlecht als recht, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber bei TULL kann man das m. E. definitiv ausschließen.

Auch auf "Live At Montreux 2003" wird dies mehr als deutlich, die Kamera fokussiert überwiegend den "einbeinigen Rocker", was einerseits verständlich ist, andererseits auf die Dauer auch recht eintönig wird. Überhaupt ist die visuelle Attraktivität dieser DVD, obwohl exzellent gefilmt und in bester Qualität veröffentlicht, nicht überzeugend, der Funke will irgendwie nicht überspringen. Anders dagegen das reine, audiophile Vergnügen, immerhin bekommt man mit dieser DVD ein Sounderlebnis quasi adäquat zu einer SA-CD oder DVD-Audio und das zum Preis der zeitgleich erscheinenden Doppel-CD. Hier zeigt sich erneut die rückständige Preispolitik in Bezug auf Audio-CDs, während DVDs entsprechend gängiger Preispolitik gehandelt werden, wird die CD künstlich hochpreisig vermarktet, was wie in diesem Fall dazu führt, dass die DVD bereits kurz nach VÖ günstiger ist, als die profane CD. Da "Live At Montreux 2003" im Gegensatz zu der 2002 erschienen "Living With The Past" DVD als reiner Gig ohne Unterbrechungen daher kommt, lohnt sich die Anschaffung so oder so, auch wenn man sie am Ende nur akustisch genießen will.

Der Gig an sich ist schnell abgehakt. Auf Einladung von Veranstalter Claude Nobs gaben TULL laut Anderson ihre erste und bislang einzige Stippvisite beim "Montreux Jazz Festival", wie es richtigerweise heißt, obwohl Nobs darauf besteht, dass sie bereits 69 oder 70 dort aufgetreten sein sollen, man weiß es nicht.
Der heutige Veranstaltungsort ist übrigens der Nachfolger, des in dem DEEP PURPLE Klassiker Smoke On The Water besungenen und abgebrannten Montreux Casino.
Das Konzert war aufgeteilt in eine semi-akustische erste Hälfte, m. E. bis Track 11 mit durchaus interessanter Set-List, und danach einen normal verstärkten, elektrischen zweiten Durchgang mit den üblichen Verdächtigen (entsprechend der Aufteilung auf der Doppel-CD), obwohl die Übergänge hier mehr als fließend sind.
Die DVD bietet ansonsten keinerlei Extras, erwähnenswert höchstens die amüsanten, lesenswerten Liner Notes von Ian Anderson himself, aber aus oben genannten Gründen lohnt sich der Kauf allemal.

Technische Daten: RC 0, Bildformat 16:9, DTS, Dolby 5.1, PCM Stereo, DVD 9 Dual Layer, PAL, Englisch, ohne Altersbeschränkung.

Ralf Frank, (Artikelliste), 02.10.2007